Mutschellen
Konflikt um das Bremgarter Trinkwasser spitzt sich zu

Die Muntschellen-Gemeinden verfügen über zu wenig eigenes Trinkwasser. 20 bis 25 beziehen sie deswegen aus Bremgarten. Die Gemeinde hat nun den Wasserliefer-Vertrag mit dem Regionale Wasserverband Mutschellen gekündigt.

Lukas Schumacher
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Stefano Righetti mit Trinkwasser-Anlagesteuerung Bremgarten. sl

Stefano Righetti mit Trinkwasser-Anlagesteuerung Bremgarten. sl

Die Mutschellengemeinden haben zu wenig eigenes Trinkwasser. Berikon, Widen, Rudolfstetten und Zufikon sind auf auswärtiges Wasser angewiesen. Daher bezieht der Regionale Wasserverband Mutschellen für die dortigen Haushaltungen jeweils grössere Mengen aufbereitetes Zürichsee-Wasser und beschafft sich auch Wasser aus dem benachbarten Städtchen Bremgarten.

Die Bremgarter Wasserlieferung beträgt pro Jahr rund 350000 Kubikmeter (1 Kubik = 1000 Liter, 350000 Kubik = 350 Mio. Liter). Damit wird der jährliche Wasserverbrauch auf dem Mutschellen zu 25 bis 30% gedeckt.

«Knall auf Fall gekündigt»

An der Tagung des Mutscheller Wasserparlaments in Berikon überraschte Wasserverbandspräsident Heiri Römer (Widen) mit dem Satz: «Bremgarten hat uns Knall auf Fall den Wasserbezugsvertrag per Ende März 2013 gekündigt.» Akute Versorgungsengpässe seien auf dem Mutschellen zwar nicht zu befürchten, sagte er.

Denn der Wasserverband Mutschellen könne jederzeit mehr Zürichsee-Wasser zukaufen über die GALM (Gruppenwasserversorgung Amt Limmat Mutschellen). «Ohne Bremgarter Wasser ist aber unsere Versorgungssicherheit gefährdet,» betonte Römer. Falls die GALM-Leitung eine oder zwei Wochen ausfallen sollte, müsse ausreichend Wasser aus Bremgarten zur Verfügung stehen. Im Übrigen sei der Bremgarter Wasserpreis ein wenig günstiger als jener des Zürichsee-Wassers von GALM.

Längeres Hin und Her

Vor der Vertragskündigung kam es zu Auseinandersetzungen zwischen dem Mutscheller Verband und der für die Wasserversorgung Bremgarten zuständigen Stadtbehörde. Heiri Römer forderte eine Überarbeitung des Vertrags. Zudem schlug er eine langfristige Wasserbezugs-Regelung mit Bremgarten vor und pochte auf einen Rabatt: «Der Mutscheller Verband bezahlt seit Jahren einen zu hohen Wasserpreis. Uns wurden zu Unrecht Investitionsanteile aufgehalst, die nicht im Zusammenhang stehen mit Investitionen in die Wasserleitung Richtung Mutschellen.»

Der Stadtrat Bremgarten war anderer Ansicht. Nach rechtlicher Überprüfung des Vertragswerks korrigierte er aber den Mutscheller Wasserpreis. Die Stadtbehörde bot dem Wasserverband einen Preisnachlass von 50000 Franken an, je 10000 Franken für die vergangenen fünf Jahre. Ausserdem entwarf Bremgarten mehrere Vertragsänderungen. Römer goutierte nur einen Teil dieser Anpassungen. Dann traf die Kündigung ein.

«Sind in 2 bis 3 Jahren am Limit»

Die Kündigung sei keinesfalls als Racheakt zu verstehen, betont Bremgartens Stadtschreiber Rolf Küng, sondern als vorsorgliche Reaktion. Man habe den Konflikt mit dem Mutscheller Verband zu einer Denkpause genutzt. Dabei berechnete Bremgarten den mutmasslichen Wasserverbrauch bis ins Jahr 2025. Einbezogen in die Kalkulation wurden die bauliche Entwicklung Bremgartens sowie die aktuelle, vertraglich maximal mögliche Mutscheller Wasserlieferung von täglich 1500 Kubik (= Optionsmenge). Rolf Küng: «Die Berechnung zeigt, dass die Wasserversorgung Bremgarten in zwei bis drei Jahren am Limit ist, falls der Mutschellen seine Optionsmenge voll ausschöpft. Wir hätten nicht mehr genügend Wasser.»

In den letzten Jahren bezog der Verband Mutschellen im Schnitt täglich gut 1000 Kubikmeter Bremgarter Wasser. Eine Optionsmenge in dieser Grössenordnung könnte die Wasserversorgung Bremgarten noch mehrere Jahre verkraften. Eng würde es indes ab dem Jahr 2020. Rolf Küng weist auf einen weiteren Punkt hin: Die Wasserkonzessionen mit dem Kanton müssen bald (2013/2017) erneuert werden. Ob Bremgarten dann allenfalls mehr Wasser nutzen kann als heute – jährlich stehen abzüglich der Netzverluste rund 1,2 Mio. Kubik zur Verfügung –, müssten aufwändige Untersuchungen zeigen.

Eine grössere Nutzung würde den Wasserkonflikt Bremgarten/Mutschellen wohl beseitigen. Schon heute sagen beide Parteien Ja zu einer weiteren Vertragspartnerschaft, wobei beide das Wörtchen «aber» hinzufügen.

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