Bezirksgericht Muri

Kosovare versetzt Ehefrau jahrelang in Angst und Schrecken – Richterin: «Taten wiegen schwer»

Der Angeklagte hatte seine Ehefrau während Jahren immer wieder bedroht. Symbolbild: IStockphoto

Der Angeklagte hatte seine Ehefrau während Jahren immer wieder bedroht. Symbolbild: IStockphoto

Ein Mann musste sich in Muri vor dem Bezirksgericht verantworten, weil er seine Ehefrau bedroht und geschlagen hat. In ihrer Urteilsbegründung hielt die Einzelrichterin fest: «Die Taten wiegen schwer.»

«Ich werde dich ans Auto fesseln, hinterherziehen und umbringen. Ich schlage dir deinen Kopf an die Wand, bis du blutest.» Mit solchen und noch grauenhafteren, äusserst abscheulichen Drohungen hat der 45-jährige Kosovare Alban seine gleichaltrige, nicht berufstätige Ehefrau Emine (beide Namen geändert) seit 2007 immer wieder in Angst und Schrecken versetzt. Um seinen Ankündigungen Nachdruck zu verleihen, wurde er gegen seine Frau, mit der er seit 2006 verheiratet ist, oft auch handgreiflich.

An der Verhandlung vor dem Bezirksgericht Muri bestritt er bei der Befragung durch Einzelrichterin Simone Baumgartner sämtliche Anschuldigungen, wie sie aus der Strafanzeige seiner Frau hervorgehen. «Wieso sollte ich so etwas gesagt und sie geschlagen haben? Das würde ich nie tun. Ich verstehe nicht, weshalb sie Angst hat. Schliesslich ist sie doch die Mutter meiner Kinder», gab er sich völlig unschuldig.

Geldstrafe und Busse

Das Bestreiten der Vorwürfe gegen ihn nützte ihm gar nichts: Alban wurde für die noch nicht verjährten Verfehlungen zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 70 Franken verurteilt, bedingt bei einer dreijährigen Probezeit und unter Anrechnung von 22 Tagen Untersuchungshaft. Die ausgesprochene Busse beträgt 1000 Franken, dazu muss er einen Drittel der Verfahrenskosten übernehmen. Für seinen amtlichen Verteidiger kommt der Staat auf, doch muss der Beschuldigte einen Drittel zurückzahlen, sobald es ihm finanziell möglich ist.

«Eine Machtdemonstration»

In ihrer Urteilsbegründung hielt Simone Baumgartner fest: «Die Taten wiegen schwer, weil der Beschuldigte seine Frau nicht nur bedroht, sondern sie auch geschlagen hat. Es ging ihm einzig und alleine um eine Machtdemonstration, weil sie nicht gemacht hat, was er wollte.»

Das Paar aus dem Kosovo lebte seit über einem Jahrzehnt mit seinen Kindern im Freiamt. Inzwischen ist die verängstigte Ehefrau, die sich in ärztlicher und therapeutischer Behandlung befindet, aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen und hat ihren Peiniger bei der Polizei angezeigt. Bei einer Hausdurchsuchung wurden zwei Messer sichergestellt, eines davon befand sich im Bett unter der Matratze des Beschuldigten. Von der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten erhielt Alban einen Strafbefehl, weil er Emine vorsätzlich bedroht hat. Für sein Verhalten sei er mit 180 Tagessätzen zu je 80 Franken zu bestrafen und mit 2200 Franken Busse. Dagegen erhob er Einsprache, weshalb nun das Bezirksgericht den Fall zu beurteilen hatte.

Als Emine im Begriff war, von zu Hause auszuziehen, drohte Alban, die ganze Familie umzubringen, wenn sie die Kinder mitnehmen würde. Zuletzt soll der Beschuldigte dem Bruder seiner Frau, also seinem Schwager im Kosovo, telefonisch mitgeteilt haben, dass er mit den Kindern in die Ferien fahren wollte, jedoch ihre Einwilligung dafür nicht bekommen hätte. Entsprechend stehe er nun mit dem Rücken zur Wand und es gebe für ihn keine andere Wahl: «Ich werde Emine den Kopf abschneiden und auf den Tisch legen.»

«Ich fühlte mich nie sicher»

Die Gerichtspräsidentin wollte von der Strafklägerin wissen, weshalb sie von ihrem Mann über so viele Jahre immer wieder bedroht und geschlagen wurde. «Er stellte laufend Forderungen, indem er mich zwang, Sachen zu tun, die ich gar nicht wollte. Zum Beispiel, mit dem Auto viel zu schnell zu fahren. Da gab es jedesmal Streit. Wenn er etwas wollte oder gebraucht hat und ich nicht gehorchte, sprach er jeweils üble Drohungen aus», gab Emine schluchzend zu Protokoll. «Ich fühlte mich nie sicher, weil ich stets befürchten musste, dass er seine Drohungen wahrmacht.»

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