Einer der schönsten Höhepunkte im Leben von Leonz Leuthard-Köchli, der am 25. Januar 90-jährig verstorben ist, war sicher die Wahl seiner Tochter Doris 2006 in den Bundesrat.

Seine Freude und sein Stolz waren ihm am Empfang der frisch gewählten Bundesrätin in Merenschwand buchstäblich ins Gesicht geschrieben – aber nicht nur, weil seine Tochter die höchste Sprosse der politischen Leiter erklommen hat, sondern weil er ein durch und durch politischer Mensch war.

Leonz Leuthard war nicht nur langjähriger Gemeindeschreiber von Merenschwand, sondern auch Politiker, der in der CVP seine politische Heimat hatte. Er darf als Freiämter Urgestein bezeichnet werden.

Auch im Grossen Rat

Ursprünglich trat Leonz Leuthard am 1. April 1952 als Finanzverwalter in die Dienste der Einwohnergemeinde Merenschwand und übte dieses Amt bis Ende 1961 aus. 1954 wurde er parallel dazu als Gemeindeschreiber gewählt, wie der Gemeinderat festhält.

Diese Tätigkeit übte er bis 1991 aus, blieb aber nach seiner Pensionierung sechs Jahre, bis 1997, als Betreibungsbeamter aktiv.

Leuthard war also über 40 Jahre in leitender Funktion für die Gemeinde aktiv. Zudem engagierte er sich als Mitglied des aargauischen Grossen Rates von 1957 bis 1977 für das ganze Reusstal und für den Kanton. In dieser Zeit hat sich Merenschwand markant verändert, wurde von einer rein ländlich geprägten Gemeinde durch die Melioration und die Güterregulierung zu einer parkartigen Landschaft und damit auch zum beliebten Naherholungsgebiet.

Der Name von Leonz Leuthard ist untrennbar mit demjenigen eines anderen Leuthard verbunden:

Walter Leuthard, nicht verwandt mit ihm, war von 1966 bis 1989 als Gemeindeammann in Merenschwand sein Chef und eine Zeit lang mit ihm zusammen im Grossen Rat.

Sie beide prägten wesentlich die Güterregulierung in Merenschwand, die von 1966 bis 2004 dauerte.

Leonz Leuthard, der von seiner Gemeinde zum Ehrenbürger ernannt wurde, hat zahlreiche Veränderungen auch in der Verwaltung mitgemacht und mitgestaltet.

Mit dem neuen Gemeindegesetzes – «zu dessen Vätern der Verstorbene gezählt werden darf», wie der Gemeinderat festhält – erhielten die aargauischen Gemeinden eine zeitgemässe Konzeption.

Leuthard habe sowohl in Beruf als auch in der Politik ein immenses Arbeitspensum bewältigt. «Schematische Achtstundentage waren seine Sache nicht», schreibt der Gemeinderat.

Bei seinem Wirken habe sich der Verstorbene von einer grossen Menschenfreundlichkeit leiten lassen. «Gleich, mit wem er es zu tun bekam: Leonz Leuthard liess sein Gegenüber spüren, dass er den Menschen über die Sache stellte und er hatte dabei in manchen Fällen ein Auge nicht nur für offenkundige, sondern auch für versteckte Not».

Er habe nicht nur, aber auch deshalb weitherum hohe Achtung genossen und grosse Anerkennung erfahren. Schliesslich war er trotz seines Engagements ein Familienmensch. Ihr Mann sei zwar nicht so viel zu Hause gewesen, sagte seine Frau Ruth einmal, aber am Sonntag habe er den vier Kindern die Politik erklärt.

Offenbar hat die älteste Tochter, Doris, ihrem Vater am Sonntag jeweils besonders gut zugehört.

Beerdigung am Samstag

Auch im hohen Alter war Leonz Leuthard oft an öffentlichen Anlässen anzutreffen, stets gut gelaunt, sehr interessiert und offen für Kontakte und Gespräche.

Er durfte nach einem reich erfüllten Leben zu Hause friedlich einschlafen. Der Abschiedsgottesdienst mit anschliessender Urnenbeisetzung erfolgt am Samstag um 9.30 Uhr in der Pfarrkirche Merenschwand.

Todesanzeige Leonz Leuthard