Bremgarten
Konzert in der Stadtkirche – geglückter Spagat und Klangfülle

«Kulturinsel» mit aussergewöhnlichem Konzert in der katholischen Stadtkirche: Il Desiderio – ein Ensemble, welches sich auf die Aufführungspraxis frühbarocker Werke spezialisiert hat und Organistin Andrea Kobi auf der Metzlerorgel.

Stephan Rinderknecht
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Das sechsköpfige Ensemble Il Desiderio interpretierte Werke von Gabrieli bis Kapsberger.

Das sechsköpfige Ensemble Il Desiderio interpretierte Werke von Gabrieli bis Kapsberger.

Zur Verfügung gestellt

In einer weitgehend säkularisierten Gesellschaft wie der unsrigen, in welcher Grossevents, ob im Sport, der Musik oder dem «Chill -Out», den Bedarf der Menschen nach Zusammengehörigkeit und entsprechenden Ritualen stillen, ist es umso erstaunlicher, dass dieselbe Gesellschaft sehr sensibel auf religiös geprägte, kalendarisch bestimmte Solemnitäten reagiert.

Bereits am Gründonnerstag schweigen zwar nicht die «Vöglein im Walde, aber die Musikboxen in den Bars. Eine dumpfe, um nicht zu sagen depressive Stimmung breitet sich wie ein dunkler, schwerer Mantel über den Menschen aus. Stille.

Und deshalb hiess es auch in der traditionellen Liturgie: «Von Gründonnerstag bis zur Osternachtsfeier: Organum tacet». Die Orgel hat zu schweigen. Denn zu jubilieren gab es nichts angesichts der Leiden Jesu. Das war die Auffassung.

Organistin überzeugt

Organistin Andrea Kobi hat den Spagat gewählt. Sie spielte virtuos auf der Metzlerorgel der katholischen Stadtkirche, deren Hauptorganistin sie ist. Aber sehr dezent, abgedunkelt, passend zum Karfreitag. Obwohl man Frobergers Toccaten und Scheidemanns Choralbearbeitungen auch anders interpretieren könnte, traf sie mit dieser Zurückhaltung die Befindlichkeit des zahlreichen Publikums.

Kulturinsel Bremgarten

Die Kultur-Insel Bremgarten fördert die "Schönen Künste" in der Region: Musik, Literatur, Malerei, Bildhauerei, Darstellende Kunst.

Angenehm fiel auf, dass sie auf die Praktik der Ligaturen und häufigen Rubati verzichtete, wie sie in den letzten Jahrzehnten im Schwange war. So hörte man sich das «Organum «auch an diesem besonderen Tag gerne an: Der Spagat gelang.

Reiches Farbenspektrum

Il Desiderio – ein Ensemble, welches sich auf die Aufführungspraxis frühbarocker Werke spezialisiert hat, mit Hans-Jakob Bollinger, Zink, Ildiko Sago Barockvioline, Peter Stelzl, Barockposaune, Susann Landert, Dulzian, Vincent Flückiger Theorbe und Daniel Rüegg Orgelpositiv, brachte Stücke von Giovanni Gabrieli bis G. Kapsberger in einem äusserst reichen Farbenspektrum zu Gehör.

Dies teils doppelchörig, mit der Hauptorgel als zweitem Chor, teils vier- bis einstimmig. Die Soli des Zinkenisten (Palestrina) und des Theorbenspielers (Kapsberger) bleiben in nachhaltiger Erinnerung. Bemerkenswert ist vor allem die redundante Klangfülle, welche eine Theorbe entwickeln kann. Ein Instrument, dem eine Renaissance (weshalb nicht auch in der zeitgenössischen Musik?) zu wünschen wäre.

Die Zuhörer bedankten sich mit langem Applaus für dieses experimentierfreudige Konzert. Der « Kulturinsel Bremgarten» bleibt sehr zu wünschen, dass sie weiterhin bereichernde, mutige Projekte jenseits ausgetretener Pfade realisieren kann. Das Publikum weiss es offensichtlich zu schätzen.

kultur-bremgarten.ch

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