In der Nacht auf Montag hat der Mühlauer Landwirt Josef Stehli kein Auge zugemacht. Kniehoch stand das Wasser auf seinem Hof, weil sich über der Gemeinde ein Gewitter mit starkem Regen entlud. Die Feuerwehr Mühlau und die Stützpunktfeuerwehr Muri+ waren die ganze Nacht im Einsatz, um das Schlimmste zu verhindern – nicht nur bei Liegenschaften im Schoren.

Auf dem Hofplatz sind Schuhe zum Trocknen aufgereiht und hängen Stiefel umgekehrt auf Pfosten. Alle Türen der ebenerdigen Räume sind geöffnet. Die Pumpe der Feuerwehr Mühlau, die über 50 aktiv Eingeteilte zählt, ruht seit dem frühen Morgen, Sandsäcke stehen herum.

Vor allem das Freiamt wurde von den Untwettern getroffen: Nächtliche Feuerwehreinsätze in Mühlau und Beinwil.

Vor allem das Freiamt wurde von den Untwettern getroffen: Nächtliche Feuerwehreinsätze in Mühlau und Beinwil.

«So hoch kam das Wasser», sagt Josef Stehli am Montagmittag und zeigt mit der Hand auf die Höhe seiner Knie. Die Feuerwehren pumpten pausenlos bis morgens um sieben Uhr. Inzwischen sind die unteren Räume der Liegenschaft wieder ohne stehendes Wasser.

«Der materielle Schaden ist das eine», sagt der 78-jährige ehemalige Landwirt, «die Arbeit danach das andere.» Unter anderem sind bei ihm, neben zahlreichen kleineren Dingen, ein Tumbler und ein Kochherd zerstört worden. Ist das Wasser zum grössten Teil aus Kellern und tief liegenden Räumen abgepumpt, bleiben Schlamm und Feuchtigkeit zurück. Viel Arbeit beim Ausräumen, viel Arbeit beim Reinigen. «Da genügt es nicht, einfach mit dem Hochdruckreiniger drüber zu gehen.»

Nicht das erste Mal

Stehli weiss Bescheid. Seine Liegenschaft, die im Schoren in einer Mulde liegt, wurde vor einigen Jahren schon überflutet. Damals wurde unter anderem auch ein neuer Citroën Opfer des Wassers. «Auch wenn man versichert ist, man profitiert nicht von einer solchen Situation», weiss er, flicht aber der Aargauischen Gebäudeversicherung ein Kränzchen. «Die haben damals unkompliziert und kundenfreundlich reagiert.» Unter anderem mussten teure Entfeuchtungsgeräte eingesetzt werden, damit das Mauerwerk keinen bleibenden Schaden nahm.

Kanalisation überlastet

Es sind auch weitere Liegenschaften in Mühlau vom starken Regen betroffen worden, obwohl vor Jahren auch gewisse Hochwasserschutzmassnahmen getroffen wurden. «Wir waren die ganze Nacht mit 32 Leuten im Einsatz, neben der gesamten Feuerwehr von Mühlau», erzählt Thomas Strebel, Kommandant der Stützpunktfeuerwehr Muri+.

Die in kurzer Zeit anfallenden Wassermassen vermochten unter anderem auch die Kanalisation zu überlasten und Kanaldeckel zu heben. «Für uns war das aber ein normaler Einsatz bei Hochwasseralarm.»

Glück hatte Ralf Bucher. Ihm hat es die Remise geflutet, in der Maschinen stehen. Er geht davon aus, dass keine Schäden entstanden sind. «Das Wasser ist wieder abgelaufen, gefährdete Produkte lagerten auf Paletten, den Maschinen und Pneus konnte das Wasser nichts anhaben.»

Allerdings kam auch er zu einem unfreiwilligen Nachteinsatz. Aus Sicherheitsgründen pumpte er um 22 Uhr Gülle aus der kleinen Grube ins grosse Güllenloch, um allfällige Schäden zu vermeiden. «Das letzte Mal, dass unsere Remise geflutet wurde, liegt wohl etwa 15 Jahre zurück», erinnert sich der Geschäftsführer des Bauernverbandes Aargau.