Coronavirus

Konsultation ohne Körperkontakt: Tierarzt schaut durchs Handy ins Büsiohr

Hier schaut sich eine MeikoVet-Tierärztin über Videochat die Zähne eines Hundes an.

Hier schaut sich eine MeikoVet-Tierärztin über Videochat die Zähne eines Hundes an.

Die Villmerger MeikoVet AG bietet seit einer Woche Tierarztkonsultationen über Videochat an – eine Neuheit in der Schweiz.

Was ist, wenn das Büsi ständig erbrechen muss, der Hund aus einer Balgerei Verletzungen davonträgt oder der Hamster nicht mehr frisst? Man geht zum Tierarzt. Aber in Zeiten des Coronavirus sind so naheliegende Lösungen kompliziert geworden. Darum hat sich die Tierarztpraxiskette MeikoVet mit Hauptsitz in Villmergen eine schweizweite Neuheit einfallen lassen.

«Wir merken deutlich, dass viele Leute derzeit lieber daheim bleiben. Aber die Probleme oder Krankheiten der Tiere bleiben ja nicht aus. Da hat Corona als Innovationsbeschleuniger gewirkt, denn jetzt bieten wir mit unserer Plattform www.pet-care.ch eine Online-Tierarztkonsultation ­direkt vom Sofa aus an», erklärt Simon Jungen, Geschäftsführer der MeikoVet AG.

Ergänzung zum bestehenden Tierarztgeschäft

Das Konzept zur sogenannten Telemedizin hatte Jungen schon länger im Kopf und hätte es in einigen Monaten lanciert. «Viele Leute kommen erst nach Hause, wenn der Tierarzt schon zu hat. Oder es passiert am Wochenende oder abends etwas. Wenn sie in die Notaufnahme der Tierklinik gehen, kostet das eine hohe Notfalltaxe, nur damit ihr Tier angeschaut wird», so Jungen.

«Natürlich, bei einigen Fällen ist das unumgänglich,aber manchmal wünschte man sich, erst abklären zu können, ob die Notaufnahme wirklich nötig ist. Genau um diese Lücke zu schliessen, haben wir uns eine Videolösung überlegt.» Da die Vorarbeit bereits geleistet war, konnte MeikoVet in Coronazeiten nun das neue System zügig lancieren. «Uns ist wichtig zu betonen, dass wir das bestehende Tierarztgeschäft nicht konkurrenzieren, sondern eine Ergänzung dazu sein wollen», sagt der Ökonom.

Alles, was man braucht, ist ein Handy mit Kamera

Um den Kunden den Zugang zur Telemedizin so einfach wie möglich zu machen, arbeitet MeikoVet nicht mit Apps. «Es ist simpel: Man geht auf die Website und wählt einen freien Termin. Dann füllt man einen kurzen Fragebogen zum Tier aus, der direkt an die Tierärztin gemailt wird, die Dienst hat. Darauf erhält man ein Bestätigungsmail. Zur erwähnten Zeit klickt man auf den Link im E-Mail und kann mit der Tierärztin videochatten. Alles, was man braucht, ist ein Handy oder einen Laptop mit Kamera.» Als Tipp fügt er hinzu: «Einfacher geht es mit dem Handy. Wenn die Tierärztin beispielsweise in die Ohren des Tieres schauen möchte, könnte das mit dem Laptop schwieriger werden.»

So konnten seit dem Start vor einer Woche schon zahlreiche Tiere aus der Ferne angeschaut werden. «Unsere Tierärztinnen können den Tierhaltern klar sagen, ob sie auf den Notfall gehen sollten oder auf die regulären Sprechstunden warten können. Oder sie geben Tipps, wie man das Tier daheim selbst versorgen kann. Bei Bedarf können auch Medikamente verschrieben werden.» Eine Konsultation kostet pauschal 45Franken und dauert in der Regel rund 15 Minuten. «Allerdings wird nicht auf die Uhr geschaut», so Jungen.

Die vier Praxen der MeikoVet in Frauenfeld, Lyssach, Maienfeld und Hinwil, zu denen bald auch eine im Aargau kommen soll, haben gute Erfahrungen mit den Videokonsultationen gemacht. «Tagsüber leisten unsere 21 Mitarbeiterinnen diesen Dienst, abends und am Wochenende haben wir zusätzlich drei externe Tierärztinnen angestellt.» Er fügt an: «Die bisherigen Rückmeldungen der Kunden waren durchweg positiv oder sogar begeistert.»

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