Adrian Holliger aus Dintikon und Markus Schädeli aus Wohlen gehören zu den Landwirten, die dem Unternehmen
«Powernuts», das sich auf den Verkauf von Hanfnüssen und kalt gepresstem Hanfnussöl spezialisiert hat, etwas Land zur Verfügung stellen.

Auf die Frage, wie es zur Zusammenarbeit kam, antwortet Holliger: «Das Unternehmen fragte bei mir an, ich fand die Idee spannend. Für neue Projekte bin ich aufgeschlossen.» Schädeli weist mit einem Schmunzeln auf die Beharrlichkeit des Unternehmers hin. Nachdem für ihn geklärt war, dass alles legal und mit der Kantonspolizei genau abgesprochen ist, unterstützte er das Projekt mit etwa 20 Aren gern.

Ein riesiger Ventilator beschleunigt den Trocknungsvorgang.

Ein riesiger Ventilator beschleunigt den Trocknungsvorgang.

Momentan sei ja alles noch in der Testphase, so Holliger, deswegen starte man erst mal mit einer halben Hektare. Für nächstes Jahr sei bereits ein grösseres Feld vorgesehen. Die Landwirte stellen nicht nur Land zur Verfügung, sondern pflügen und eggen das Feld. Im Juni konnte die Saat maschinell von einem weiteren Unternehmen ausgesät werden. Um die Ernte kümmere sich dann der Abnehmer, erklären die Landwirte.

Die rechtliche Situation

Zur Thematik Sicherheit erläutert die Kantonspolizei: «Sobald der Anteil des THC in Hanfpflanzen oder Teilen davon über einem Prozent liegt, ist es strafbar.» Dieses ist bei der Revision des Betäubungsmittelgesetzes im Jahr 2011 in der Betäubungsmittelverzeichnisverordnung festgelegt worden.

Mit den vier Anbauern von Nutzhanf im Aargau werde laut Kapo auf Vertrauensbasis zusammengearbeitet. Die Unternehmer seien dazu angehalten, die Ernte ihrer Hanfpflanzen in einem Labor auf den THC-Gehalt überprüfen zu lassen. Das Zertifikat muss dann eingereicht werden.

Nahaufnahme einer Hanfpflanze: Man sieht auch die Hanfnüsse.

Nahaufnahme einer Hanfpflanze: Man sieht auch die Hanfnüsse.

Natürlich nehme die Polizei auch unangemeldet Stichproben vor. Zudem teilen die Produzenten der Polizei mit, wo sich ihre Felder befinden, und sichern diese mit Schilder und Plakaten, die den Hanf als Nutzhanf auszeichnen. Denn es
gebe immer wieder Anrufe von aufmerksamen Bürgern, teilt die Kantonspolizei mit, die sich über Hanffelder wundern und lieber noch einmal nachfragen, ob dieses rechtens sei.

Dann genüge bei der Kantonspolizei ein Blick auf die Karte, und man könne die Anrufer beruhigen. Bevor die Anbauer ihre Aussaat oder Ernte transportieren, melden sie dies ebenso bei den Behörden. Diese Vertrauensbasis funktioniere sehr gut, berichtet die
Kantonspolizei.

Eine genügsame Pflanze

Hanf sei eine recht pflegeleichte Pflanze, erklärt Adrian Holliger, sie benötigt kein Fungizid, und so gut wie keinen Dünger. Damit sei Hanf sehr geeignet für biologischen Anbau. Das Unkraut auf den Feldern müsse dann von Hand entfernt werden.

Eine warme Witterung sei ideal für das Wachstum, die Pflanze sei recht genügsam, so der Landwirt, allerdings habe ihr das heisse und trockene Wetter im Sommer etwas zugesetzt. Gravierende Diebstähle gab es nicht, berichten sowohl Schädeli als auch Holliger. «Naja, ein paar Leute probieren es aus, aber denen wird bestenfalls übel von der Pflanze», so der Abnehmer.

Asylbewerber halfen beim Ernten

Anfang bis Mitte Oktober konnte dann auch die Ernte eingebracht werden. Dabei halfen 15 vorläufig anerkannte Asylbewerber, die von der Organisation Trinamo vermittelt wurden. Diese Organisation unterstützt Menschen bei der Eingliederung in den Arbeitsmarkt.

Geerntet wurden die Grünanteile der Pflanze, also Blätter und Samen beziehungsweise die Blüten; und zwar von Hand. «Für eine maschinelle Ernte müsste der Anbau grösser sein», erklärt der Abnehmer, die Anschaffung einer Maschine sei momentan zu teuer.

Während die Blüten gleich zur Destillation gebracht wurden, müssen die Grünanteile einige Wochen trocknen. Diese verarbeitet die Firma Thurella dann weiter zu Sirup für den «Swiss Cannabis Ice Tea». Die Stängel wurden etwas später geerntet, erläutert er, aber auch für diese gebe es eine Verwendungsmöglichkeit, wobei sich hier noch einiges in der Testphase befinde.