Dottikon
Ländler: Jetzt gibt es Gegenwind für Traditionalisten

Die junge Musikerin Sonja Füchslin zeigt auf, weshalb die Ländlermusik neue Impulse braucht. Und Josef Villiger, Präsident des Aargauer Verbandes Schweizer Volksmusik, traut sich, genauer hinzuhören.

Eddy Schambron
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Die Musikerin Sonja Füchslin glaubt, dass innovative Gruppen Volksmusik weiterbringen.ho

Die Musikerin Sonja Füchslin glaubt, dass innovative Gruppen Volksmusik weiterbringen.ho

Werden Leute, die die Ländermusik weiterentwickeln wollen, gegenüber traditionellem Kulturgut untreu? Der Verband Schweizer Volksmusik Aargau will sich an der nächsten Delegiertenversammlung in Dottikon am 12.Februar mit dieser Frage auseinandersetzen und lässt sich dafür von einer jungen Musikerin provozieren. Sonja Füchslin, 1983 in Einsiedeln geboren und heute in Langenthal lebend, kommt in einer Diplomarbeit nämlich zum Schluss, dass die Entwicklung der Ländlermusik seit 50 Jahren stagniert.

Da bei den Ländler-Liebhabern «die Ablehnung gegenüber Neuem sehr gross ist, scheint sich diese Musik innerhalb der Ländlerszene nicht weiterentwickeln zu können», hält sie in ihrer Arbeit an der Musikhochschule Luzern fest. Trotzdem gebe es Weiterentwicklungen, die von den jüngeren Generationen angeführt werden. «Diese Subkultur, die sich hier entwickelt, führt häufig zu heftigen Diskussionen.» Genau dieser Diskussion will sich der Aargauer Verband stellen.

«Neue Wege»

Er hat Füchslin eingeladen, unter dem Titel «Innovation in der Ländlermusik» zu referieren. «Für mich ist es interessant, zuzuhören, wenn junge Leute neue Wege aufzeigen», führt Präsident Josef Villiger, Muri, aus. Füchslin sei sehr gut ausgebildet, gleichwohl mit der konservativen Volksmusik verbunden, denke klar und könne schlüssig neue Wege aufzeigen. Er glaubt, dass Freunde der Volksmusik offen sein sollten für die Gedanken der neuen Generation. «Ob sich daraus auch ein neuer Trend entwickelt, wird sich zeigen.» Aber er ist überzeugt, dass langfristig nur überlebt, was sich erneuert.

Für Füchslin ist klar, dass die Skepsis der Ländlermusik gegenüber innovativen Gruppen vor allem auf drei Gründe zurückzuführen ist: 1. Die älteren Generationen können sich mit der neuen Kultur nicht identifizieren, da sie in ihrer Kultur schon zu stark verwurzelt sind. 2. Die «alte» Ländlermusik ist für die meisten mit sehr vielen positiven Erinnerungen besetzt. Wenn Innovationen eingeführt werden, verliert die Musik für sie den Erinnerungswert, die Identifikation fehlt. 3. Alteingesessene Musikanten haben Angst, dass sie überholt werden und nicht mehr bestehen können. «Diese Möglichkeit spielt meiner Ansicht nach bei der Ländlermusik eine besondere Rolle, da hier Autodidakten betroffen sind.» Diese Musiker würden sich überrumpelt fühlen und merkten, «dass in dieser Musik etwas verändert wurde, was sie über das Gehör nicht erlernen können».

Klavier studiert

Sonja Füchslin studierte an der Musikhochschule Luzern Klavier (Lehrdiplom 2006) und Schulmusik II (Diplom 2006). Schon seit früher Kindheit trat sie mit ihrer Familie als feste Formation regelmässig auf. Mit der Schweizer Volksmusik aufgewachsen, zeigte sie schon immer eine spezielle Beziehung zu dieser Musik. Seit dem Nachdiplomkurs in Luzern widmet sie sich unter anderem mit den Rämschfädra weiter dieser Musik.

Weitere Tätigkeiten sind der Klavier- und Keyboardunterricht an der Musikschule Weggis. Oft spielt sie auch in Orchestern mit der Violine mit. Als Korrepetitorin begleitet sie Chöre, Instrumentalisten und Sänger.