60 Jahre ist es her, seit Willy Hans Rösch und Albert Rajsek im Mai 1953 beschlossen, das Anwesen rund um die Alte Kirche Boswil vor dem Verfall zu bewahren und das Pfarrhaus zu einem Heim für mittellose Künstler umzubauen.

Mit 700 Franken lancierten sie die Stiftung Künstlerhaus Boswil und hätten sich kaum träumen lassen, dass sich ihr Künstlerhaus 60 Jahre später zu einem über die Kantonsgrenzen hinaus bekannten Zentrum für hochkarätige Musik entwickelt haben würde.

Rund 200 Konzerte, Symposien und Seminare lockten im vergangenen Jahr über 12 000 Besucher und Künstler an den idyllischen Ort mitten im Freiamt. Das Künstlerhaus ist zu einer «legendären Kulturinstitution» geworden, die Alte Kirche zu einem «Konzertraum mit Weltklasse-Format», wie sich Stiftungsrats-Präsident Peter Wipf an der 60-Jahr-Feier freute.

«Trotz des überregionalen Ruhms ist das Künstlerhaus aber ein idyllischer Kulturort auf dem Land geblieben, an dem Begegnungen über Generationen und Kontinente hinweg im familiären Rahmen immer noch möglich sind», betonte er.

«Bindeglied zwischen Kulturen»

Auch die Freiämter Bundesrätin Doris Leuthard freute sich über das «Vergnügen, aus dem Bundeshaus raus und ins Künstlerhaus zu kommen». Leuthard lobte die Stiftung in ihrem Grusswort für deren Einsatz für die Kultur- und Jugendförderung.

«Im Künstlerhaus wird über Staats- und Kulturgrenzen hinaus musiziert. Musik wird hier zu dem, was sie in unserer globalisierten Welt für alle sein kann: Ein Bindeglied zwischen Menschen, Generationen und Kulturen.»

Die offene, vielsprachige Schweiz habe der Kultur als verbindendem Element in ihrer Geschichte viel Beachtung geschenkt. «Das Künstlerhaus ist ein leuchtendes Symbol dafür.» Leuthard dankte den Organisatoren und Künstlern, «die den alten Gemäuern immer wieder aufs Neue einen zukunftsweisenden Geist einhauchen».

Spezielles bundesrätliches Lob erhielt das Künstlerhaus für sein Engagement im Bereich der Jugendförderung. «Denn, wer etwas für die kulturelle Zukunft tun will, der soll in der Jugend die Sehnsucht für Musik wecken.»

«Einzigartig im Kulturkanton»

Der Aargauer Landammann und Kulturminister Alex Hürzeler schloss sich den Gratulationen für die «einzigartige Institution im Kulturkanton» an. «Das Künstlerhaus ist der Aargauer Ort für Musik.

Abseits des Starrummels der Kulturmetropolen entführen Musiker hier ihr Publikum immer wieder in fremde Welten.» Auch Hürzeler lobte das Künstlerhaus für dessen Jugendarbeit.

«Das Jugendorchester Freiamt, das Jugend Sinfonieorchester Aargau und die Musiker der Boswiler Akademie proben hier intensiv und garantieren dafür, dass das Künstlerhaus auch in Zukunft ein Ort für hochkarätige Konzerterlebnisse bleiben wird.»

Hürzeler erinnerte an den Beitrag des Kantons, der infolge der Revision des Kulturgesetzes 2010 einen Leistungsvertrag mit dem Künstlerhaus einging und die Stiftung bei der langfristigen Planung unterstützt.

Insbesondere der geplante Umbau des Sigristenhauses und der Bau eines Foyers sollen die Proberaum-Kapazitäten und den Besucher-Konfort in naher Zukunft weiter optimieren.

Dass das Jubiläum des Künstlerhauses nicht zum reinen Reden-Marathon verkam, dafür sorgten die Bläser des Jugend Sinfonieorchesters Aargau, die Cello-Komiker des «Duo Calva», das Klavierduo Adrienne Soós und Ivo Haag und Streichmusiker aus dem Künstlerhaus-Umfeld.