In Sins will die neu gegründete Edelkrebs AG bis 2016 in einem geschlossenen Kreislaufsystem zwei Tonnen Speisekrebse pro Jahr produzieren. Bis es so weit ist, müssen die über 100 Becken im Industriepark Giessenmatt noch als Forschungsanlage betrachtet werden, wie Boris Pasini, der stellvertretende Projektleiter, ausführt.

Die Edelkrebs AG betreibt die Forschung, Mast und Vermehrung von einheimischen Flusskrebsen in geschlossenen Kreislaufsystemen. Dies bedeutet, dass das Wasser im System selber gereinigt und wiederverwendet wird.

Die Firma wurde im März dieses Jahres gegründet und ist ein Ableger der Alex Gemperle AG in Hünenberg, die seit 2011 im Rahmen eines Projektes der Kommission für Technologie und Innovation (KTI) zusammen mit der Forschungsgruppe Ökotechnologie der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) die Grundlagen zur Edelkrebsmast in Kreislaufsystemen entwickelt.

Einzigartig in der Schweiz

«Unser Projekt ist einzigartig in der Schweiz», sagt der 32-jährige Pasini, der Natural Ressources Science mit Spezialisierung auf Aquakulturen studiert hat. Unter anderem bietet es den Vorteil, dass anders als in natürlichen Teichen die Krebse unter kontrollierten Bedingungen gehalten und gemästet werden können.

«Wir wissen zum Beispiel genau, wie alt sie sind, kennen die Wasserqualität, sorgen für die richtige Temperatur, kontrollieren die Qualität des Futters.» Aber es ist alles auch Neuland, wie Pasini ausführt: Wie sehen die für die Bedürfnisse der Krebse optimalen Becken aus? Welche Strukturen sollen im Becken vorhanden sein, um den Verhaltensmustern der Krebse gerecht zu sein? Welches sind die idealen Zuchttemperaturen und das beste Futter.

«Was wir hier machen, ist Forschung ohne Garantie auf Erfolg.» Aber Pasini ist überzeugt, auf dem richtigen Weg zu sein. «Die bisherigen Arbeiten stimmen zuversichtlich», sagt er.

Selbst entwickelte Becken

In Sins stehen für diese Forschungen mehr als 100 selbst entwickelte Becken mit einer Grundfläche von rund 250 Quadratmeter, aufgeteilt auf 17 Einzelkreisläufe, zur Verfügung. Mit Wasseraufbereitungssystemen, ähnlich der kommunalen Abwasserreinigungsanlagen, wird die Wasserqualität gewährleistet; lediglich ein Prozent der Gesamtmenge des Wassers wird täglich ausgetauscht.

Wassertemperaturen und Sauerstoffwerte werden elektronisch überwacht. Im Aussenbereich sind für die Haltung von Zuchtgruppen sechs Kreislaufanlagen aufgebaut, welche dem natürlichen Licht und Temperaturen ausgesetzt sind. Aber auch hier kann die Wassertemperatur nach Bedarf reguliert werden.

Untersucht wird auch, wie das Wachstum der Krebse durch Selektionszucht gesteigert oder ob und wie sich die gemeinsame Haltung von Krebsen und Fischen verträgt.

Erste Erfolge für Edelkrebs AG

Die Anlage im Sinser Industriequartier ist vom Veterinäramt abgenommen, die Edelkrebs AG besitzt für den Betrieb die Bewilligung zur Haltung von Wildtieren. 2013 sind in der Anlage 17 000 Krebse geschlüpft. Die Mortalität in den Becken konnte durch den Einsatz von optimalen Strukturen auf unter drei Prozent pro Monat reduziert werden und das Wachstum mit geeignetem Futter
im Vergleich zu Standardfutter um 60 Prozent gesteigert werden.

Ein weiteres Standbein des neuen Unternehmens ist der Aufbau einer Satzkrebsproduktion der drei einheimischen (und gefährdeten) Krebs-
arten Steinkrebs, Dohlenkrebs und Edelkrebs. Diese Tiere sollen für die Wiederansiedlungen und Bestandesstützungen der wild lebenden Krebspopulationen eingesetzt werden, wie Boris Pasini ausführt.