Wohlen

«Kopftücher sind speziell, aber nicht schlimm»

Die Religionspädagogin beantwortete Fragen

Zinet Duran

Die Religionspädagogin beantwortete Fragen

35 Sekundarschüler aus Bremgarten besuchten die Moschee und stellten kritische Fragen zum Islam. Mit neugierigen Blicken tasten sich die 35 Sekundarschüler durch die Räume.

Dass sie ihre Schuhe ausziehen mussten, war nur anfangs etwas eigenartig für sie, denn in Socken fühlt man sich gleich wie zu Hause. Die Schulzimmer im ersten Stock der Wohler Moschee ähneln jenen, die sie selber besuchen. Doch richtig ins Staunen kommen die Schüler erst, als sie im zweiten und obersten Stockwerk anlangen: Hier befindet sich der grosse Gebetssaal. Die Wände sind gekachelt und bunt mit für die meisten unbekannten Zeichen bemalt, der Boden ist mit Teppichen ausgelegt.

Männer und Frauen getrennt

«In diesem Raum hier vorne beten jeweils die Männer gemeinsam, auf der anderen Seite der Wand beten die Frauen», erklärt die Religionspädagogin Zinet Duran. Sie leitet die Führung und ist offen für die kritischen Fragen der Schüler. Diese geben sich etwas schüchtern und unbeteiligt. Nach einigem Zögern meldet sich aber doch eine Schülerin: «Warum müssen die Frauen hinter der Wand beten?» Duran hat die Frage erwartet. «Uns ist es wohler, nicht mitten unter den Männern beten zu müssen. Denn die Gespräche bei den Frauen sind andere als bei Männern. Und wenn wir unter uns sind, müssen wir auch das Kopftuch nicht tragen, da haben wir es bequemer», antwortet sie geduldig.

Wild diskutiert wird nicht. Für seinen Geschmack seien die Schüler heute schon etwas zurückhaltend, findet Stefan Dietrich, Organisator des Besuchs und Geografielehrer beider Klassen. Dennoch interessieren sie sich: «Weshalb tragen Sie denn überhaupt ein Kopftuch?» Das sei für sie einfach ein Ausdruck ihres Glaubens, macht Zinet Duran verständlich. Für die Schülerin Shirin (14) ist das in Ordnung so: «Wenn man eine Frau mit einem Kopftuch sieht, ist das schon speziell, aber nicht schlimm, finde ich.»

Schüler sind vorurteilsfrei

«Die Schüler sind wirklich zu 99 Prozent vorurteilsfrei», ist Stefan Dietrich erfreut. «Der Wissensstand ist allerdings noch nicht sehr gross.» An diesem Punkt versucht er, anzuknüpfen: «Im Geografieunterricht behandeln wir gerade den Balkan und den Nahen Osten. In diesen Zusammenhang gehören auch die entsprechenden Religionen.» So werden die Klassen neben der Wohler Moschee auch eine jüdische Synagoge besuchen. «Ich versuche den Schülern zu vermitteln, dass religiöse Konflikte meist soziale Hintergründe haben. Die Problematik der Integration hat immer zwei Seiten.»

Für die Schüler war die Führung wie auch die Fragerunde sehr interessant. «Ich fand es vor allem lustig, dass sie sogar beim Skifahren Pause machen, um zu beten», erzählt Tamara (13). Sie selbst wie auch ihre Freundin Paula (13) können sich das kaum vorstellen, denn sie beten eigentlich nie. Dennoch haben sie nichts dagegen einzuwenden. «Überall werden Ausländer und vor allem Muslime immer schlechtgemacht. Dabei sind nicht alle gleich», sind sich die beiden einig.

So fühlen sich auch die Musliminnen Defne (13) und Dorentina (14) wohl in der Klasse. «Ich bete meist zu Hause, lerne aber gerade erst die Gebete», sagt Defne. Ein Kopftuch tragen sie beide nicht: «Das kommt immer auf die Familie an. Unsere Familien legen keinen Wert darauf.»

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