Gekleidet in weisse Hemden und schwarze Hosen, betraten die sieben Schülerinnen und Schüler der Kanti Wohlen den Raum. Janine Kühne trug ausserdem einen dunklen Blazer. Sie ist CEO des Miniunternehmens «Clever Cork», das sich am Donnerstagabend erstmals der Öffentlichkeit präsentierte. Doch nicht nur das Äussere wirkte sehr nach Business. Als wären Präsentationen vor Publikum ihr tägliches Geschäft, stellten die jungen Leute souverän ihr Unternehmensprojekt und seine ersten zwei Produkte vor: Brillenetuis und in Korkzapfen versteckte USB-Sticks.

Christian Nohl, Lehrer für Wirtschaft und Recht, erläuterte einleitend, wie das Projekt zustande gekommen ist. Die Non-Profit-Organisation Yes steht hinter dem Wirtschaftsbildungsprogramm, das Schülern im Alter von 16 bis 20 Jahren während eines Schuljahres dabei hilft, ein Miniunternehmen zu gründen und zu führen. Dazu Nohl: «In der Zeit erfahren sie eins zu eins die reale Wirtschaft.» Eine Lehrperson und ein Fachberater aus der Wirtschaft beraten die jungen Unternehmer. Ein Programmmanager von Yes beaufsichtigt das Vorhaben. In diesem Jahr starteten 200 Miniunternehmen mit Unterstützung von Yes. Die Top 25 der Unternehmen erhalten weitere Förderungen.

«Der Terminkalender ist eng. Auf die Schüler wartet viel Arbeit. Da müssen wir Lehrer gar keinen Druck mehr aufbauen», so der Wirtschaftslehrer mit einem Schmunzeln. Zudem sei so ein Projekt hilfreich für den Zusammenhalt, wo doch der heutige Schullalltag häufig Einzelkämpfer hervorbringe.

Alles in Handarbeit

«Dieses Unternehmen ist für uns eine einmalige Chance. Ausserdem sind wir ein gutes Team und können viele Erfahrungen sammeln», bilanziert Janine Kühne den bisherigen Projektverlauf. «Bereits vor den Sommerferien haben wir uns Gedanken gemacht, mit welcher Art von Produkt das Unternehmen erfolgreich sein könnte», berichtet Noah Schmid, der CPO. Immer wieder sei dabei Kork aufgetaucht. Die Rinde der Korkeiche sei vielseitig und zudem nachhaltig. «Das bot Spielraum, um verschiedene Produktideen zu entwickeln.» Schliesslich habe man sich für Brillenetuis und die USB-Sticks in den Korken entschieden.

Für die Etuis werden elastische, dünne Korkplatten, die mit einem Baumwollvlies verarbeitet sind, verwendet. Die Fertigung der USB-Sticks war für das Team eine echte Herausforderung. Doch CTO Dean Eicher stellte die Produktion unter das Motto: «Der Weg ist das Ziel.» Die Besucher der Präsentation durften denn auch den Prototyp bewundern, einen grossen Champagnerkorken mit einem etwas zu grossen Stick. «Das war nicht ideal, hatte aber Potenzial. Also haben wir weitergetüftelt», so Eicher. Inzwischen seien sie so geschickt, dass sie kleinere Korken verwenden könnten, um darin auch kleine Sticks verschwinden zu lassen.

Bereits erste Erfolge

Für die Vermarktung haben sich die jungen Leute auch schon einiges einfallen lassen. Die Etuis sind vielseitig verwendbar und nicht nur für Brillen geeignet, der USB-Korken wird zudem als Schlüsselanhänger angeboten. Neben ihrer Website «www.clevercork.ch» präsentiert sich Clever Cork ausserdem auf Instagram und Facebook. Dazu planen die sieben Jungunternehmer den Auftritt auf verschiedenen Märkten und Messen sowie eine Weihnachtsergänzung ihrer Produktlinie.

Erste Erfolge konnte die Jungfirma bereits am Anlass verbuchen. «Wir haben zwei Brillenetuis und fünf USB-Korken verkauft», berichtet CMO Jesse Reinhard nicht ohne Stolz.