Muri

Live, Laugh, Love

Olivia Trummer/Nicola Angelucci Duo zu Besuch bei «Musig im Pflegidach» in Muri.

Olivia Trummer/Nicola Angelucci Duo zu Besuch bei «Musig im Pflegidach» in Muri.

Das Duo von Nicola Angelucci und Olivia Trummer zog mit ihrem emotionalen Sound das Publikum des «Musig im Pflegidach in ihren Bann.

Der Drummer Nicola Angelucci hat seine Augen geschlossen. Schläger hat er keine in den Händen. Nun trommelt er auf dem Schlagzeug nur noch mit seinen Fingern. Mehr braucht er nicht. Er ist völlig in seiner eigenen Welt versunken und diese fliesst aus ihm raus. Sie schlängelt sich durch das ganze Publikum, bis es ganz darin versunken ist. Eine sehr besondere Welt wird geteilt. Während dem ganzen Lied macht er seine Augen nicht auf. Erst als der letzte Klang erklingt, hebt er seine Augen zum Publikum. Ein Lächeln bis über beide Ohren steht in sein Gesicht.

Er sei nicht der erste, der mit den Fingern spielt, sagt der italienische Drummer. Er würde damit nur genau das zur Musik hinzufügen, was sie noch brauche. Sie spreche zu ihm. Dafür müsse man alles brauchen, was einem zur Verfügung stehe. Die Musik spreche zu ihm und er müsse sie nur zu einem Stück zusammensetzen. Man müsse nur hinhören, meint er. Indem man hinhöre, komme man in seine Welt.

I’m talking nonesense

Der Gastgeber Stephan Diethelm kündet mit einem Schmunzeln an: «An Theater und Konzerten sind seit dem Sommer keine Ansteckungen festgestellt worden, wir sind eigentlich der sicherste Ort.» «So hat sich die Pflegi heute auch angefühlt», meint eine Zuschauerin nach dem Konzert. Während dem Konzert baut die sanfte Stimme von Olivia Trummer eine Blase um die Zuschauer, die so ihren Alltag vergessen können. Mit dem Lied «Tu, Io e Domani» ist es ihr möglich, nur mit ihrem Gesang Gefühle in den Leuten zu wecken. Dieses Lied habe ihr in den letzten schwierigen Monaten sehr geholfen.

Nach dem ersten Lied gibt Olivia Trummer bekannt, dass das Lied «All Is Well» heisst. «Unpassender kann man ja nicht beginnen» meint sie dazu. Weiter erzählt sie über ihren Partner: «Tatsächlich, hat er im Lockdown ungefähr zehn neue Musikstücke geschrieben, und so hat auch alles ein bisschen was Gutes. Naja.». Das Publikum muss lachen. «I’m talkig nonsense, don’t worry» fügt sie noch hinzu. Tatsächlich sind Trummer und ihr Musikpartner  Angelucci ein Paar. Sie könne es sich gar nicht vorstellen, nicht mit einem Musiker zusammen zu sein. Mit denen, für die es im Moment nicht möglich sei, ihre Geliebten zu sehen, fühle sie auch stark mit. Im Lockdown sei sie selbst von ihrer Familie weit weg gewesen.

Zehn Jahre nominiert

Im Jahr 2019 wurde Olivia Trummer mit dem Jazzpreis beglückt. Sie witzelt darüber, dass sie tatsächlich schon während zehn Jahren nominiert gewesen war. «Es war dann eine Erleichterung, dass es am Ende doch geklappt hat», lacht sie. «Das hat dann sehr viel Positives ausgelöst. Dann kamen ganz viele Veranstalter. Das warf nochmal ein Spotlight auf mich. Es hat mir persönlich viel bedeutet, einfach diese Anerkennung zu bekommen. Andererseits war das auch wirtschaftlich ein grosser Schub.» Zum Glück sei der Preis genau dann gekommen. Es sei genau der richtige Moment gewesen. Sie profitiere noch heute von den Vorteilen, die dieser Preis ihr gebracht habe. Dazu sei dies für sie unglaublich wertvoll gewesen, um den Lockdown zu überstehen.

Olivia Trummer/Nicola Angelucci Duo - «Stehaufmännchen»

Ein Sprung aus der Normalität

«Ich finde, über die Liebe gibt es viel mehr zu sagen, als was man in 90% der liebesbezogenen Lieder zu hören bekommt», spricht Trummer an. In ihren Liedern gehe es hauptsächlich um Liebe. Es gebe ja nicht nur himmelhoch, jauchzend oder zu Tode betrübt. Liebe habe wahnsinnig viele spannende Facetten. Sie versuche das aus diesen Themen rauszupicken, was einem als Person zugutekomme oder freier mache. Durch irgendein Verständnis, irgendeinen Zusammenhang, irgendeine Einsicht. Vielleicht eine Einsicht in die Komplexität der Liebe, durch die man einfach freier, selbstständiger und letztendlich auch unabhängiger leben könne. Jetzt sei der perfekte Moment, den Nächsten seine Liebe zu zeigen.

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