Freiamt

Kreisförster Jansen geht in Pension: «Ich möchte das Staunen nicht verlernen»

Noch ist im Heck seines kleinen Autos das mobile Kreisförster-Büro eingerichtet, ab April wird Erwin Jansen den Kofferraum für sein Reisegepäck brauchen.

Noch ist im Heck seines kleinen Autos das mobile Kreisförster-Büro eingerichtet, ab April wird Erwin Jansen den Kofferraum für sein Reisegepäck brauchen.

Kreisförster Erwin Jansen verabschiedet sich Ende Jahr vorzeitig in die Pension und geht auf Reisen.

Ende Jahr hängt Erwin Jansen (63) seinen Job als Kreisförster an den Nagel und im April einen kleinen Wohnwagen an sein kleines Auto – dann fährt er los. Zuerst zum Affenfelsen in Gibraltar, den er noch nie gesehen hat, dann weiter nach Portugal. Nordspanien ist ebenso auf dem Programm, auch die Bretagne und natürlich Holland, die ursprüngliche Heimat seiner Eltern.

Das Reisegepäck ist beschränkt: «Das Fahrrad und ganz sicher meinen grossen Feldstecher und eine Kiste voll Bücher», erklärt er. Unterwegs sein wird der Frühpensionär allein. Seine Gattin Suzanne bleibt als Lehrerin vorderhand noch berufstätig: «Sie wird mich aber während ihrer Ferien eventuell besuchen und ein Stück begleiten», sagt Jansen. Wie lange er unterwegs sein wird, ist offen: «Ich kehre zurück, wenn es mir verleidet», schmunzelt der Oberwil-Lieler und sagt dann deutlich ernster: «Ich möchte das Staunen nicht verlernen und einfach eine Zeit lang schauen, schweigen und geniessen.»

Seit 21 Jahren Kreisförster

Zurzeit ist Erwin Jansen noch auf Abschiedstour in «seinen» Wäldern. Seit 21 Jahren betreut er als Aargauischer Kreisförster im Auftrag der Abteilung Wald die Forstbetriebe. Vorerst waren es nur jene im Freiamt, seit der Neuorganisation der Kreisforstämter im Jahr 2004 ist er auch für die Region Lenzburg zuständig. Sein Aufgabenbereich erstreckt sich über 59 Gemeinden, von Dietwil im südlichsten Zipfel des Kantons bis nach Veltheim.

Dabei hatte Erwin Jansen vorerst gar nichts mit dem Wald im Sinn. Schon als junger Mann wollte er losziehen und die Welt entdecken. Als Seebär, so wie es viele in seiner Verwandtschaft auch getan hatten. «Mein Onkel – er war Lotse in Vlissingen – hat mir die Zukunft der Seefahrt hingegen sehr unromantisch prognostiziert und mich so von der Idee abgebracht», blickt Jansen zurück. Veterinär ist er schliesslich nicht geworden, weil es ihm in der Schnupperlehre bei einem berufsmüden Viehdoktor gar nicht gefallen hat.

Erwin Jansen, als Sohn eines Physikers in den USA geboren und mit seinen holländischen Eltern im Alter von vier Jahren via Schweden an der Zürcher Goldküste gestrandet, hat dann an der ETH Zürich Forstingenieur studiert: «Es musste ein Beruf im Freien sein und einer, bei dem man mit Leuten zu tun hat. Ich war immer sehr naturbezogen und hatte schon immer die Menschen gern», sagt der Bald-Rentner.

Eine breite Berufserfahrung

Nach dem Studium war er mangels Nachfrage nach Forstingenieuren vorerst selbstständig: «Ich habe Wildbäche verbaut, war aushilfsweise als Primarlehrer tätig, habe als Offizier zwischenzeitlich als Hilfsinstruktor in der Armee gearbeitet und erhielt schliesslich bei der Interessengemeinschaft Industrieholz meinen ersten festen Job.» Dann wechselte Erwin Jansen zum Phytosanitären Beobachtungs- und Meldedienst an der eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft in Birmensdorf und kam beruflich erstmals direkt mit den Förstern in Berührung: «Ich musste sicherstellen, dass die Forstdienste ihre Beobachtungen über Schädlinge und Krankheiten im Wald meldeten und im Gegenzug eine Beratung beim Auftreten von Waldinsekten und Pilzkrankheiten erhielten.»

1996 wurde Erwin Jansen, der 1983 nach Oberwil-Lieli gezogen war, als Nachfolger von Robert Häfner der Freiämter Kreisförster: «Kreisförster galt damals für viele Forstingenieure als der Traumjob. Man hatte zwar sehr viel Verantwortung zu übernehmen, erhielt im Gegenzug aber auch sehr viele Gestaltungsmöglichkeiten», erzählt Erwin Jansen und sagt weiter: «Damals galt das Auftragsprinzip. Das Ziel war von der Abteilung Wald vorgegeben, den Weg dorthin konnte der Kreisförster in Absprache mit den Forstbetrieben weitgehend selber bestimmen.»

Die grosse Selbstständigkeit hat ihm gefallen. Und auch den Freiämter Förstern. Ihr neuer Kreisförster erwies sich als sehr zielstrebig und konsequent, anderseits aber auch als sehr menschlich. Erwin Jansen wurde rasch respektiert und bei den Freiämter und den Lenzburger Förstern sehr beliebt.

Der Job hat sich verändert

«Ich bin der eher hemdsärmelige Typ, der die Dinge beim Namen nennt, aber nicht auf Kleinigkeiten herumreitet. Dort, wo es wirklich zählt, kann ich jedoch sehr beharrlich sein. Ich denke, das macht mich aber auch einschätzbar», sagt Jansen. Er habe es stets geschätzt, wenn die Leute «nicht über mich, sondern mit mir geredet haben».

Wenn man ihn von seinen Förstern und dem Verhältnis zu ihnen reden hört, spürt man sehr gut, dass der Respekt gegenseitig ist. Der Abschied aus den Freiämter und Lenzburger Wäldern fällt ihm nicht ganz leicht. Obwohl sich sein Job im Laufe der Jahre doch stark verändert hat: «Die Neuorganisation der Forstkreise und die Ausweitung meines Tätigkeitsgebietes waren mit einer wesentlichen Umstellung meiner Arbeit verbunden.

Der Kontakt innerhalb des Baudepartements ist intensiver geworden, was sich sicher positiv ausgewirkt hat. Anderseits war der Kontakt nach aussen halt doch weniger intensiv als früher. Ich musste mich anders strukturieren und bin mehr zum Verwalter geworden.»
Sein Beruf habe dennoch bis zum Schluss Spass gemacht. Und er denke auch, dass er ein geordnetes Erbe hinterlasse, mit funktionierenden Forstbetrieben, der Gründung von Holzenergie Freiamt, verschiedenen verwirklichten Naturschutzprojekten und einigen in der Raumplanung gesetzten Akzenten.

Gemeinden, Forstbetriebe und Förster im Freiamt und der Region Lenzburg würden diese persönliche Einschätzung wohl sofort unterschreiben.

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