Bezirksgericht Muri

Landwirt stand zum wiederholten Mal wegen Vernachlässigung von Tieren vor Gericht

Das Bezirksgericht Muri im Klosterflügel Süd.

Das Bezirksgericht Muri im Klosterflügel Süd.

Im vergangenen November kontrollierte die Kantonspolizei Aargau den besagten Landwirt. Zum Zeitpunkt ihrer Kontrolle sei eine der Ziegen des Bauern tot gewesen.

Als er das letzte Mal im Saal des Bezirksgerichtes Muri sass, wurde der heute 57-jährige Landwirt wegen Vernachlässigung seiner Schafe angeklagt. Der eine Anklagepunkt betraf eine nicht ausreichende Versorgung eines Mutterschafes, der zweite den fehlenden Witterungsschutz und die fehlende Tränke für die Tiere. Gegen diese Anklage erhob der Beschuldigte Einsprache – teilweise mit Erfolg. Gerichtspräsidentin Simone Baumgartner sprach den Landwirten damals vom ersten Anklagepunkt frei.

Jedoch verurteilte sie ihn bezüglich der anderen beiden Verstösse unteranderem zu einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen à 60 Franken bedingt bei einer Probezeit von zwei Jahren.

Vor einigen Tagen, knapp 18 Monate nach der letzten Verurteilung, musste sich der Landwirt erneut vor dem Bezirksgericht verantworten. «Der Beschuldigte hat vorsätzlich, das heisst mit Wissen und Willen ein Tier misshandelt, vernachlässigt, es unnötig überanstrengt oder dessen Würde in anderer Weise missachtet», lautete die Anklage der Staatsanwaltschaft. Da diese Vergehen innerhalb der vom Gericht gesetzten Probezeit stattgefunden hätten, habe sich der Schuldige nicht bewährt.

Kantonspolizei erhielt eine anonyme Meldung

Doch der Landwirt liess diese Anklage auch in diesem Fall nicht auf sich sitzen und erhob erneut Einspruch. «Die Polizei und der Tierarzt waren zwar bei mir, aber ich war nicht da. Niemand hat mich auf den Platz geholt. Schon damals bei den Schafen wurde einfach etwas beschlossen und es hat geheissen, ich sei ein Tierquäler. Das belastet mich am meisten», erzählt er.

Im vergangenen November hat die Kantonspolizei Aargau eine anonyme Meldung erhalten, der Landwirt halte seine vier Ziegen ungenügend. Daraufhin ist die Polizei zum Hof des Angeklagten ausgerückt. Zum Zeitpunkt ihrer Kontrolle sei eine der Ziegen aber bereits tot gewesen. Der anwesende Tierarzt konnte zwar feststellen, dass ihr Halter nichts für den Tod der Ziege konnte – sie hatte eine Krankheit – jedoch konnte erkannt werden, dass die Klauen der Ziege zu lang waren und das Tier demnach vernachlässigt worden war.

Weiter heisst es in der Anklageschrift, hätte der Landwirt den noch lebenden Tieren keine artgerechte Unterkunft geboten. «Das stimmt gar nicht», sagt der Angeklagte und fügt an: «Am Tag der Kontrolle regnete es. Wenn die Ziegen den ganzen Tag rein und raus gehen, bringen sie eben Dreck mit rein.» Die Tiere hätten aber an jenem Morgen frisches Stroh erhalten.

Laut Gesetz dürfen die Böden nicht morastig sein

Seine Mühe, auch gegen diese Anklage Einspruch zu erheben, hat sich für den Angeklagten auch in diesem Fall gelohnt: Er wurde in allen Punkten freigesprochen. «Sie haben gesagt, sie vertrauen darauf, dass ihre Methode zum Klauenschneiden reicht», sagte die Gerichtspräsidentin. In diesem Fall habe sie das zwar nicht, aber das Tier hätte sich auch nicht auffällig verhalten.

«Die Ziege hat nicht gehinkt. Sie hätten die Klauen zwar einmal mehr kontrollieren müssen, aber sie haben nicht vorsätzlich gehandelt.» Sein Verhalten sei zwar fahrlässig, so Baumgartner, jedoch nicht vorsätzlich gewesen, wie das die Staatsanwaltschaft angeklagt hätte. Diese Anklage nun zurückzuweisen und eine Anklage auf Fahrlässigkeit zu beantragen, wäre laut Baumgartner unverhältnismässig.

Auch bezüglich der ungenügenden Unterkunft wurde der Landwirt freigesprochen. Laut Gesetz dürften die Böden dafür nicht morastig und auch nicht mit Kot und Urin bedeckt sein. Der Tierarzt, der mit der Regionalpolizei bei der Kontrolle auf dem Hof des Angeklagten war, erwähnte in seinem Bericht nichts dergleichen, er beschrieb die Tiere sogar als sauber.

Auch auf den Bildern, die der Gerichtspräsidentin vorliegen, kann sie keine solchen Umstände entdecken. «Morastig ist das nicht, da habe ich schon andere Bilder gesehen», hält sie fest.

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