Wohlen

Leidenschaft Lokomotive: Von Deutschland ins Tessin, mit Zwischenhalt in Wohlen

Dampfloks fahren durch den Bahnhof Wohlen

Eine alte Dampflok fährt durch den Bahnhof Wohlen.

Einmal mehr wurde im Bahnhof Wohlen ein historischer Eisenbahnzug für die Fahrt ins Tessin formiert. Gezogen wurde er von der Lok 01 202. Sie gehört zu den besten und schönsten Loks, die auf den Schienen unterwegs sind.

Saukalt wars gestern im Freiamt. Aber Nebel hatte es kaum. Wer etwas anderes behauptet, hat die Dampflok 01 202 gesehen, die kurz vor Mittag auf der Südbahnstrecke einmal mehr für mächtige Rauch- und Dampfwolken gesorgt hat.

Unterwegs war die 1936 gebaute und lange Zeit bei der Deutschen Reichsbahn im Einsatz stehende Lok mit einer Sonderfahrt der auf Eisenbahn-Nostalgiefahrten spezialisierten Organisation Bebra.

Begonnen hat der Ausflug am Montag in Frankfurt und Nürnberg. Die Passagiere wurden mit zwei verschiedenen Zügen nach Singen gebracht. Von dort aus ging es am Dienstag mit dem inzwischen zusammengeführten Zug unter Dampf nach Wohlen und von dort aus weiter über die alte Gotthard-Strecke nach Locarno.

Nach Wohlen gezogen worden ist der Sonderzug aus verschiedenen historischen Bahnwagen bestehende Komposition von der B 3/4 1367, einer 1916 gebauten Dampflok mit 990 PS und einer Maximalgeschwindigkeit von 75 km/h.

Sie stand bis 1964 im Einsatz, wurde 1977/78 restauriert und war ein paar Jahre im Verkehrshaus Luzern ausgestellt. Heimatbahnhof der von SBB Historic unterhaltenen Lok ist Brugg.

In Wohlen übernahm die 2250 PS starke und 130 km/h schnelle 01 202. Ein Bijou, das vom 1989 gegründeten Verein Pacific liebevoll gepflegt wird. Rund 2000 Stunden Fronarbeit investieren die Vereinsmitglieder jährlich in ihre Lokomotive, die zum Schönsten und Besten gehört, was heute unter Dampf auf Schienen unterwegs ist.

«Es gibt viele Leute, die spinnen, wir spinnen halt einfach noch ein bisschen mehr», schmunzelt Werner Häsler, der die 01 202 begleitet, seit sie von Werner Bühlmann 1975 in die Schweiz geholt worden und danach in 18 Jahre langer Arbeit aufwendig restauriert worden ist.

Für Häsler und seine Kollegen im Verein ist die Lok mehr als ein Hobby, sie ist ihre grosse Leidenschaft. Ausflüge wie jener in diesen Tagen entschädigen die Männer für den riesigen Aufwand, den sie für den Unterhalt betreiben: «Solche Fahrten sind für uns stets das Dessert», sagt Werner Häsler.

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