Wohlen
Lorenz Stäger erhielt viele Tipps zu seinem Romanhelden Lunzi Koch

Nachdem sein Roman «der Kammerdiener» erschienen war, fragten die Leser ihn oft, warum keine Biografie von Lunzi Koch angefügt sei. Jetzt will er diese Lücke füllen und erhält viele Tipps von seinen Lesern.

JÖRG BAUMANN
Drucken
Teilen
Leser helfen beim Kammerdiener

Leser helfen beim Kammerdiener

zvg
Der Kammerdiener Lunzi in jüngeren Jahren. ZVG

Der Kammerdiener Lunzi in jüngeren Jahren. ZVG

zvg

Der weit gereiste Kammerdiener Lunzi Koch lässt seinen Biografen Lorenz Stäger nicht mehr los. «Nachdem mein Roman ‹Der Kammerdiener› erschienen war, fragten mich Leser oft, weshalb ich dem Roman nicht eine kurze Biografie angefügt habe, die nur auf den Fakten aus dem Leben von Lunzi Koch beruht. Ich musste gestehen: Hier besteht eine Lücke. Aber ich will sie ausfüllen. Ich arbeite gegenwärtig an Lunzi Kochs Biografie, die – anders als im Roman – nichts Erfundenes enthält», sagt der Wohler Schriftsteller.

Stäger fand verspätet heraus, dass Lunzi Koch eigentlich auf den Namen Jost Leonz, nach seinem Götti in Hägglingen, getauft worden ist. «Hätte ich vorher ins Taufregister geschaut, hätte ich das noch rechtzeitig bemerkt», sagt Stäger. «Aber ich habe meinen Quellen vertraut.» Das echte, nicht romanhaft ausgeschmückte Leben des Kammerdieners ist ohnehin spannend genug und es wert, genau aufgezeichnet zu werden, findet Stäger. Nachdem er in Villmergen, wo Lunzi Koch aufgewachsen ist, aus seinem biografischen Roman vorgelesen hatte, kam Willy Brunner, ein historisch bewanderter Sammler aus Villmergen, zu ihm und zeigte ihm eine Fotografie von etwa 1900 von Lunzi Kochs Elternhaus an der Klappergasse in Villmergen.

Silber im Villmerger Boden

Brunner erhielt die Fotografie, auf der Lunzi Koch zu Besuch daheim zusammen mit seinem Bruder Placid neben einer Kuh zu erkennen ist, von Lunzi Kochs Grossnichte Erica Jeans-Koch, die in Sydney (Australien) lebt. Stäger heftete sich sogleich an die Fersen der Grossnichte, fand ihre Telefonnummer heraus und unterhielt sich mit der 90-jährigen Erica Jeans über Tausende von Kilometern hinweg über ihren berühmten Verwandten. Von Erica Jeans erfuhr Stäger, dass Lunzi Koch tatsächlich einmal viel Geld besessen hatte. Er habe seiner Schwester Josephine Schoepfer-Koch geholfen, das Schlossgut der Laiterie du Domaine de St-Tronquet bei Avignon zu kaufen. Doch bei der Geldabwertung in Frankreich ging das Geld verloren.

Erica Jeans kannte die damaligen Käseproduzenten Schoepfer noch. Von ihr erfuhr Stäger auch eine andere Geschichte: Lunzi Koch diente 1893 bis 1896 als Kammerdiener im Haus des Pianokönigs William Steinway im New Yorker Stadtteil Queens, was man im Roman nachlesen kann. Steinway schenkte Lunzi Koch, der sich nun gut amerikanisch Leonce Koch nannte, ein mit seinem Namen graviertes Silberbesteck. Auf Stägers Frage, wo das Besteck heute sei, antwortete Erica Jeans lachend, das sei leider seinerzeit bei der Hausräumung mit den übrigen alten Dingen in die Güselgrube geführt worden.

Irgendwo im Villmerger Boden vergraben liegt also noch ein Stück Familiengeschichte. Der Gedanke wäre reizvoll, dass das Steinway’sche Silberbesteck ausgebuddelt werden könnte und in einer öffentlich zugänglichen historischen Sammlung, die man in Villmergen erst noch begründen müsste, aufgenommen würde.

Der Betstuhl einer Gräfin

Stäger tippte in seinem Roman ab der Seite 90 auch an, dass Lunzi Koch 1885 im Dienst der Gräfin Anne-Marie Comtesse de Pourtalès-Gorgier auf dem Schloss La Corbière bei Estavayer le Lac am Neuenburgersee stand. Das Schloss wurde mehrmals umfunktioniert. Nachdem es ein Hotel geworden war, konnte Lorenz Stäger bei einer Auktion den Betstuhl der Gräfin kaufen, der in der Schlosskapelle stand. Ob ihn Lunzi Koch auch gesehen und gar abgestaubt hat?

In seiner Studie über das Schlossgut schreibt Henri Michaud, dass ein «guter Teil der europäischen Noblesse» auf dem Schloss zu Besuch gewesen sei, so auch 1895, als Lunzi Koch dort bereits nicht mehr Kammerdiener war, die Familie von Estérhazy von Budapest sowie der Herzog und die Herzogin von Sachsen-Coburg, Verwandte der englischen Königin Victoria. Unten auf dem Neuenburgersee verkehrten die Dampfschiffe. Die Gräfin liebte es scheinbar, am See spazieren zu gehen. Um ihr den Zugang zu erleichtern, baute ihr der Schlosser Philibert Liardet eine eigene Drahtseilbahn.

Aktuelle Nachrichten