Europaweite Polizei-Aktion

Kulturzentrum und Privatwohnung in Bremgarten durchsucht – 27-Jähriger wird einvernommen

Nach G20-Krawallen: Mann in Bremgarten festgenommen

Razzia in Bremgarten am Mittwochmorgen.

Razzia am Dienstagmorgen in Bremgarten: Die Polzei durchsuchte das Kulturzentrum (KuZeB) und eine Privatwohnung im Rahmen einer europaweiten Aktion. Die Behörden haben einen 27-jährigen Mann, eine «Zielperson», zu den Randalen am G20-Gipfel in Hamburg vom Juli 2017 befragt.

Die Durchsuchungen in Bremgarten sind Teil einer europaweit koordinierten Aktion. Beamte durchsuchten dort die Wohnräume eines 27-jährigen Mannes, dessen Foto die Ermittler bereits im Zusammenhang mit den Elbchaussee-Krawallen am G20-Gipfel vom 7. Juli 2017 in Hamburg veröffentlicht hatten. Randalierer hatten dort schwere Verwüstungen angerichtet. 

Konkret wurden ein Haus an der Reussgasse sowie das Kulturzentrum Bremgarten zeitgleich durchsucht. «Es ist ein Rechtshilfeersuchen aus Deutschland via Staatsanwaltschaft eingegangen», erklärt Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei, der AZ. 

Bei den Hausdurchsuchungen im Bremgarten wurden mehrere Personen kontrolliert. Es ist zu keinen Verhaftungen gekommen, sagt Fiona Strebel von der Oberstaatsanwaltschaft Aargau: «Gestützt auf das Rechtshilfeersuchen aus Hamburg wurde die Zielperson der Kantonalen Staatsanwaltschaft polizeilich zugeführt, und sie wird nun von der Staatsanwaltschaft in Anwesenheit von zwei Polizeibeamten aus Hamburg einvernommen.»

Vor Ort war auch Stadtammann Raymond Tellenbach. Er wurde kurz nach 6 von der Polizei aufgeboten, weil die Türe zum KuZeB verschlossen, und kein Verantwortlicher vor Ort war. Die Türe wurde aufgebrochen, der Stadtammann musste als Amtsperson anwesend sein. Dies ist so festgelegt, um Willkür Seitens der Polizei zu vermeiden. 

Die Aktion dauerte rund zwei Stunden, es wurden Computer zur weiteren Untersuchung mitgenommen. Laut dem Bundesamt für Polizei Fedpol war Bremgarten der einzige Ort in der Schweiz, an dem Razzien durchgeführt wurden.

G20-Gipfel: Demonstranten wüten in Hamburg

Juli 2017: G20-Demonstranten wüten in Hamburg

Bei den Ausschreitungen wurden über 200 Polizisten verletzt. Politiker und Sicherheitsexperten kritisieren das späte Eingreifen der Polizei.

Zahlreiche Polizeidienststellen involviert

Bei der Suche nach Verdächtigen und Beweismaterial werden die Ermittler der Sonderkommission «Schwarzer Block» den Angaben zufolge von zahlreichen Polizeidienststellen sowie der europäischen Behörde Eurojust mit Sitz in Den Haag unterstützt.

Das Gipfeltreffen der wichtigsten Wirtschaftsmächte der Welt im Juli 2017 war von massiven Ausschreitungen überschattet. In der Elbchaussee hatten am 7. Juli rund 220 Randalierer innerhalb kürzester Zeit zahlreiche Autos angezündet und mehrere Polizeiautos angegriffen. Innensenator (Stadtrat) Andy Grote rückte die Ausschreitungen in die Nähe des Terrorismus.

DNA-Spuren führten zu Verdächtigen

Der NDR berichtete unter Berufung auf Soko-Leiter Jan Hieber, Grundlage für die Durchsuchungen sei die Auswertung von Videomaterial, das mehrere Verdächtige mit den Ausschreitungen in der Elbchaussee in Verbindung bringe. Zudem sei es den Ermittlern gelungen, durch Auswertung von DNA-Spuren Tatverdächtigen ihre Beteiligung an den Krawallen nachzuweisen.

Laut NDR durchsuchte die Polizei am Dienstag in Italien unter anderem Objekte in Rom und Genua, darunter auch die Wohnung eines Mannes, der in Hamburg bereits wegen Angriffs auf Polizeibeamte bei den Krawallen in der Sternschanze verurteilt worden sei. Inzwischen gingen die Hamburger Ermittler auch davon aus, dass er an den Krawallen an der Elbchaussee beteiligt war. In Spanien seien im Grossraum Madrid drei Durchsuchungsbeschlüsse vollstreckt worden.

Die Polizei hatte bereits am 13. April eine europaweite Fahndung nach 24 mutmasslichen Randalierern eingeleitet. Das Bundeskriminalamt (BKA) habe eine Fahndungsliste mit Bildern von zwei Dutzend bisher unbekannten Personen "an die durch das LKA Hamburg ausgewählten europäischen Staaten" übersandt, hiess es in einer Antwort des Bundesinnenministeriums an die Linksfraktion, aus der die Zeitungen der Funke Mediengruppe vor zwei Wochen zitierten.

Bereits vor einigen Monaten stand ein Schweizer wegen der Krawalle in Hamburg vor Gericht. Ein Zürcher Gastronom (29) wurde im letzten September zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt: Eine Milde Strafe für den Zürcher G-20-Flaschenwerfer. (kob/jkr/ian/sda)
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