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Lieber ohne Feuerwehr: So verhindert man Unfälle beim Grillieren

Fahrlässiger Umgang mit Holzkohlen-, Gas- und Elektrogrills führt in der Grillsaison Immer wieder zu Unfällen.

Fahrlässiger Umgang mit Holzkohlen-, Gas- und Elektrogrills führt in der Grillsaison Immer wieder zu Unfällen.

Wegen Unachtsamkeit und falscher Bedienung von Geräten kommt es oft zu Unfällen. Eine kleine Umfrage der AZ zeigt, dass dieses Jahr bereits verschiedentlich Leute mit Verbrennungen behandelt werden mussten – das muss nicht sein.

Jetzt wurden sie wieder aus dem Keller geholt, die Holzkohlen-, Gas- oder Elektrogrills. Das sorgt nicht nur für Freude bei den Freunden von Grilladen. Grills sorgen auch immer wieder für Ärger, wenn sie nicht richtig eingesetzt und bedient werden. Auch die Freiämter Regionalpolizisten müssen jedes Jahr mehrmals ausrücken, weil sich nichtgrillierende Nachbarn durch ihre grillierenden Nachbarn gestört fühlen.

Vom Grill in den Notfall

Falsche Bedienung von Grills beschäftigt auch Jahr für Jahr wieder die Notfallstationen in den Spitälern. Eine kleine Umfrage der AZ zeigt, dass dieses Jahr bereits verschiedentlich Leute mit Verbrennungen behandelt werden mussten, die sie sich beim Grillieren zugezogen haben. Obwohl die Saison doch eben erst begonnen hat.

Die Probleme sind bei jedem Grill gleich und doch bei jedem anders. Grundsätzlich gilt: Verbrennen kann man(n) sich an einem Holzkohlengrill ebenso wie an einem Gas- und Elektrogrill. Durch die von den Grills entwickelte grosse Hitze sollen Fleisch und Gemüse gar werden, aber nicht die Finger. Deshalb empfiehlt sich der Einsatz von geeigneten Grillhandschuhen. Sie kosten deutlich weniger als ein Besuch beim Arzt oder in der Notfallabteilung eines Spitals. Sie tun beim Einsatz auch gar nicht weh, ausser vielleicht dem Ego von Möchtegern-Profis.

Dauerbrenner Anzündflüssigkeit

Bei Holzkohlen- und Gasgrills kann man sich unter Umständen weit mehr als bloss die Finger verbrennen. Immer wieder kommt es vor, dass «Chef-Grilleure», oder im schlimmsten Fall auch ihre Gäste, wegen unsachgemässer Bedienung schwere Verletzungen am ganzen Körper erleiden.

Der «Dauerbrenner» beim Holzkohlengrill ist leider nach wie vor der falsche Umgang mit Anzündflüssigkeit. Obwohl auf jeder Flasche davor gewarnt wird, sie direkt in die Glut zu giessen, wird das immer wieder gemacht. Meist mit verheerenden Folgen. Grillprofis raten zur Verwendung eines sogenannten Anzündkamins, den es für wenig Geld zu kaufen gibt: Holzkohle rein, von unten anzünden, warten bis die Kohle glüht und diese dann in den Grill füllen – einfach, aber wirkungsvoll und vor allem sicher.

Wer vermeiden will, dass nach den Würsten auch sein Haus (zu) heiss wird, lässt den Holzkohlengrill nach getaner Arbeit richtig auskühlen und versorgt ihn nicht in noch warmem Zustand unter dem Vordach oder im Geräteschopf. Feuerwehrleute mögen es nicht so sehr, wenn sie wegen unvorsichtigen Mitbürgern Hals über Kopf von einem gemütlichen Grillabend an einen solchen aufbrechen müssen, der weniger gelungen ist.

Keine Angst vor Gas(-Grills), aber vor Leuten, die an diesen herumbasteln oder sie nicht richtig pflegen. Vor allem zum Saisonbeginn kommt es nicht selten vor, dass Gas entweicht, weil sich beim Versorgen im Herbst oder beim Hervorholen im Frühling die Verbindung vom Gasschlauch zur Gasflasche gelöst hat. Das kann ebenso üble Folgen haben, wie ein defekter Gasschlauch.

Gut gepflegte Gasgrills können locker zwei Jahrzehnte überdauern, Gasschläuche aber schon nach ein paar Jahren spröde werden. Eine regelmässige Überprüfung – bei mangelndem handwerklichem Geschick sicherheitshalber durch den Fachmann – empfiehlt sich in jedem Fall.

Gefährlich sind Manipulationen am Gerät, was häufiger vorkommt, als man meint. Laien versuchen, irgendwelche Düsen zu erweitern, damit der Grill heisser und das Fleisch (vermeintlich) schneller gar wird. Hier gilt: Hände weg. Solche Manipulationen können im schlechtesten Fall Haut, Haus und Haare kosten.

Passiert doch einmal ein Missgeschick, stellt man übermässigen Gasgeruch fest oder züngeln Flammen an einer Stelle, wo sie nicht züngeln sollten: keine Panik, sondern sofort den Gashahn an der Flasche schliessen. Notfalls mit dem Grillhandschuh, um Verbrennungen zu vermeiden. Ratsam ist es beim Grillieren ohnehin auch, eine Brandschutzdecke griffbereit zu haben. Man kann solche für wenig Geld kaufen. Ein Feuer mit einer Brandschutzdecke zu löschen ist sinnvoller, als es mit der Giesskanne zu versuchen. Vor allem bei ausströmendem Gas kann Wasser das Feuer noch verstärken.

Auf gute Nachbarschaft

Rechtlich ist die Lage nur mehr oder weniger klar: Im Zivilgesetzbuch (ZGB) schreibt Artikel 684 vor, dass «übermässige Immissionen aller Art untersagt sind». Doch was ist übermässig? Kaum für alle dasselbe. Laut Schweizer Hauseigentümerverband (HEV) ist Grillieren oft ein Grund für nachbarrechtliche Probleme. Der Trend zu Gas- und Elektrogrills habe das Streitpotenzial teilweise etwas gemindert, weil weniger Emissionen entstünden. In den Ruhezeitverordnungen der Gemeinden gibt es ebenfalls Regeln: Ab 22 Uhr dürfen die Party-Gäste im Mehrfamilienhausquartier im Freien nur noch flüstern. Sonst wird die Festbeleuchtung gegebenenfalls um ein drehendes Blaulicht ergänzt. Ein guter Tipp: Sind die Nachbarn auch zur Grillparty eingeladen, lässt sich das Risiko von Reklamationen deutlich verringern.

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