Fischbach-Göslikon
«Manche Leute mögen verkrüppelte Tännchen»

Familie Hunkeler war vor 35 Jahren eine der ersten Freiämter Familien, die Christbäume züchteten. Die Vorlieben von Hunkelers Kunden sind ganz unterschiedlich. Selbst verkrüppelte Bäumen finden immer Abnehmer.

Andrea Weibel (Text und Fotos)
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Wer von Wohlen her Richtung Fischbach-Göslikon aus dem Wald heraus kommt, sieht links und rechts der Strasse überall kleine Tannenbäume wachsen. «Vor 35 Jahren, als mein Vater Paul mit dem Anpflanzen der Christbäume begann, war er bis auf einen Züchter in Fahrwangen weit und breit der Einzige in diesem Geschäft. Das hat sich unterdessen stark verändert», erinnert sich Paul Hunkeler (59).

Mitleid mit «wüsten» Bäumchen

Jährlich verkaufen Hunkelers weit über 300 Nordmannstannen direkt ab Hof. «Es ist spannend, einigen Leuten gefällt gleich der erste Baum, andere gehen stundenlang herum und haben an jedem irgendwas auszusetzen. Manche streiten sich sogar deswegen», erzählt Paul Hunkeler schmunzelnd. Sein Sohn Markus fügt an: «Einige Leute suchen explizit ein etwas verkrüppeltes, wüstes Tännchen, weil sie Mitleid haben und dem Bäumchen zu Weihnachten ein schönes Plätzchen geben wollen.»

Die Kundinnen Fanny Kaldis aus Ottenbach und Gisèle Fauchère aus Urdorf kaufen ihre Christbäumchen seit Jahren bei Hunkelers. «Eine Freundin hat mich einmal mitgenommen, weil sie sagte, hier gäbe es die schönsten Bäume. Seit damals komme ich nur noch hierher, und das seit zehn Jahren», freut sich Fanny Kaldis. Sie muss nie lange suchen: «Meistens gefällt mir gleich der allererste Baum, den ich anschaue.»

Noch schneller ist Nachbar Giovanni Hegglin. Er hat den Hof kaum betreten, als er ausruft: «Den dort hinten, den nehme ich, der gefällt mir.» Seit über 20 Jahren kauft er seine Tannen hier. «Hier sind sie am frischesten.» Manchmal geht er auch vorgängig hinauf an den Waldrand, wo die Bäumchen wachsen, und markiert seine Favoriten mit Zetteln.

Unterstützung von der Familie

Das Jahr hindurch pflegt Paul Hunkeler die Tannen alleine. «Das ist mein Hobby und ein schöner Ausgleich zu meinem Beruf als Lastwagenchauffeur.» Im Dezember, wenn es ums Schneiden, Runtertragen und Verkaufen der Bäumchen geht, hilft aber die ganze Familie mit, darunter Ehefrau Pia (54) sowie die drei Kinder Sandra (34), Markus (32) und Roger (31). «Das ist einfach Tradition und macht immer Spass», findet Markus.

Besonders am letzten Samstag vor Weihnachten ist diese Hilfe dringend nötig. «Dann betreiben wir ein Kafi-stübli und es kommen meistens über hundert Leute vorbei», berichtet Paul. Viele der Leute kommen jedes Jahr. «Es ist immer sehr gesellig», weiss Pia Hunkeler. Gut gelaunt fügt sie an: «Wenn die Herren ein paar Gläser Glühwein intus haben, kann es aber schon vorkommen, dass sie ihr Bäumchen nicht mehr finden.» Einer habe sein Tännchen gar einmal vom Laternenpfahl herunterholen müssen, weil es die Buben dort versteckt hätten, erinnert sich die Mutter lachend.

Bäumchen vergessen

Hunkelers haben schon einiges während des Christbaumverkaufes erlebt. «Einmal kam ein Mann abends um 9 Uhr ganz verzweifelt mit einem Bäumchen an. Er müsse es unbedingt umtauschen, sonst gäbe es Streit zu Hause. Da haben wir ihm natürlich geholfen», erinnert sich Pia. Ihr Mann ergänzt grinsend: «Und einer ist einmal am 24. Dezember abends um 5 Uhr hier gewesen, weil er vergessen hatte, ein Bäumchen zu kaufen. Das hätte zu Hause sicher Ärger gegeben.»

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