Zum Glück war das Wetter schlecht. Zum Glück war Villmergen am Samstagabend verregnet, vernebelt und seltsam verwegen. Denn so war bereits der Marsch zur Mehrzweckhalle ein perfekter Einstieg, ein düsteres Präludium, für einen Abend rund um die Themen Vergehen und Verbrechen. «Crime Time» das diesjährige Motto des Jahreskonzerts, «gruselig finster bis mordlustig und heiter» solle es werden, versprach der Musikverein. Und die Gänsehautmomente, die gab es tatsächlich.

In gewohnt sicherer und musikalisch vielfältiger Manier führte Dirigent Marco Müller sein Orchester durch die erste Programmhälfte, tauchte ein in die Welt von Agenten und Detektiven. Und wer bis dahin noch nicht beeindruckt war vom imposanten Klang und der musikalischen Finesse, dem stellten sich spätestens beim Auftritt von Olga Kharlan die Armhaare auf. Die schöne Russin reiste eigens für das Villmerger Konzert in die Schweiz, trat im weissen Abendkleid auf die Bühne. Ein perfektes Bond-Girl hätte sie abgegeben, dazu eine Stimme und eine Bühnenpräsenz, mit der sie wohl jedem Agenten die Show gestohlen hätte.

Musikalischer Leckerbissen

Mit dem Jazz-Klassiker «Minnie the Moocher» entführte Kharlan das Publikum ins zwielichtige Drogenmilieu, sang kurz darauf – nun plötzlich im schwarzen Abendkleid – auch noch die Jazz-Klassiker «Mack the Knife» und «Streetlife». Letzterer wurde mit tosendem Applaus zum wohl besten Song des Abends erkoren, vor allem auch dank Saxofonist Marcel Hauri. Sein Solo, das direkt aus einem verruchten New Yorker Jazz-Keller hätte stammen können, kam einem Pistolenschuss gleich: völlig unerwartet, dafür mit voller Wucht. Zusammen mit der russischen Sängerin und einer mehr als überzeugenden Musikgesellschaft Villmergen brachte Hauri so ein musikalisches Niveau auf die Bühne, welches eigentlich für weit mehr als eine Freiämter Mehrzweckhalle bestimmt wäre.

Das Jahreskonzert der Musikgesellschaft Villmergen ist einmal mehr gelungen – auch wenn es natürlich nicht ganz mit dem letztjährigen Konzert mithalten konnte. Gemeinsam mit dem ukrainischen «Khmelnitsky Philharmonic Chamber Orchestra» wurde damals ein Abend der Superlative geboten.

Dass dieses Jahr mit kleinerer Kelle angerichtet wurde, ist absolut verständlich und hat den Unterhaltungswert keineswegs geschmälert. Zumindest fast nicht.

Ein Krimi bis zum Schluss

Während vor einem Jahr noch Gesa Gaiser als charmante und professionelle Moderatorin durch den Abend führte, wurde diese Aufgabe am Samstag von drei Amateur-Schriftstellern übernommen. Die Idee, Musik und Literatur zu verbinden, ist löblich und spannend. Das Programm, das vom «Trio Mortale» geboten wurde, war jedoch keine adäquate Ergänzung für den Abend. Die Mischung aus «farbloser Lesung», «inhaltslosem Theater» und «missglückten Ansagen» kam beim Publikum nicht an.

Spätestens beim gemütlichen Umtrunk in der Whiskey-Bar rückte aber sehr schnell und absolut zu Recht wieder die Musik ins Zentrum. Denn, dass man als Musikgesellschaft eine Mehrzweckhalle bis auf den letzten Platz füllen und alle begeistern kann, das ist nicht selbstverständlich und zeugt vom Engagement aller Beteiligten. Man darf gespannt sein, mit was Dirigent Marco Müller in Zukunft aufwarten wird.