Muri
«Lasst uns radikal im Geschmack sein»

Der Musiker Stephan Diethelm komponierte die Musik für den Dokumentarfilm «El Bulli». Er sagt, wie er dazu kam und weshalb er begeistert ist.

Céline Arnold
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Regisseur Gereon Wetzel (Mitte) und Stephan Diethelm (rechts) stehen Reto Holzgang Rede und Antwort zum Film. ca

Regisseur Gereon Wetzel (Mitte) und Stephan Diethelm (rechts) stehen Reto Holzgang Rede und Antwort zum Film. ca

Im Dokumentarfilm «El Bulli» wirft Regisseur Gereon Wetzel einen Blick hinter die Kulissen eines Luxuslokals der molekularen Küche. Die Musik dazu schrieb der Murianer Stephan Diethelm. An der Premiere im Kino Mansarde in Muri standen Regisseur Gereon Wetzel und Stephan Diethelm dem Filmklub-Präsidenten Reto Holzgang Rede und Antwort.

15 Monate begleitet

Im spanischen Avantgarde-Restaurant El Bulli läuft alles etwas anders als gewohnt. Das Feinschmeckerlokal an der Costa Brava schliesst jedes Jahr für sechs Monate seine Tore. Was sich dann abspielt, entzieht sich den Blicken der Gäste und erscheint beinahe schon unwirklich.

Nach dem letzten Betriebstag werden nämlich Küchenutensilien säuberlich in Plastikfolie verpackt und im Lieferwagen verstaut. Die Umstände dienen einem besonderen Zweck: Während der Schliessung ziehen sich die Spitzenköche in ihr Küchenlabor in Barcelona zurück und kreieren dort neue, extraordinäre Leckerbissen für die nächste Saison. Dabei sind ihrer Fantasie keine Grenzen gesetzt, wie der Film zeigt.

Je ausgefallener und «verwirrender», so Chefkoch Ferran Adrià, desto besser. Einmal meint er: «Lasst uns radikal im Geschmack sein.» Was dabei herauskommt, zeigt das 90-minütige Werk des Münchner Regisseurs Gereon Wetzel, der die Köche des «El Bulli» während 15 Monaten mit der Kamera begleitete.

Vielschichtige Kompositionen

Ein fluoreszierender Schleckstängel leuchtet auf der Leinwand – der Leuchtstoff stammt aus Fischen. Dann ein Schwenk in die Küche, wo reges Treiben herrscht. Die Köche vakuumieren Pilze, dicken Extrakte ein und hantieren mit Stickstoff.

Es sei ein kreativer Prozess, beschreibt Chefkoch Ferran Adrià das Geschehen in der Küche. «Es öffnen sich beim Experimentieren neue Wege, das macht die Magie aus», so der Drei-Sterne-Koch und wohl bekanntester Vertreter der molekularen Küche. Er ist der Dreh- und Angelpunkt im Film. Die Mimik des Feinschmeckers bedeutet den anderen, ob ihm eine Kreation schmeckt – oder eben nicht. Adrià kritisiert, bis alles perfekt ist.

Sparsame Musik

Der Forschungsprozess und der anschliessende Feinschliff, bis die 35 Gänge eines Menüs feststehen, sind so vielschichtig wie die sparsam unterlegte Filmmusik. Der Murianer Musiker Stephan Diethelm komponierte auf Wunsch des Regisseurs eine so spezielle Klangmixtur, wie der Film aussergewöhnliche Bilder zeigt. Dabei setzt Diethelm auf satte Trommelbässe und zarte Perkussion. Wetzel zeigte sich begeistert: «Ich wollte keine Doku-Brühe. Stephans Musik unterstreicht den Geist des Films.»

«Ist das nicht alles etwas Chichi?»

Nach der kulinarischen Reise durch die Welt der – manchmal gewöhnungsbedürftigen – Köstlichkeiten standen Gereon Wetzel und Stephan Diethelm dem Vereinspräsidenten Reto Holzgang Rede und Antwort zum Film. Wie es überhaupt zur internationalen Produktion gekommen sei, wollte dieser wissen.

«Ich erhielt eine Mail von Gereon», antwortete Diethelm. «Danach habe ich die Gelegenheit ergriffen, für einen solchen Film die Musik zu komponieren.» Holzgang sprach auch aus, was sich vielleicht einige Gäste während des Films gefragt haben: «Hat man nicht ab und zu das Gefühl, diese kulinarischen Aufwände und Kreationen seien ein bisschen Chichi?» Nein, betonte Wetzel, er bewundere die Leidenschaft der Köche, Neues zu kreieren.

Auch Diethelm äusserte sich begeistert, es sei ein einmaliges Erlebnis gewesen, im «El Bulli» zu speisen. Gar von orgastischen Empfindungen beim Essen war die Rede. Aber der Musiker und begnadete Hobby-Koch gab auch zu, dass sein Lieblingsessen seit eh und je Gschwellti mit Käse sei.

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