Berikon

Kuhglockengebimmel ärgert Anwohner – Petition gegen Lärm eingereicht

Die Kühe im Beriker Oberdorf beim Weiden.

Die Kühe im Beriker Oberdorf beim Weiden.

In Berikon haben 37 Personen beim Gemeinderat eine Petition für mehr Nachtruhe im Oberdorf eingereicht. Sie stören sich am Gebimmel von Kuhglocken.

«Die einen stört es, die anderen lieben es. Wir sind halt eine ländliche Gemeinde», sagt Berikons Gemeindeammann Stefan Bossard. Gemeint ist das Gebimmel von Kuhglocken. Um solches dreht sich in der Mutscheller Gemeinde – wie regelmässig auch an anderen Orten in der Schweiz – aktuell ein Disput.

Vor ein paar Wochen haben 37 Personen beim Gemeinderat eine Petition eingereicht, die auch eine Nachtruhe für das Beriker Oberdorf fordert.

Polizeireglement soll angepasst werden

Sie richtet sich in erster Linie gegen den Gemeinderat. Die Behörde wird aufgefordert, im Polizeireglement Einschränkungen zu erlassen, die den Gebrauch von Weideglocken wochentags in der Zeit von 20 Uhr bis 7 Uhr, am Samstag ab 18 Uhr und an Sonn- und Feiertagen gänzlich verbietet. Im gültigen Reglement aus dem Jahr 2009 sind diese aktuell nämlich explizit während den erwähnten Zeiten erlaubt.

Hinter der Petition stehen als Initianten sechs Anwohner des Oberdorfs, die mehrheitlich seit 30 bis 50 Jahren dort wohnen. Zu ihnen zählt auch Markus Hüsser. Gegenüber der «Aargauer Zeitung» erklärt der Beriker: «Der übermässige Lärm durch die Glocken tragenden, weidenden Kühe führt dazu, dass man während 24 Stunden fast keine ruhige Minute hat. Von Beginn des Frühlings bis im Spätherbst sind praktisch immer Kühe auf der Weide.» Ein gemütlicher Sommerabend auf dem Sitzplatz sei nicht möglich, ausser man wolle sich den ganzen Abend lang anschreien.

Gemeindeammann Bossard sagt: «Während der Coronazeit im Frühling kam das Thema wieder stärker auf. Es war ruhiger und die Leute vermehrt zu Hause. Darum fühlte man sich durch die Glocken gestört.»

Auch auf dieser Wiese weiden jeweils die Kühe im Beriker Oberdorf.

Auch auf dieser Wiese weiden jeweils die Kühe im Beriker Oberdorf.

Aktuell ist ein Rekurs beim Kanton hängig

Die Diskussion ums Glockengebimmel im Beriker Oberdorf schwelt aber schon seit Sommer 2019. Damals verliefen direkte Gespräche mit dem betroffenen Landwirt Walter Brechbühl ohne Resultat.
Nach einem kurzen Hoffnungsschimmer der Ruhe diesen Frühling seien die Kühe aber wieder 24 Stunden auf der Weide gewesen, erklärt Anwohner Markus Hüsser.

Deshalb reichte er offiziell beim Gemeinderat eine Lärmbeschwerde ein. Gemeindeammann Stefan Bossard bemühte sich nach eigener Aussage in der Folge im Kontakt mit dem Landwirt um eine gütliche Lösung und schlug als Möglichkeit kleinere Glocken vor.

Bossards Bemühungen fruchteten bezüglich des Lärms aber nicht. Nachdem der Gemeinderat Hüssers Beschwerde sowie eine weitere Beschwerde eines anderen Oberdorfbewohners ablehnte, zog Hüsser seine an die nächsthöhere Instanz beim Kanton ans Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) weiter. Dort ist der Rekurs zurzeit noch hängig.

Landwirt Walter Brechbühl sagt seinerseits in dieser Angelegenheit zur «Aargauer Zeitung»: «Ich möchte mich nicht gross äussern, bis der kantonale Entscheid bekannt ist.» Seine Kühe würden schon seit vielen Jahren die gleichen Glocken tragen. Je nach Jahreszeit würden bis zu acht Kühe weiden, teilweise auch weniger und in den Wintermonaten gar keine, sagt Walter Brechbühl.

Gemeinde wartet den Entscheid des Kantons ab

Von der kürzlich eingereichten Petition erhoffen sich die Initianten, dass der Gemeinderat zur Einsicht kommt und das Polizeireglement entsprechend anpasst. «Die Anwohner des Oberdorfs haben auch ein Anrecht auf eine erholsame und gesunde Nachtruhe. Berikon soll schliesslich ein attraktiver und beliebter Wohnort sein», sagt Markus Hüsser.

Vorerst will Gemeindeammann Bossard noch abwarten. «Wir beschliessen, wie wir weiter vorgehen, wenn der Entscheid des Kantons zur Beschwerde da ist. Dann könnte man es eventuell mit der Bevölkerung diskutieren und allenfalls an der Sommergemeindeversammlung 2021 eine Änderung des Polizeireglements beantragen und diskutieren.» Sollte es zu diesem Schritt kommen, wäre eine angeregte Diskussion wohl garantiert.

«Wir wohnen auf dem Land und nicht in der Stadt»

Denn es gibt auch andere Stimmen in Berikon. Urs Hoppler beispielsweise, der selber nicht im Oberdorf wohnt, streicht gegenüber der AZ die Bedeutung der Glocken hervor. Er sagt: «Jeder, der noch nie in der Nacht hinter entlaufenen Rindviechern her war, weiss nicht, von was er redet. Weiter wohnen wir auf dem Land und nicht in der Stadt. Da gehören Kuhglocken zum Landleben.»

Urs Hoppler fügt auch gleich ein Gegenbeispiel an. Er lade die Petitionäre einmal ein, eine Nacht oder Wochenende an der Kreuzung Schulstrasse/Unterdorfstrasse zu verbringen und sich den Lärm des Übergangs anzuhören. «Wenn kleine LKW’s oder Autos darüber fegen, steht jeder im Bett. Da ist das Glockengebimmel nur ein Säuseln in den Ohren», erklärt Hoppler.

Für Markus Hüsser seinerseits ist es unverständlich, dass auf der einen Seite ein dreistelliger Millionenbetrag für Lärmschutz im Aargauer Strassenverkehr aufgeworfen wird, «aber andererseits die Nachtruhe der Anwohner nicht vollumfänglich schützenswert sein soll.» Ob Strassenlärm oder Kuhglocken, eines ist sicher: In Berikon wird es so bald nicht ruhig werden.

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