Sins
Lieder statt Zoll auf der alten Brücke: Das «Troubadix» verzaubert die Zuhörer

Das Liedermacherfest Troubadix brachte rund 300 Zuschauer auf die alte Zollbrücke. Ein Freiämter schaffte es ins Final.

Andrea Weibel
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Christina Blum aus Fischbach-Göslikon trat mit ihrer Tochter Sina am «Troubadix» auf der alten Zollbrücke in Sins auf.
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Das Liedermacherfest Troubadix brachte rund 300 Zuschauer auf die alte Zollbrücke in Sins
Troubadix 2018 auf der Zollbrücke in Sins

Christina Blum aus Fischbach-Göslikon trat mit ihrer Tochter Sina am «Troubadix» auf der alten Zollbrücke in Sins auf.

Andrea Weibel

Er sollte was sagen, aber wann immer es für ihn ernst wurde – ob beim Finanzprüfer oder vor dem Traualtar – machte er bloss grosse Augen wie ein Fisch auf dem Restauranttisch. Mit dieser Geschichte, auf Mundart erzählt und hübsch verpackt in Geigen- und Akkordeonklänge, verzauberte die Zéphyr Combo die Zuhörer auf der alten Zollbrücke.

Das ansteckend gut gelaunte Paar, das laut Kommentator Simon «jedes Jahr ein Kind mehr ans ‹Troubadix› mitbringt», gewann damit das gemütliche kleine Festival. Doch beim «Troubadix» geht es überhaupt nicht nur ums Gewinnen. Das zeigt die Rangliste: Mit gleichviel Punkten auf den zwei dritten Plätzen fanden sich Sonja Wunderli und Gabriel Kramer – sie sind nicht nur ein Paar, sondern halfen sich auch gegenseitig als Begleitung bei ihren Liedern aus. Ebenso standen beide beim Lied «Ich will sie», das von Zigaretten handelt, mit dem Bremgarter Nick Spalinger als Begleiter auf der Bühne. Dieser schaffte es damit gar auf den zweiten Platz.

Von null ans «Troubadix»

Eine weitere Freiämterin erntete ebenfalls sehr viel Applaus und den Respekt ihrer Liedermacher-Kollegen und Zuhörer, auch wenn sie es nicht ins Finale geschafft hat. Die Fischbach-Göslikerin Christina Blum wusste nämlich vor einem Jahr noch gar nichts vom Liedermachen. «Ich wollte immer selber Lieder schreiben und hatte schon viele Ideen im Kopf. Aber erst, nachdem ich letztes Jahr am ‹Troubadix› in Bremgarten war, hatte ich die Motivation, es wirklich zu versuchen», berichtete sie. Gitarre gespielt habe sie vorher übrigens auch noch nicht.

Für diesen Mut vergab ihr das Publikum auch gerne kleinere Fehler. Denn die beiden Lieder waren originell und mit viel Herz geschrieben. Eines davon sang sie sogar mit ihrer Tochter Sina. Es handelte vom Aufräumen und davon, dass es doch viel Sinnvolleres gebe, was Mütter und Töchter gemeinsam machen könnten – findet zumindest die Tochter.

Wunderbarer Austragungsort

Für die kulinarische Seite des Festivals, das jedes Jahr an Pfingsten irgendwo im Aargau ausgetragen wird, kümmerte sich das benachbarte Restaurant Zollbrücke. Dort wurden extra ein grosser Grill aufgestellt und verschiedene Menüs samt «Troubadix»-Burger verkauft, wobei vor allem Fleischliebhaber auf ihre Kosten kamen.

Und obwohl die Idee, die alte Zollbrücke als Austragungsort zu wählen, ursprünglich gar nicht ernst gemeint war, stellte sie sich als perfekte Kulisse für das kleine, friedliche und kulturell hochstehende Fest heraus. So war dieses auch 2018 ein voller Erfolg – und das eine oder andere Lied dürfte den Zuhörern noch länger als Ohrwurm im Kopf bleiben.