Widen
Kredit um 30 Prozent überschritten: Kosten für «Beletage» liefen völlig aus dem Ruder

«Beletage» im Alterszentrum Burkertsmatt in Widen kostete rund 730 000 statt der bewilligten 560 000 Franken.

Walter Christen
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Geschützter Wohnbereich im Alterszentrum Burkertsmatt in Widen: 170 000 Franken teurer als der ursprünglich bewilligte Kredit. chr (Archiv)

Geschützter Wohnbereich im Alterszentrum Burkertsmatt in Widen: 170 000 Franken teurer als der ursprünglich bewilligte Kredit. chr (Archiv)

Die Kosten für den 2017 eingeweihten geschützten Wohnbereich im Alterszentrum Burkertsmatt in Widen, die sogenannte «Beletage», liefen völlig aus dem Ruder: 170 000 Franken (30 Prozent) machte die Kreditüberschreitung aus, welche diese Woche an der Abgeordnetenversammlung des Gemeindeverbands Regionale Alterszentren in Bremgarten nicht einfach kommentarlos abgesegnet wurde. Namentlich die beiden Abgeordneten aus Eggenwil, die Gemeinderäte Hanspeter Sieber und Michael Stoll, nahmen die «Mehrkosten mit grossem Befremden zur Kenntnis» und erteilten dem Vorstand eine Rüge. Insbesondere die vergessene und deshalb im Kredit nicht berücksichtigte Mehrwertsteuer im Betrag von 44 800 Franken monierten die Eggenwiler Abgeordneten aufs Schärfste.

«Man traut uns nicht»

Die Missfallenskundgebung fasste Verbands-Vizepräsident Christian Baumann als Misstrauensvotum an die Adresse des Vorstands auf: «Ich habe Mühe mit den Voten von Eggenwil. Das zeigt, man traut uns nicht. Aber wir streuen niemandem Sand in die Augen. Wo gehobelt wird, fliegen auch Späne», so der Zufiker Gemeindeammann. Vorstandsmitglied Peter Spring, Gemeindeammann in Widen, war der Meinung, man müsse die Kritik auf jeden Fall zur Kenntnis nehmen und akzeptieren.

Am 10. November 2016 wurde von den Abgeordneten ein Kredit in der Höhe von 560 000 Franken für die Realisierung des geschützten Wohnbereichs im Alterszentrum Burkertsmatt genehmigt. Die neue Abteilung konnte am 1. Juli 2017 eingeweiht werden und bis Ende Jahr waren die 15 neuen Betten bereits zu 80 Prozent ausgelastet.

«Mangelhafte Baubegleitung»

Es habe sich gezeigt, dass der Kostenvoranschlag, welcher die Grundlage des Kreditantrags bildete, zu ungenau gewesen sei, heisst es in der Erklärung des Vorstands zur Kreditabrechnung. «Ebenso hat die mangelhafte Baubegleitung des Architekturbüros zu Verzögerungen bei der Arbeitsvergabe geführt, die einen wesentlichen Teil der übrigen Mehrkosten von 55 200 Franken verursacht haben dürften.» Das heisst, Arbeitsvergaben seien teilweise zu höheren Preisen erfolgt, als im Kostenvoranschlag gerechnet. Hinzu hätten sich nicht eingeplante Arbeiten gesellt, wie zum Beispiel das Abschleifen der Parkettböden und grössere Anpassungen im Küchenbereich.

Einer, der an der Abgeordnetenversammlung ebenfalls unter Beschuss geriet, war Direktor Roger Cébe. Er lieferte allerdings weitere, plausible Erklärungen für die massive Kreditüberschreitung: «Die Bauarbeiten hatten bereits begonnen, als es vonseiten der Aargauischen Gebäudeversicherung hiess, es handle sich nicht mehr um einen Um- sondern um einen Neubau. Die Auflage der AGV lautete auf einmal, die elektrischen Anlagen im fünften Obergeschoss müssen komplett erneuert werden, was zu weiteren unvorhergesehenen Kosten von 70 000 Franken geführt hat.»

Von den Abgeordneten wurden unter anderem der Geschäftsbericht und die Jahresrechnung 2017 verabschiedet. Für das Alterszentrum Bärenmatt in Bremgarten resultierte ein Gewinn von 180 000 Franken. Für das Zentrum Burkertsmatt ergab sich hingegen einen Verlust von 729 500 Franken.