Spendenaktion
Larissa ist dank Popi jetzt selbständiger

Dank einem Spendenaufruf auf Facebook kamen mehr als 9000 Franken für einen Elektrorollstuhl zusammen. Die 12-Jährige ist überglücklich und Popi freut sich über so viel Solidarität.

nora güdemann
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Larissa freut sich über ihren neuen Rollstuhl, möchte aber lieber anonym bleiben.

Larissa freut sich über ihren neuen Rollstuhl, möchte aber lieber anonym bleiben.

Larissa Hofer* fährt in gehörigem Tempo über Stock, Stein und Schotter auf Andreas «Popi» del Popolo zu. Sie strahlt in ihrem neuen Elektrorollstuhl. Ohne del Popolo könnte die 12-Jährige nicht am Reussufer entlang mit Hund Lilu spazieren fahren.

Larissa geniesst ihre neu gewonnene Freiheit sichtlich und ringt mit den Worten: «Ich möchte einfach nur allen Danke sagen, die mir diesen Wunsch erfüllt haben.» Auch ihre Mutter Janine* ist fast sprachlos: «Als ich Andreas vor knapp zwei Wochen beim Autoverlad kennenlernte, hätte ich nie gedacht, dass so viel Glück aus dieser Begegnung hervorgeht.»

Der 45-jährige Transportsanitäter half Hofer, Larissas Rollstuhl aus dem Auto zu heben. «Der alte Rollstuhl des Mädchens war schwer und klobig, sie konnte ihn nicht einmal selber bewegen», erzählt del Popolo. Er und Hofer tauschten ihre Nummern. «Popi» entschied sich dazu, der Familie zu helfen und Larissa einen neuen Rollstuhl zu ermöglichen.

Mehr als 20'000 Franken kostet das Modell, das an Larissas Bedürfnisse bestens angepasst wäre. Doch Mutter Janine hätte die Hälfte der Summe aufbringen müssen, um einen Antrag auf Finanzhilfe bei der IV zu stellen. Eine unmögliche Hürde für die Alleinerziehende. Del Popolo zögerte nicht und veröffentlichte einen Spendenaufruf auf Facebook: «Am Anfang dachte ich nicht, dass genügend Geld zusammen kommt.»

Ziel mehr als erreicht

«Popis» erstes Ziel seien 3000 Franken gewesen. Doch sein Aufruf wurde Hundertemale geteilt und erreichte Menschen weit über die Grenzen des Freiamtes hinaus. Die Summe auf del Popolos Spendenkonto wuchs und wuchs und schoss weit über die Ziellinie heraus. 9150 Franken kamen zusammen. Das ist genügend Geld, damit Mutter Janine den Antrag stellen und somit die Hälfte des elektronischen Rollstuhls bezahlen kann.

Del Popolo ist überglücklich, mit so viel Solidarität hatte er nicht gerechnet: «Jemand überwies einfach eintausend Franken», erzählt er. «Vom Restaurant Lindenberg kam ebenfalls ein Tausendernötli.» Die Wirtin Loredana Tripodi erzählte ihren Gästen von der Spendenaktion und stiess auf mehrheitlich positive Reaktionen: «Ein Nachbarsmädchen hatte ein ähnliches Problem wie Larissa», begründet sie ihr Engagement. «Und ich weiss, was es für ein Kampf ist, Gelder von der IV zu bekommen», sagt sie.

Jeder Spender ist ein Held

Jetzt, wo genügend Geld gesammelt wurde, ist «Popi» etwas erschöpft vom ganzen Trubel, der ihn in den letzten Wochen begleitet hat. «Ich bin jedoch überglücklich, Larissa mit dem neuen Rollstuhl zu sehen.» Ganz ihr Eigen kann Larissa den Rollstuhl noch nicht nennen. Für 800 Franken kann sie ihn eine Woche lang testen, danach gibt sie ihn wieder ab – solange, bis der Antrag gestellt und die IV das nötige Geld frei gibt.

Ihre Laune lässt sie sich davon nicht vermiesen, Larissa schaut in die Zukunft: «Ich bin jetzt viel selbstständiger», sagt sie grinsend und ihre Mutter fügt, mit Tränen in den Augen, an: «Dieser Rollstuhl macht unseren Alltag so viel einfacher.» Larissa könne sich darin besser bewegen, der Rollstuhl fördere zudem ihre Rumpfstabilität und das Gleichgewichtsgefühl. Bald wechselt die 12-Jährige an eine Berufsvorbereitungsschule nach Othmarsingen.

Was sie in Zukunft einmal arbeiten wolle? «Am liebsten etwas mit Tieren», antwortet sie und streichelt Hund Lilu. «Dank dem neuen Rollstuhl kann sie mehr erleben und scheitert nicht schon an der 12 cm hohen Bordsteinkante vor unserem Haus», sagt Mutter Janine. Pläne hat Larissa viele, bald geht sie Fallschirmspringen. «Larissa ist ein Adrenalinjunkie.»

Del Popolo übergab der Familie das gesammelte Geld am Mittwochnachmittag und auf dem Couvert stand: «In Liebe für dich von der ganzen Schweiz. Jeder einzelne Spender ist ein Held.»

*Name von der Redaktion geändert

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