Wohlen
Kommt der Bushof oder nicht? Sonntag wird über das 17,75 Mio. Franken teure Projekt abgestimmt

Der Einwohnerrat sagte im März klar Ja zum Bushof-Projekt – werden die Wohlerinnen und Wohler gleich entscheiden?

Andrea Weibel
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So könnte der Bahnhofplatz Wohlen samt Bushof und unterirdischer Tiefgarage ab Anfang 2021 aussehen, wenn die Wohler am Sonntag Ja sagen.

So könnte der Bahnhofplatz Wohlen samt Bushof und unterirdischer Tiefgarage ab Anfang 2021 aussehen, wenn die Wohler am Sonntag Ja sagen.

Visualisierung/zvg

«Ich finde das richtig.» Oder: «Das ist eine sinnvolle Idee.» Die Handvoll Wohlerinnen und Wohler, die die AZ Freiamt auf der Strasse angesprochen hat (siehe Umfrage unten), sind sich fast alle einig: Das 17,75 Mio. Franken teure Projekt Bahnhofplatz/Bushof Wohlen soll auf jeden Fall umgesetzt werden. Denn genau darüber wird am kommenden Sonntag abgestimmt. Kurz zusammengefasst, geht es darum, einen überdeckten Bushof zu bauen, in dem sämtliche 14 Buslinien, die heute aus Platzgründen überall auf dem Bahnhofareal parkiert sind, von einem zentralen Ort aus abfahren können. Dazu soll der Bahnhofplatz erneuert, ausgebaut und vom Verkehr entflochten werden. Die Parkplätze zwischen dem Bahnhofgebäude und der Post, die durch diese Änderungen verdrängt werden, sollen ausserdem in einer Tiefgarage unter dem Bushof untergebracht werden – 110 Park-and-ride-Plätze sollen es gesamthaft werden. Der Einwohnerrat hat am 19. März mit nur einer Gegenstimme Ja zum Projekt gesagt.

Monika Schafroth, 46 «Das Projekt ist meiner Meinung nach zu teuer, dennoch bin ich froh, dass etwas gemacht wird. Die Situation mit den Bussen ist ein richtiges «Gnusch». Ich würde mich freuen, wenn sich da etwas ändert.»
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Melitta Hümbeli, 50 «Es ist sicher eine gute Sache. Klar, einige sagen, es sei zu teuer für Wohlen, aber manchmal muss man mutig sein und für die Zukunft planen. Es geht hier um Menschen. Ich finde, diese Aufwertung des gesamten Areals ist nötig, und zwar für die ganze Region.»
Fredy Luchsinger, 65 «Ich finde es richtig, dass da etwas gemacht wird. Der Bahnhof ist wichtig für Wohlen, und ich verstehe die Argumente des Gemeinderats gut. Natürlich ist es teuer, aber manchmal muss man eben investieren.»
Daniela Colacino, 31 «Grundsätzlich finde ich es eine sehr gute Idee. In Wohlen gibt es vieles, das man verbessern und einladender gestalten könnte. Und durch diese Aufwertung des Bahnhofes erhält er vielleicht auch einen besseren Ruf.»
Käthy Hüsser, 75 «Ich finde es super, dass endlich etwas gemacht wird. Die Situation mit den Bussen heute ist nicht nur mühsam, sondern auch gefährlich. Es lohnt sich sehr, da etwas zu verändern – es muss sein.»
Chantal Spengler, 26 «Ich gehe zwar meistens zu Fuss oder nehme das Auto, aber für die Pendler finde ich es ein sehr sinnvolles Projekt. Und für Wohlen ist es sowieso gut. Wenn schon Badi und Eisbahn saniert werden, braucht es auch einen modernen Bahnhof.»
Barbara Konrad, 52 «Seit ich die Pläne gesehen habe, finde ich, das wird genial. Wichtig ist vor allem, dass die Busse wieder alle an einem Ort abfahren und man nicht mehr lange nach dem richtigen suchen muss. Ich bin auf jeden Fall dafür.»

Monika Schafroth, 46 «Das Projekt ist meiner Meinung nach zu teuer, dennoch bin ich froh, dass etwas gemacht wird. Die Situation mit den Bussen ist ein richtiges «Gnusch». Ich würde mich freuen, wenn sich da etwas ändert.»

Andrea Weibel

«Situation heute ist gefährlich»

Das Hauptargument gegen das Projekt sind klar die Finanzen. Denn 17,75 Mio. Franken sind sehr viel Geld, gerade für eine nicht allzu finanzstarke Gemeinde wie Wohlen. Doch das Projekt kostet insgesamt 23 Mio. Franken, davon muss die Gemeinde am Ende netto nur knapp die Hälfte, also 11,4 Mio. Franken, selber tragen, denn Bund, Kanton und andere Dritte übernehmen einen grossen Batzen davon. Insbesondere der Zuschuss des Bundes durch dessen Agglomerationsprogramm kann die Gemeinde nur noch jetzt abholen, kommt das Projekt nicht durch, verfällt diese Zusage.

Knackpunkt Finanzen

«Das Projekt ist meiner Meinung nach zu teuer, dennoch bin ich froh, dass etwas gemacht wird», sagt Monika Schafroth (46). Einen Schritt weiter geht Alois Jöhl (72), der sich nicht fotografieren lassen möchte. «Dass die Busse mehr Platz benötigen, ist in Ordnung, das sehe ich ein. Aber das ganze Projekt ist absolut übertrieben. Die Busse selber haben ja ein Dach, da muss nicht der Bushof auch noch überdacht werden, schon gar nicht, wenn dieses Dach so teuer wird.» Auch sei die Einbahnstrasse auf der Bahnhofstrasse eine Abwertung fürs Dorfzentrum, findet er. Melitta Hümbeli (50) entgegnet jedoch: «Klar, einige sagen, es sei zu teuer für Wohlen, aber manchmal muss man eben mutig sein und nicht nur für den Moment, sondern für die Zukunft planen. Es geht hier um Menschen. Ich finde, diese Aufwertung des gesamten Areals ist nötig, und zwar für die ganze Region.»

Am Sonntag wird sich zeigen, ob der Einwohnerratsbeschluss von den Wohlerinnen und Wohlern unterstützt wird und ob der Verpflichtungskredit für das 17,75-Mio.-Franken-Grossprojekt gesprochen wird.

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