Wegwerfgesellschaft
Letzte Hoffnung für defekte Gegenstände: In Muri startete das Repair Café

Was kaputt ist, muss nicht unbedingt ersetzt werden. Vieles kann geflickt werden. Dazu gibt es nun in Muri das Repair Café. Nur für die AZ-Kaffeemaschine kam jede Hilfe zu spät.

Melanie Burgener
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Zoltan Horvath versucht, eine Kaffeemaschine zu reparieren.
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Die Reparatur-Profis sind eifrig am Werk.
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Im Repair Café werden die verschiedensten Gegenstände repariert.
Die Reparatur-Profis sind eifrig am Werk.
Die Reparatur-Profis sind eifrig am Werk.
Zoltan Horvath versucht, eine Kaffeemaschine zu reparieren.
Zoltan Horvath versucht, eine Kaffeemaschine zu reparieren.

Zoltan Horvath versucht, eine Kaffeemaschine zu reparieren.

Melanie Burgener

Die Lämpchen leuchten und die Kapsel wird geschluckt. Doch Kaffee produziert die Kaffeemaschine bei uns auf der AZ-Redaktion Freiamt keinen mehr. Für den Hersteller ist klar: das Gerät wird nicht mehr repariert. Die bequemste Variante wäre wohl, die Maschine zu ersetzen. Doch so schnell geben wir uns nicht geschlagen.

Am vergangenen Samstag fand das erste Repair Café im Jugendhaus in Muri statt. Da möchte ich mein Glück versuchen. Mit der Kaffeemaschine mache ich mich auf zur Seetalstrasse 13. Vor Ort wird bereits fleissig geschraubt. Konzentriert sitzen die Profis an einem langen Tisch und reparieren die unterschiedlichsten Gegenstände, von der Nähmaschinen bis hin zu Wäschekörben.

Ich habe Glück, ein Platz am Reparaturtisch wurde gerade frei. Zoltan Horvat nimmt sich unserer Maschine an. Er hat auch schon eine Vorahnung, was das Problem sein könnte. «Wahrscheinlich ist die Membran verkalkt.» Mit der Reparatur von elektronischen Geräten kennt sich der gelernte Radioelektriker aus. «Ihr hattet Glück, dass es noch keinen Knall gegeben hat», sagt er nach der ersten Begutachtung. «Die Maschine ist hier ausgelaufen, gleich darunter befindet sich die Elektronik.» Das Gerät müsse auseinandergeschraubt werden. «Ich hoffe du hast Zeit», sagt er lachend.

Mehr als nur «einfach flicken»

Währenddessen schaue ich den anderen Profis über die Schultern. Trotz der hohen Konzentration herrscht eine heitere Stimmung. Die Fachleute plaudern mit den Besuchern und erklären ihnen ihre Arbeitsschritte. «Hier findet ein Wissensaustausch statt und man hilft sich», sagt Jugendarbeiter Mich Wyser. Genau das sei das Ziel dieses Cafés. «Wir flicken nicht einfach für die Besucher. Die Leute sollen selbst merken: Ich kann etwas reparieren».

Wyser hat mit der Jugendarbeit Muri für den Kick-off des Cafés gesorgt. Doch in Zukunft soll dieses Begegnungstreffen ohne seine Hilfe weitergeführt werden. «Dafür haben wir eine Betriebsgruppe gebildet. Da sind Leute von 15 bis 74 Jahre dabei.» Wer für das kommende Café am 29. November oder die geplanten treffen im nächsten Jahr der Gruppe noch beitreten wolle, sei herzlich willkommen.

Letzte Ölung für die Kaffeemaschine

Nun bin ich gespannt, wie es um unsere Kaffeemaschine steht. Unterdessen schauen viele bunte Kabel heraus. Doch Zoltan Horvath macht kein glückliches Gesicht. Nicht der Kalk, sondern der Sensor sei das Problem. «Siehst du diese Lupe hier? Sie kann die Kapseln nicht mehr erkennen.» Zwei Stunden lang hat er sein Bestes für unsere Maschine getan. Doch nun muss er mir die traurige Nachricht überbringen: «Es gibt leider nur noch eines: Ab in die Kirche damit für die letzte Ölung.»

Für unsere Kaffeemaschine kam jede Hilfe zu spät. Doch der Besuch im Repair Café hat sich trotzdem gelohnt. Neben vielen lehrreichen Gesprächen habe ich auch die Freude der Besucher erlebt, die bei der Rettung ihrer Gegenstände mehr Glück hatten. Das freut auch Mich Wyser: «Es ist schön, wenn man Menschen sieht, die mit leuchtenden Augen gehen, wenn ihr 40 Jahre altes Gerät wieder funktioniert.»

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