Es ist kein Zufall, dass der in Pension gehende Murianer Geschäftsleiter Erich Probst mit einem Oldtimer zum Abschiedsapéro gefahren wurde: Der Lagonda gehört Jürg Pilgrim, der vor 23 Jahren Gemeindeammann war und Probst eingestellt hatte. Pilgrim, wusste der heutige Gemeindepräsident Hampi Budmiger, hätte den Wagen gerne selber gesteuert, aber weil er sich gegenwärtig im fernen Kanada mit minus 31 Grad Celsius abmüht, musste Garagist Louis Frey als Fahrer einspringen. Am Ziel vor dem Hotel Adler wurde Probst praktisch von der ganzen Verwaltung zur Verabschiedung empfangen, mit dabei selbstverständlich auch sein Nachfolger Hugo Kreyenbühl.

Immer respektvoll

Als neuer Gemeindeschreiber habe Probst 1996 eine Gemeinde angetroffen, «die finanziell in einem desolaten Zustand» gewesen sei, blickte Gemeindeschreiber-Stellvertreterin Pascale Meier zurück. In den letzten 23 Jahren habe sich die Gemeinde allerdings vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan entwickelt, nicht zuletzt dank der Arbeit und dem Engagement sowie dem innovativen Handeln von Erich Probst. So war Muri beispielsweise die erste ISO-zertifizierte Gemeinde.

Als Chef habe er immer wieder neue Projekte in die Verwaltung getragen und sei mit den Angestellten stets respektvoll und kollegial umgegangen. Zudem habe er ihnen jeweils grossen Handlungsspielraum eingeräumt und für alle Anliegen ein offenes Ohr gehabt. Sie hätten ihren Vorgesetzten nie aufbrausend oder unbeherrscht erlebt, führte Meier weiter aus. Wenn er sich massiv geärgert habe, habe er allerdings von seinem Bürostuhl «einen Gump» gemacht. Ob die Notwendigkeit zur Anschaffung eines neuen Stuhles während der Amtszeit darauf zurückzuführen ist, blieb allerdings offen.

Wenn Probst mit einer Einschätzung oder einer Entscheidung des Personals nicht einverstanden war, habe er im Gespräch zu überzeugen versucht. «Wenn er dabei jeweils den Vornamen betonte, wussten wir, was kommt. Seinen Willen hat er, wenn er es für richtig hielt, auf subtile Art durchgesetzt», lachte Meier.

Viel Landhandel

«Du hast die Verwaltung geprägt wie kein anderer», unterstrich Gemeindepräsident Hampi Budmiger. Er dankte Probst für sein grosses Engagement für die Gemeinde, die in dieser Zeit von 5600 auf 7800 Einwohner angewachsen ist und den Schuldenberg von 42 auf 3 Millionen Franken abgebaut hat.

Rund 1000 Gemeinderatssitzungen, rund 50 Gemeindeversammlung, unzählige Sitzungen, Besprechungen, Telefonate, Mails hätten seinen beruflichen Alltag geprägt. «Er hat bei allen wichtigen Geschäften mitgewirkt und beispielsweise Landhandel für über 30 Mio. Franken betrieben.» Ein besonderer Handel sei mit dem Kauf des Zentrums Roos für nur 4 Mio. Franken gelungen.

Ausserdem habe Probst erfolgreich das Geschäftsleitungsmodell in Muri eingeführt. Budmiger überreichte ihm, bekennender Porsche-Fan, einen Porsche 911 als Lego-Technik-Baukasten – «jetzt hast Du ja Zeit dafür» – und einen Reisegutschein. Dieser wird Probst, wie er ausführte, mit seiner Frau Bernadette gerne einlösen und zuerst einmal Andalusien besuchen.

«Es waren schöne 23 Jahre, auch wenn ich zwischendurch einen Durchhänger hatte und dabei sogar nach einer anderen Stelle schielte», betonte er. Es seien auch spannende und ereignisreiche Jahre gewesen, und es werde im Bezirkshauptort spannend bleiben, versicherte er seinem Nachfolger Hugo Kreyenbühl. «Muri ist überall gewachsen, auch qualitativ. Man kann stolz auf Muri sein.» Probst übergab Kreyenbühl symbolisch einen gebackenen Schlüssel. «Sogar auf dem Verpackungspapier steht der Name des neuen Geschäftsleiters», amüsierte sich Gemeindepräsident Hampi Budmiger.