Boswil
Künstlerhaus erhält ein Walfisch auf dem Dach

Trotz neuem, modernem Foyer bleibt der Charakter des Künstlerhauses erhalten. Das Montieren der Dachplatten stellte sich als ein schwieriges Unterfangen heraus.

Nora Güdemann
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Das Dach des Foyers wölbt sich über die darunter gelegene Treppe, dem neuen Eingang ins Künstlerhaus.

Das Dach des Foyers wölbt sich über die darunter gelegene Treppe, dem neuen Eingang ins Künstlerhaus.

Statt sanften Cellotönen und leisem Klang des Pianos hört man im Künstlerhaus Boswil momentan nur Bohren, Hämmern und die Rufe von Handwerkern. Die alte Kirche wird an moderne Standards angepasst: Um mehr Raum zu schaffen, wird ein geräumiger Eingangsbereich mit Garderoben gebaut, ein Lift ermöglicht Gehbehinderten den Zugang zu allen Lokalitäten und die WC-Anlagen werden ebenfalls saniert.

2014 gewann Gian Salis, ein Architekt aus Zürich, den Projektwettbewerb des Studienauftrags. Überzeugen konnte er die Jury mit seinem Plan zum Foyer, welches als neuer Eingang, Kassenstandort und Pausenraum genutzt wird. «Bei diesem Projekt ist es mir wichtig, den Charakter der alten Kirche nicht zu verändern», sagt Salis.

Freiämter Stil beibehalten

Im April haben die Arbeiten begonnen und am Dienstag wurden die Dachplatten des Foyers auf dem Gerüst montiert, was sich als ein schwieriges Unterfangen herausstellte: Die hohen Bäume rund um den Kirchenhügel erschwerten die Anlieferung der Holzkonstruktionen. Mit einem speziellen Kran wurden sie über die Bäume gehievt und in Millimeterarbeit auf dem Gerüst platziert. Das Dach besteht aus einzelnen Holzbalken, die wellenförmig aneinandergesetzt wurden.

Gian Salis erklärt die Idee hinter dem Projekt: «Die gewellte Konstruktion gibt dem Foyer eine gewisse Leichtigkeit, fast sieht es so aus, als ob der Wind das Dach wie ein Tuch formt. Ausserdem hat der Höhenunterschied, wenn man vom Foyer in die Kirche tritt, einen erstaunlichen Effekt.» Grosse, vertikale Vordächer seien zudem typisch für die Architektur des Freiamts. Ein weiterer Punkt, mit dem Salis probiert hat, den Charakter der ehemaligen Pfarrkirche zu erhalten, ist die Wahl des Materials für das Dach und den Boden: «Das Holzdach ordnet sich den anderen Gebäuden hierarchisch unter. Für den Boden und den Belag der Treppe wird Mägenwiler Muschelkalk verwendet. Dieser wurde früher auch in der alten Kirche benutzt.»

Auf die historischen Besonderheiten wurde ebenfalls Rücksicht genommen: In den 1930er-Jahren entdeckte man die Ruine eines ehemaligen Wohnturms auf dem Kirchenhügel. Diese bleibt unbeschädigt, da sich das Foyer wie eine Brücke über die Ruine spannt. An allen drei Seiten des Eingangsbereichs werden Fensterfronten installiert, welche den Gästen einen Ausblick über die Freiämter Landschaft, bis in die Berge, ermöglichen. Ausserdem werden beheizte Sitzbänke eingebaut.

Eleganz und Moderne

Michael Schneider, Geschäftsführer des Künstlerhauses Boswil, betont die Dringlichkeit des Neubaus: «In der Kirche selbst haben 200 bis 300 Menschen Platz. Doch bis jetzt fehlte uns der Raum für Apéros und Empfänge.

Der Bau des Foyers ist ein Meilenstein in der Geschichte des Künstlerhauses.» Ihn erinnert die Dachkonstruktion an einen Walfisch: «Das Dach kombiniert Eleganz und Moderne stilvoll.» Die Bauarbeiten sollten, falls das Wetter mitspielt, Mitte Dezember fertiggestellt sein. Für die Öffentlichkeit ist das Foyer am Konzert des Jugendsymphonieorchesters am
8. Januar das erste Mal geöffnet.