Boswil
Krisen-Übung «Vulkano»: Explosionsgefahr am Lindenberg

Die Regionale Führungsorganisation (RFO) hat in Boswil mit dem Krisen-Test «Vulkano» realitätsnah eine mögliche Extremsituation geübt.

Toni Widmer
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Rettungskräfte und Zaungäste auf der gesperrten Niesenbergstrasse.

Rettungskräfte und Zaungäste auf der gesperrten Niesenbergstrasse.

Toni Widmer

Das Übungsszenario wirkte auf den ersten Blick etwas gar übertrieben: Auf der Niesenbergstrasse in Boswil waren zwei Autos kollidiert. Eines davon ein mit Sprengstoff beladener Lieferwagen. Das führte zu einem Grossaufgebot. Innert Kürze war nicht nur die Feuerwehr Boswil vor Ort, sondern auch die Stützpunktfeuerwehr Muri, die Regionalpolizei, der zuständige Rettungsdienst mit mehreren Ambulanzfahrzeugen, der örtliche Samariterverein und die Zivilschutzorganisation. Die akute Gefahrenlage rief zudem auch die Regionale Führungsorganisation (RFO) Muri-Boswil auf den Plan, deren Kader sich in der Boswiler Zivilschutzanlage einrichtete und von dort aus die Einsätze der verschiedenen Rettungsorganisationen koordinierte. Angeordnet wurde vorerst die Evakuierung aller Liegenschaften um Umkreis von 200 Metern um die Unfallstelle. Die Leute wurden in der Boswiler Mehrzweckhalle betreut und aus der sofort aktivierten ZSO-Küche verpflegt. «Ein Lieferwagen voll mit Sprengstoff fährt in Richtung Niesenberg, ziemlich unrealistisch», schmunzelten einige Boswilerinnen und Boswilern, welche den Übungsablauf beobachteten.

«Das kann tatsächlich passieren»

«Gar nicht unrealistisch, diese Gefahrenlage könnte sich durchaus auch in Boswil ergeben», hielt hingegen der von der Einsatzleitung beigezogene Gefahrengutexperte Andreas Wegmann fest: «Wir sprechen hier von einem Lieferwagen, der insgesamt 100 Kilogramm Feuerwerk mit sich geführt hat. Das ist in diesem Rahmen erlaubt, ohne, dass das Fahrzeug speziell gekennzeichnet sein muss.»

Nun sei es so, fuhr Wegmann fort, dass auch Feuerwerk in dieser Menge extrem gefährlich sei: «Weil es sich viel rascher entzündet als Sprengstoff, ist die Explosionsgefahr bei einem Unfall deutlich höher.» Die getroffenen Massnahmen mit weiträumiger Absperrung des Unfallortes und Evakuierung der Anwohner sei deshalb absolut richtig gewesen», erklärte der Experte an der zur Übungsanlage gehörenden Pressekonferenz im Boswiler Gemeindehaus.

«Es ging bei dieser gross angelegten Übung, die wir von langer Hand vorbereitet haben, darum, das Zusammenspiel der verschiedenen Organisationen zu üben und zu testen, die bei der Bewältigung eines solchen Ereignisses involviert sind», erklärte RFO-Chef Herbert Strebel. Dabei, sagte der Murianer Grossrat weiter, dürften durchaus auch Fehler passieren: «Wir haben das ganze Szenario von A bis Z möglichst realitätsnah durchgespielt. So war zwar das Kader der Feuerwehren zuvor informiert, die Mannschaften wurden jedoch alarmmässig aufgeboten. Uns ging es mit der Übung vor allem auch darum, allfällige Schwachstellen zu entdecken, damit wir diese beheben können, bevor es wirklich einmal ernst wird.»

Geleitet worden war die knapp vier Stunden dauernde Übung mit dem passenden Namen «Vulkano» von Michael Stocker, dem Kommandanten der ZSO Muri-Boswil, zusammen mit Thomas Strebel, dem Kommandanten der Stützpunktfeuerwehr Muri.