Bremgarten
Lehrlingsamt-Chef Bütler ist unruhig im Ruhestand

Ady Bütler berichtete im Forum «Morgenstund» aus seinem bewegten Leben. Bütler war Lehrer, Politiker und Chefbeamter im kantonalen Lehrlingsamt.

Jörg Baumann
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Ady Bütler (rechts) mit Manfred Breitschmid, Leiter der St.-Josef-Stiftung Bremgarten. BA

Ady Bütler (rechts) mit Manfred Breitschmid, Leiter der St.-Josef-Stiftung Bremgarten. BA

Vom Ruhestand im bequemen Lehnstuhl will Ady Bütler (71) aus Sins vorläufig nichts wissen. Seit seiner Pensionierung engagiert er sich als Präsident der Stiftung des Alterszentrums Aettenbühl in Sins. «Die alten Leute haben ein Anrecht darauf, ihren Lebensabend als freie Menschen zu verbringen», sagte Bütler gestern im Forum «Morgenstund», das die St.-Josef-Stiftung in Bremgarten organisiert.

Ein Wunschkind wird Lehrer

«Ich war ein Wunschkind», verkündete Bütler schalkhaft. Denn sein Vater, ein Landwirt, habe angeblich bei der Geburt des siebten Kindes Adalbert ausgerufen: «Der hat uns gerade noch gefehlt!» Ady Bütler kam 1940 in Auw zur Welt. Eine höhere Bildung schien vorerst unmöglich. Aber als der Dorfpfarrer auf die Eltern einwirkte, dass man «aus diesem Bub noch etwas
machen» könne, durfte Ady Bütler zuerst das Kollegium St. Michael in Zug und danach das Lehrerseminar Wettingen besuchen.

28 Jahre lang war Bütler an verschiedenen Schulstufen in Muri als Lehrer tätig, anfänglich in Klassen mit bis zu 48 Schülern. Er trauere den guten alten Zeiten mit den von Rektoren im Nebenamt
geleiteten Schulen ein bisschen nach, bekannte der Referent. Die vor ein paar Jahren eingeführten professionell geführten Schullei-tungen passen Bütler nicht in den Kram. «Man darf die Schule nicht verwalten und muss zuallererst die Kinder gerne haben», sagte er.

Komiker und Politiker

Mit Berufskollegen gründete Bütler in Muri ein Lehrerkabarett. Dieses machte sich über vieles lustig, auch über den kleingewachsenen Regierungs- und Nationalrat Leo Weber. Wegen diesem hätten die SBB Züge mit ovalen Rädern angeschafft, damit der Politiker auf der Fahrt nach Bern «auch einmal aus dem Fenster schauen darf», frotzelte das Kabarett. Leo Weber wird über diesen Witz wohl am lautesten gelacht haben.

Über Bekannte, die ihn dazu ermunterten, kam Bütler als Grossrat in die Politik und schliesslich zum Chefposten im kantonalen Lehrlingsamt. Dort musste er den herrschenden Reformstau auflösen und mehrere allzu kleine Berufsschulen sowie die Landwirtschaftliche Schule Muri schliessen, wofür er kritisiert wurde. Die Kaufmännische und die Gewerblich-Industrielle Berufsschule konnten unter Bütlers Federführung nur gerettet werden, weil beide Schulen zum Berufsbildungszentrum Freiamt fusionierten. Die Berufsbildung in der Schweiz habe sich bewährt, sagte er. «Nirgendwo sind so wenige Jugendliche nach dem Besuch der Volks-schule arbeitslos wie bei uns.»

Rentner engagiert sich für Rentner

Als Präsident der Stiftung des Alterszentrums Aettenbühl in Sins habe er Neuland betreten, gab Bütler zu. «Ich wusste vorher wenig darüber, wie ein Altersheim geführt wird.» Aber der Stiftung sei es gelungen, das Alterswohnheim, die Alterswohnungen mit Infrastruktur für die Betreuung der Bewohner sowie die Spitex unter einen Hut zu bringen. Nächstens wird Bütler das Präsidentenamt niederlegen. Man darf gespannt sein, was er als Nächstes unternimmt.