Rudolfstetten
Malm behauptet: «Patientin brach in meine Praxis ein»

Der umstrittene Arzt bestreitet «Kassensturz»- Vorwürfe und stellt die Glaubwürdigkeit seiner ehemaligen Patientin Ornella Sieber massiv in Frage. Diese hatte in der Sendung gesagt, dass ihr Malm innert drei Tagen 300 Ritalin-Tabletten abgegeben habe

Fabian Hägler
Drucken
Teilen
Ingo Malm, Arzt in Rudolfstetten,sieht sich mit schwerwiegenden Vorwürfen konfrontiert. fh/archiv

Ingo Malm, Arzt in Rudolfstetten,sieht sich mit schwerwiegenden Vorwürfen konfrontiert. fh/archiv

fh/archiv

Ornella Sieber, eine frühere Patientin von Ingo Malm, hatte im «Kassensturz» am Dienstag behauptet, beim deutschen Arzt komme man «ganz leicht zu Medikamenten». Nun kontert Malm. «Dieser Vorwurf ist falsch und konnte vom Kassensturz nicht belegt werden», hält er in einer Stellungnahme fest. Wie Sieber selber zugegeben habe, sei sie betäubungsmittelabhängig gewesen. «Das war sie jedoch, bevor sie meine Praxis aufsuchte», schreibt der Arzt.

Ingo Malm versuchte laut eigener Aussage, «sie mit einer Reduktion der Medikamenteneinnahme von der Sucht zu befreien». Aufgrund eines Programmabbruchs von Ornella Sie- ber habe das jedoch nicht funktioniert. «Ihre leichtfertige Aussage gegenüber dem ‹Kassensturz› ist wohl weniger auf mein Verhalten zurückzuführen, als auf den steten Druck des ‹Kassensturzes›, schlecht über mich zu berichten», vermutet der Arzt.

Schliesslich habe sich bis heute ausser Ornella Sieber kein einziger ehemaliger Patient finden lassen, der sich von ihm schlecht behandelt fühlte. Und Ingo Malm
fügt hinzu, «dass Frau Sieber mehrfach vorbestraft und mit ihrem Lebenspartner sogar in meine Praxis eingebrochen ist.»

Ritalin-Menge «unproblematisch»

Zum Vorwurf, er habe ohne Bewilligung Ritalin abgegeben, hält Malm fest: «Jeder Arzt kann Ritalin verschreiben. Das ist nicht bewilligungspflichtig.» Eine Bewilligungspflicht bestehe nur bei Abgabe von Ritalin in Selbstdispensation aus der ärzteeigenen Apotheke. Malm räumt ein, dass deswegen ein Disziplinarverfahren gegen ihn laufe. Er betont aber: «Die Verschreibung des Ritalins in Zeit und Menge war unproblematisch.»

Zur Verfügung gestellt

Malm kritisiert auch die «Doppelrolle» von SVP-Grossrat und Anwalt Jean-Pierre Gallati. Als Politiker wolle Gallati «möglichst viel Aufmerksamkeit erhaschen und sich als Vorkämpfer gegen mich profilieren». Andererseits vertrete Gallati als Anwalt die ehe malige Malm-Angestellte Lina Tocco. Malm wirft Gallati vor, er nutze «politische statt rechtliche Mittel, um seiner Mandantin zu helfen.

So seien angebliche Lohnausstände aus der «Kassensturz»-Sendung vom Oktober nicht mehr zur Sprache gekommen, «da das Gehalt längst bezahlt war». Neu komme Tocco nun «mit der Geschichte von zehn Fläschchen Valium Tropfen à 20ml.» Malm hält dazu fest: «Belegen kann sie auch diese Behauptung nicht». Für Malm steht fest: «Grossrat Gallati, der sich im Fernsehen gerne als unbescholtener und strammer Politiker gibt, verfolgt hier ganz eindeutig Eigeninteressen.»

Nur ein Abrechnungs-Verfahren

Aus Malms Sicht ist die Berichterstattung im «Kassensturz» über ihn «eine öffentliche Vorverurteilung». Der einzige Fehler, den er begangen habe, «war, wenige Medikamente aus der eigenen Apotheke abzugeben, statt diese zu verschreiben». Malm hält dazu fest, so lange das entsprechende Disziplinarverfahren laufe, gelte die Unschuldsvermutung.Weiter erklärt Malm, «dass weder die Krankenkassen, die Santésuisse, oder die Suva durchsetzbare Forderungen» gegen ihn hätten.

Richtig sei, dass gegen ihn «ein einziges Verfahren bezüglich Abrechnungen» pendent sei. Dies treffe aber auf zahlreiche praktizierende Ärzte zu. Malm schreibt: «Es handelt sich um eine Routineüberprüfung.» Malm fasst zusammen, seine Konkurrenten in der Region hätten «die kleine Verfehlung in der Selbstdispensation genutzt, um ihm ungerechtfertigt massiven Schaden zuzufügen.»