Bezirk Bremgarten
Liquidation: Das Ende des Jugendfürsorgevereins ist eingeläutet

154 Jahre hat er überstanden. Jetzt naht das Ende. Der Verein Jugendfürsorge Bezirk Bremgarten (JVF) soll liquidiert werden. Jetzt strebt man an, dass die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Bremgarten (Kesb) das Dienstleistungsangebot weiterführt.

Toni Widmer
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Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Bremgarten (Kesb) soll das Dienstleistungsangebot des Vereins weiterführen.

Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Bremgarten (Kesb) soll das Dienstleistungsangebot des Vereins weiterführen.

Lukas Schumacher

Der Jugend- und Familienberatungsstelle (JFB) in Bremgarten ist auch im vergangenen Jahr die Arbeit nicht ausgegangen. Und sie wurde erneut mit viel Engagement verrichtet. Organisatorisch ist allerdings weit nicht alles rund gelaufen. Verantwortlich dafür sind die Querelen um den Trägerverein Jugendfürsorge Bezirk Bremgarten (JVF), die sich schon einige Jahre hinziehen.

Gleich mehrere Angestellte haben das sinkende Schiff verlassen, die Arbeit im Bereich Kindesschutz musste mit Temporärkräften aufrechterhalten werden. Das hat Geld gekostet: Der Aufwandüberschuss der JFB beläuft sich für das Jahr 2014 auf knapp 81 000 Franken, welche von den im Trägerverein vertretenen 15 Gemeinden wohl oder übel nachgeschossen werden müssen.

Verein hat keine Zukunft mehr

Dem 153. Jahresbericht, der an der 154. Mitgliederversammlung des JVF vom Mittwoch in Sarmenstorf vorgelegt worden ist, dürfte wohl lediglich noch ein einziger folgen. Auf Antrag des Vorstandes haben die Delegierten beschlossen, den Vorschlägen einer Arbeitsgruppe zu folgen und die Liquidation des Vereins anzustreben. Die aus den Ammännern verschiedener Gemeinden gebildete und von Beatrice Koller, Jonen, geleitete Arbeitsgruppe hat an der Versammlung ein Konzept vorgelegt und anschaulich erläutert, in welcher Richtung es weitergehen soll. Der Verein habe in dieser Form keine Zukunft mehr, erklärte Thomas Meyer, Uezwil, der die Überlegungen der Arbeitsgruppe präsentierte.

Angestrebt werden soll jetzt, dass die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Bremgarten (Kesb) das Dienstleistungsangebot weiterführt und, nach Möglichkeit, auch die verbleibenden JFB-Mitarbeitenden übernimmt. Einen Vorentscheid dazu wird die Kesb an ihrer Versammlung vom nächsten Dienstag treffen. Ausdrücklich betont wurde in diesem Zusammenhang, dass es hier nicht um eine Fusion geht. Die Kesb würde die laufenden Mandate vom JFB übernehmen, aber keinesfalls dessen finanzielle Verpflichtungen.

Entscheidung fällt im Herbst

Über die ins Auge gefasste Liquidation von JFB und JVF sind noch keine verbindlichen Angaben oder Zahlen möglich. Diese wird die Arbeitsgruppe nun bis im Herbst detailliert ausarbeiten. Gestützt darauf soll dann eine weitere Versammlung konkret über die Liquidation entscheiden. In Sarmenstorf wurde im Rahmen einer Konsultativentscheidung lediglich ein positiver Vorentscheid gefällt und damit die weitere Stossrichtung der Arbeitsgruppe bestätigt.

Klar ist übrigens, dass die drei Gemeinden Bremgarten, Berikon und Fischbach-Göslikon, die im Frühling ihren Austritt aus dem JVF erklärt haben, bis Ende Jahr in der Pflicht stehen und somit die angestrebte Liquidation finanziell werden mittragen müssen.

Für den Untergang des Vereins mitverantwortlich ist ein unglücklicher Lokalwechsel. Die JFB zog 2013 ins Zufiker Sonnengut, der JVF fand aber keinen Nachmieter für die bisherigen Lokalitäten an der Zugerstrasse in Bremgarten, für deren Nutzung ein Vertrag bis Ende Juni 2017 besteht. Den Zins von jährlich 45 000 Franken für die leer stehenden Räume muss der JVF so lange weiterzahlen. Diese Sache hat für viel Wirbel und den Austritt von mehreren Gemeinden gesorgt.