Buttwil

«Kunstsegelfliegen ist wie Eiskunstlaufen»

Diese Woche machen rund 15 Kunstsegel-Piloten den Schweizer Meister unter sich aus. Am Samstag findet eine Show-Darbietung mit attraktivem Rahmenprogramm statt.

«Das Kunstsegelfliegen wird ähnlich bewertet wie Eiskunstlaufen, nur dass es keine B-Note für den künstlerischen Ausdruck gibt», erklärt Dani Stahl, Cheffluglehrer der Segelfluggruppe Zürich. Damit spricht er auf die fünf Punktrichter an, die die verschiedenen Figuren peinlich genau bewerten. «Es gibt Figuren, da hat eine Abweichung von 1 bis 2 Grad bereits einen Abzug zur Folge», erzählt der Pilot Jochen Reuter.

Auch beim Segelfliegen gibt es ein Pflicht- und ein Kürprogramm. In drei Kategorien, Einsteiger, Advanced und Unlimited treten die Piloten gegeneinander an. Linienrichter achten darauf, dass sie die Box, den Luftraum, in dem sich die Flieger aufhalten dürfen, nicht verlassen. Ein Würfel mit einem Kilometer Kantenlänge steht an Luftraum zur Verfügung, um die Manöver zu fliegen.

Training in der Luft und im Kopf

«Wenn man das Kür-Programm zusammenstellt, achtet man auf die Geometrie, auf das Geschwindigkeitsmanagement und den eigenen Stil», sagt Reuter. Jede Figur beginne und ende in der Horizontalen, erklärt der Pilot. «Manche Figuren muss ich aber mit 250 km/h anfliegen, andere nur mit 140.» Zudem sei eine gewisse Figurenvielfalt vorgegeben, erklärt er. Die Figuren können bis zu zehn Punkte geben. Multipliziert mit dem Schwierigkeitsgrad ergibt sich dann der Punktestand, den sich der Pilot auf sein Konto gutschreiben darf. Zum Training in der Luft kommt auch ein mentales Training. Ähnlich wie Skirennfahrer vor dem Start mit geschlossenen Augen noch einmal die Strecke mental abfahren, üben die Piloten ihre Rotationen und Loopings im Kopf. Denn zum Fliegen würden sie nicht allzu oft kommen, so Reuter. Er absolviere 40 bis 50 Flügen pro Jahr plus Wettbewerbe.

Grosses Fest am Samstag

Am Wettbewerb fliegen alle Piloten derselben Kategorie auch mit derselben Maschine. «Es käme zu teuer, wenn alle ihr eigenes Flugzeug mitbringen müssten», sagt Stahl. Er fliegt selber lieber Streckenmeisterschaften, in denen es darum geht, eine vorgegebene Flugstrecke in möglichst kurzer Zeit zu fliegen. «Streckenflüge stellen andere Herausforderungen, die Kunstflieger müssen hohe G-Belastungen aushalten», begründet er. «Im Kunstflug geht es dafür etwas familiärer zu und her, da gibt es nicht so viele Teilnehmer.»

Am Samstag findet neben dem Wettbewerb auch eine Show-Darbietung statt. Mit musikalischer Unterhaltung, Festbeiz und vielen Attraktionen am Himmel möchte die Segelfluggruppe Zürich, die den Anlass organisiert, viele Besucher auf den Flugplatz Buttwil locken.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1