Uezwil

«Mami kann gar nicht das Christchindli sein!» – oder vielleicht doch?

Corinne Koch betrachtet Fotos von früheren Weihnachten, auf ihrem Schoss sitzt «Tägerli», ihr schönstes Geschenk.

Corinne Koch betrachtet Fotos von früheren Weihnachten, auf ihrem Schoss sitzt «Tägerli», ihr schönstes Geschenk.

Pralinés und ein Paar Socken, das gehört für Corinne Koch einfach zu Weihnachten – und ein Tannenbaum mit schöner Spitze.

Die Stube ist schon Wochen vor Weihnachten winterlich geschmückt, die Adventskalender hübsch über eine alte Leiter neben Weihnachtsmännern drapiert. Für die gelernte Floristin Corinne Koch aus Uezwil ist die passende Deko eine Herzensangelegenheit. Lächelnd schaut sie ihr Fotoalbum aus Kindertagen durch, in dem einige Bilder von Christbäumen und leuchtenden Kinderaugen eingeklebt sind. «Damals lagen immer viele Geschenke unter dem Baum, aber wir waren auch fünf Kinder, da sieht es schnell nach viel aus», erzählt sie. Heute wohnt sie mit ihrer Familie in dem Haus, in dem sie aufgewachsen ist. Doch damals war der vordere Teil des Erdgeschosses noch Dorfladen, in dem ihre Mutter Irma und ihr Vater Karl Hausherr Kunden bedient haben. «Auch am 24. war der Laden offen», erinnert sich die 38-Jährige.

Christkind kam später

Gut, dass auch das Christkind erst nach Ladenschluss bei der Familie Hausherr vorbeikam. «Wir Kinder spielten immer im Estrich, denn wir wussten, dass unten das Christkind unsere Geschenke brachte.» Als die Eltern riefen, stand der Christbaum bereit, die Geschenke darunter. Meistens bekam die kleine Corinne zweierlei: Gutscheine für Reitstunden beim Uezwiler Ponyhof und selbstgestrickte Kleider für «Tägerli». «Er war mein Bäbi, das schönste Geschenk, das ich je bekommen habe», berichtet sie lächelnd. Der Name Tägerli erinnere mit grosser Wahrscheinlichkeit an einen Jungen, in den sie als kleines Mädchen verliebt gewesen sei. «Und natürlich bekamen wir immer Socken und andere Kleider.»

Speziell war das Weihnachtsessen im Hause Hausherr: «Weil meine Eltern wegen des Ladens kaum Zeit hatten, gab es immer belegte Brötli.» Nach dem Essen und den Geschenken daheim spazierte die ganze Schar die paar Hundert Meter zum Haus ihrer Grossmutter, wo das Christkind erneut kam. Danach gings um 23 Uhr in die Üezmeler Kapelle zur Messe. «Als wir etwas grösser waren, gingen wir danach immer nach Büttikon ins Pöstli, um zu jassen. Manchmal blieben wir bis früh am Morgen. Da durfte keiner fehlen.»

Das Malheur mit der Spitze

Heute legen ihre beiden Töchter Celine (8) und Nina (6) am Abend des 23. Dezembers ihre Wunschzettel auf den Balkon. Das Christkind holt sie dort ab und bringt gleichzeitig das Weihnachtsbäumchen in die Stube. Das machen Corinne und ihr Mann Budi zusammen – dabei hätte er in einem Jahr beinahe seine Bäumchenschmückberechtigung verloren. «Er will immer eine Spitze, ich eher einen Stern oben am Bäumchen. Als er die Spitze einmal alleine anbringen wollte, dachte er, der Baum sei zu hoch, und schnitt die Baumspitze ab. Ich konnte es nicht fassen!» Da musste Budi das Bäumchen schienen, mit Klebeband zusammenflicken, und als Corinne das Malheur mit einer Schleife verdeckt hatte, war Weihnachten gerettet, lacht sie.

«Mir ist wichtig, dass meine Kinder so lange ans Christkind glauben dürfen, bis sie es selber merken, denn diese Zeit ist etwas Spezielles.» Dabei hören die Mädchen in der Schule, dass Christkind, Samichlaus und Osterhase nur das Mami sei. «Letztens fragte meine Grosse, ob das stimme. Da sagte die Kleine: ‹Mami kann gar nicht Christkind oder Samichlaus sein. Sie ist ja immer da, wenn der Samichlaus kommt.› Logisch.»

Bescherung gibt es bei Kochs immer erst bei ihnen daheim, danach drüben bei Corinnes Eltern. «Dort gibt es meist Fondue chinoise. Und die Kirche gehört natürlich immer noch dazu.» Seit ihrer Kindheit dürfen Fémina-Pralinés und Socken nicht unter dem Weihnachtsbaum fehlen. Ab und zu schmücken sie auch spontan ein verschneites Bäumchen im Wald mit Kerzen. «Und vielleicht kommt die Zeit, wo wir wieder einmal alle zusammen bei Christeli im Pöstli die Nacht durchjassen.»

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