Wohlen
Künstler wechselt von der Metzgerei ganz ins Atelier

Cornel Braunwalder erhielt einst in Cannes die Grande Médaille d’Or. Jetzt widmet er sich vollends der Kunst und stellt zum zehnjährigen Jubiläum seiner Galerie seine Werke in Anglikon aus.

Susanna Vanek
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Mit 55 Jahren setzt Cornel Braunwalder ganz auf die Kunst. Zum Glück, wie ein Besuch seiner aktuellen Ausstellung in seiner Galerie beweist.

Mit 55 Jahren setzt Cornel Braunwalder ganz auf die Kunst. Zum Glück, wie ein Besuch seiner aktuellen Ausstellung in seiner Galerie beweist.

Susanna Vanek

Cornel Braunwalder setzt ganz auf die Kunst. Zum Glück, wie ein Besuch seiner aktuellen Ausstellung in seiner Galerie beweist. Entspannt sitzt er inmitten seiner Gäste, plaudert über seine Werke. Mit 55 Jahren hat er sich entschieden, sich aus dem Familienbetrieb, der Metzgerei Braunwalder, zurückzuziehen. Ganz auf die Kunst, die für ihn nicht Hobby, sondern immer Berufung war, zu setzen. Er wolle sich später nicht vorwerfen müssen, es nicht versucht zu haben, meint er. Was Braunwalder nicht sagt, ist, dass das Feedback auf seine «Nebenbeschäftigung» seit vielen Jahren euphorisch ist. Im Jahr 2001 errang er an einer internationalen Ausstellung in Cannes die Grande Médaille d’Or. Eines seiner Werke hängt in einem Luxushotel in Madrid.

Jetzt endlich hat er genug Zeit für seine Beschäftigung mit Farben und Formen und für seine Galerie, die er im 2004 eröffnete. Auch wenn er, der 1999 die Acrylstrukturtechnik entwickelte, seine eigene künstlerische Sprache längst gefunden hat, bleibt er ein Suchender, der immer wieder neue Wege geht. In der aktuellen Ausstellung belegen dies die 16 Originalgrafiken. Sie zeichnen sich durch viele Details und eine grosse Farbigkeit aus.

Der Fisch in der Vase

Wobei Braunwalder, wie die Werke in seiner Acrylstrukturtechnik beweisen, generell mehr mit Farben experimentiert. Eines der Bilder zeigt einen Mann- und einen Frauenkopf, die sich küssen, eine Einheit bilden. Inspiriert zu diesem Bild hat ihn seine seit 23 Jahren währende Beziehung zu seiner Partnerin. «Andere schreiben Tagebuch», sagt er, «ich setze das, was mich beschäftigt, in meiner Kunst um.» Etwa die Freude über die neu gewonnene freie Zeit. «Frühlingserwachen» nennt er ein Werk, bei dem einem Fisch in einer Vase ein Blumenstrauss in Form eines Frauenkörpers aus dem Mund wächst. Braunwalder ist Sternzeichen Fisch, und er bildet nicht ab, was er sieht, sondern haucht dem Gesehenen ein neues Leben ein. Wie er künstlerisch vorgeht, zeigt er auch in der Bronzeskulptur «Künstlerische Freiheit». Der eine Teil ist eine perfekte Anatomiestudie, der andere künstlerisch verfremdet.

Eine andere Skulptur heisst «Hunger». Ein Loch im aufgeblähten Bauch, der Körper ist ganz Mund und bekommt doch nichts zu essen. Die Armut in weiten Teilen der Welt beschäftigt Braunwalder eben intensiv, er setzt sich auch mit Pinsel und Leinwand mit solchen Themen auseinander, zeigt diese Werke aber meistens nicht.

Bronzeskulpturen ergänzen die Ausstellung, in der zwei Aktbilder auffallen, ein Männer- und ein Frauenakt. Beide Werke stammen von 1993 und belegen, welch weiten Weg Braunwalder seither gegangen ist. Deshalb ist es gut, dass er aus Anlass des 10-Jahres-Jubiläums seiner Galerie erstmals seit sieben Jahren seine Werke wieder in Wohlen zeigt.

Ausstellung bis 9. November:

Freitag 16 bis 21 Uhr, Samstag/Sonntag 13 bis 18 Uhr oder nach telefonischer Absprache. Der Künstler ist während der ganzen Zeit anwesend, Galerie Art4,
Erlenweg 1, Anglikon.