Eggenwil
Letzte Hochwasserschutz-Hürde in Eggenwil beseitigt

Das Schutzprojekt zu Kosten von 2,7 Mio. Franken kann nach fünfjährigem Ringen realisiert werden. Drei Landwirte verzichteten auf eine Beschwerde gegen das regierungsrätliche Ja zum Projekt und zogen den Entscheid nicht weiter.

Lukas Schumacher
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Mehrfach in den letzten Jahren wurde die Reussebene bei Eggenwil überflutet; nach heftigen Regenfällen 1999 und 2007 entstand in den bewohnten Gebieten des Dorfs hoher Sachschaden.

Mehrfach in den letzten Jahren wurde die Reussebene bei Eggenwil überflutet; nach heftigen Regenfällen 1999 und 2007 entstand in den bewohnten Gebieten des Dorfs hoher Sachschaden.

Archiv/GK

Der Gemeindebehörde von Eggenwil ist ein Stein vom Herzen gefallen. «Wir sind sehr erleichtert», teilte Gemeinderat Roger Hausherr mit, «das grosse Engagement für einen soliden, wirksamen Hochwasserschutz in unserem Dorf hat sich gelohnt.» Alle rechtlichen Einwände gegen das kommunale Grossprojekt sind jetzt vom Tisch.

Eine letzte Chance zur Opposition gegen die Schutzmassnahmen hätte sich drei Einsprechern aus dem Dorf geboten. Die drei Landwirte verzichteten aber auf eine Beschwerde gegen das regierungsrätliche Ja zum Projekt und zogen den Entscheid der Regierung nicht ans kantonale Verwaltungsgericht weiter. Somit gilt das Hochwasserschutzvorhaben Eggenwil als rechtskräftig genehmigt.

Langwieriges Hin und Her

Das vierteilige Projekt zu Gesamtkosten von 2,7 Mio. Franken hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Vor allem am Kernstück des Hochwasserschutzes, der Offenlegung des Ibisguetbachs auf einem Abschnitt von gut 500 Metern, schieden sich die Geister. Im September 2009 schickte die Gemeindeversammlung den geplanten Bachöffnungskanal wuchtig bachab. Neue Varianten sollten auf den Tisch kommen.

Im Frühling 2010 stellte die vom Gemeinderat eingesetzte, von Fachleuten begleitete Arbeitsgruppe einige Varianten vor. Dabei erwies sich die Bachöffnung dank des vorteilhaften Kosten-Nutzen-Verhältnisses als klarer Favorit. Eine Gruppe Einwohner brachte das private Alternativprojekt «Natürliche Hochwasserableitung» ins Spiel. Am 19. Juni 2010 entschied sich die Gemeindeversammlung deutlich für das offizielle Projekt mit Bachöffnung. Die Alternativgruppe ergriff das Referendum gegen diesen Beschluss, scheiterte aber bei der Referendumsabstimmung im Herbst 2010.

Fast zwei Jahre verstrichen, bis die Feinplanung vollendet war und das Schutzprojekt im September 2012 zur öffentlichen Auflage kam. Bei der Auflage setzte eine dreiköpfige Oppositionsgruppe den Kampf gegen die geplanten Baumassnahmen per Einsprachen fort. Kürzlich gab die Gruppe den Widerstand auf.

Realisierung im Jahr 2015

Wäre alles wie am Schnürchen gelaufen, hätte man die Schutzmassnahmen in der kleinen Reusstalgemeinde schon im Jahr 2010 verwirklicht. Die Realisierung folgt nun im Jahr 2015. Im Anschluss daran werden alle Hochwasserschutzdefizite im Siedlungsgebiet von Eggenwil behoben sein. Sowohl die privaten Liegenschaften als auch die öffentlichen Gebäude sind dann bis zu einem Hochwasserereignis «HQ 100» (hundertjährliches Hochwasser) gegen Überflutungen abgeschirmt.

An der Klausurtagung des Gemeinderats vom 11. September werden der Hochwasserschutz und die Verwirklichung der vier Bauetappen im nächsten Jahr wichtige Themen sein. Fest steht, dass die kantonalen Amtsstellen in wenigen Wochen die Verhandlungen für den Landerwerb mit den Landwirten aufnehmen. Rund 7500 m2 Landwirtschaftsland braucht es für die Bachöffnung und Erstellung des Kanals. Es dürfte recht lange dauern, bis der Landkauf unter Dach und Fach sein wird. Die langwierige, zähe Vorgeschichte des Projekts deutet jedenfalls darauf hin.