Berikon

Krimis sind in der Wanderbücherei begehrt, Klassiker weniger

Yvonne Steiner, Vizeamtsfrau Rosmarie Groux und Ursula Berger betreuen die Wanderbibliothek an den drei Standorten.

Yvonne Steiner, Vizeamtsfrau Rosmarie Groux und Ursula Berger betreuen die Wanderbibliothek an den drei Standorten.

Die Wanderbücherei an drei Standorten funktioniert bestens, Depots im Freien sollen folgen. «Ich wollte, dass die Bücher nicht weggeworfen, sondern erneut gelesen werden», sagt Vizeamtsfrau von Berikon Rosmarie Groux.

«Was kostet ein Buch, wenn ich es mitnehmen möchte?», «Muss ich es zurückbringen?» oder «Muss ich eines von mir dafür bringen?» Mit diesen Fragen wurden die ehrenamtlich tätigen Frauen, welche sich um die Wanderbücherei kümmern, in der Anfangsphase oft konfrontiert. Trotz Hinweiszetteln konnten es die Leute kaum glauben, dass sie tatsächlich ein Buch nehmen können, ohne Verpflichtung und ohne dafür zu zahlen.

Heute, ein Dreivierteljahr nachdem die Wanderbücherei initiiert wurde, wird sie rege genutzt. Leseratten holen ganze Bücherstapel. Manche Bücher werden, nachdem sie gelesen wurden, in die Regale zurückgelegt, andere gehen auf Wanderschaft und bleiben zum Beispiel im Feriendomizil. Besonders begehrt sind Krimis und Romane, aber auch Kinderbücher.

Bücher aus der ganzen Region

Auch das Bringen von Büchern funktioniere bestens. «Wir haben gleich zu Beginn viele Bücher bekommen und konnten im halben Freiamt welche abholen», sagt Rosmarie Groux. Die Vizeamtsfrau von Berikon hat die Wanderbücherei ins Leben gerufen und betreut den Standort im Gemeindehaus. «Als vergiftete Leserin und Mitglied der Arbeitsgruppe Energie wollte ich, dass die Bücher nicht weggeworfen, sondern erneut gelesen werden.»

Die Berikerin Ursula Berger war von der Idee ebenfalls schnell überzeugt und kümmert sich heute um die Wanderbücherei im Hotel Stalden, die vor allem von Hotelgästen genutzt wird. Die Dritte im Bunde, Yvonne Steiner, betreut die Bücherregale im Bürgisserhus. «Ich kannte das Konzept aus den Ferien und finde es eine gute Sache», sagt Steiner. Unverhohlen verrät sie, dass sie sich mit der Mithilfe zugleich eine neue Bücherquelle erschliessen konnte. Denn abgegeben werden nicht nur ältere Bücher, sondern vielfach auch neue Publikationen, die lediglich einmal zuvor gelesen wurden.

Die drei Frauen kümmern sich engagiert um die Regale der Wanderbücherei, sortieren nach Genre und präsentieren interessante Bücher prominent. «Für die Adventszeit habe ich Weihnachtsbücher und Bastelbücher zur Seite gelegt, die ich nun der Wanderbücherei übergebe», sagt Groux.

Wanderbücherei ist ausgelastet

Problematisch seien Bücher, die selbst gratis niemand mehr will: ältere Exemplare zum Beispiel des Autors Konsalik sowie Klassiker. Weil sie geradezu mit Büchern überschwemmt werden, musste Groux auch schon welche in die Entsorgung geben. «Doch bei den Klassikern kann ich das nicht.» Für diese sei sie auf der Suche nach Abnehmern. Da insgesamt bereits über 1000 Bücher zusammengekommen sind, sind die Frauen vorsichtiger geworden bei der Annahme: «Einzelne Bücher können immer noch in die Kisten gelegt werden, doch grössere Mengen müssen telefonisch angemeldet werden.

Groux hat bereits Erweiterungspläne: «Schön wären Standorte am Bahnhof und an den Bushaltestellen.» Dort könnten andere Personenkreise angesprochen werden. Zudem wären diese Wanderbüchereien anders als jene im Gemeindehaus oder im Bürgisserhus auch am Sonntag zugänglich.

Keine Konkurrenz zur Bibliothek

Angesichts des Erfolgs der Wanderbücherei drängt sich die Frage auf, ob das Auswirkungen auf die Bibliothek hat. Die Zentrumsbibliothek Mutschellen befindet sich im Nachbarort Widen. «Wir haben im Vorfeld mit Frau Groux gesprochen. Wir empfinden es nicht als Konkurrenz», sagt Bibliotheksleiterin Caroline Jordi. Die Zahlen seien in diesem Jahr zwar etwas rückläufig, doch führt sie das nicht auf die Wanderbücherei zurück. «Wir kennen niemanden, der deswegen abgesprungen ist», sagt Jordi. «Im Gegensatz zur Wanderbücherei haben wir immer die topaktuellen Bücher.»

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