Bettwil

Knatsch um Reglement: Kleine Modell-Flieger sorgen für dicke Luft

Um dieses Stück Land dreht sich die Bettwiler Modellflugzeug-Debatte.

Um dieses Stück Land dreht sich die Bettwiler Modellflugzeug-Debatte.

Der Bettwiler Gemeinderat regelt das Fliegen mit Modellflugzeugen mit einem Reglement. Das passt dem Benutzer des Gelände gar nicht.

Nirgends im Aargau ist die Luft so dünn wie in Bettwil, der höchstgelegenen Gemeinde des Kantons. Ganz oben am Rand des Seetals spielt sich derzeit auch ein Paragrafen-Zwist um die Luft ab. Genauer gesagt um den Luftraum.

Anfang Mai hat der Bettwiler Gemeinderat ein Reglement verabschiedet und rückwirkend vor Einsichtnahme durch die Zielpartei in Kraft treten lassen. Es geht um Auflagen für die Erteilung einer Modellflugbewilligung für eine bestimmte Parzelle. Darin sind festgehalten, welche Flugzeugtypen geflogen werden dürfen, die Anzahl Flugbewegungen, die Flugzeiten oder der Flugraum.

Doch weshalb plötzlich diese klaren Vorschriften, nachdem dort schon seit vielen Jahren auf privater Basis sporadisch geflogen wird, wie der Gemeinderat selber in der Medienmitteilung erklärt? Dahinter steckt mehr als die Mitteilung vermuten lässt. Auf Anfrage erklärt Ammann Peter Keusch: „Es gab und gibt gewisse Reklamationen von Nachbarn, die sich an den Lärmemissionen stören. Es ist eine komplizierte Angelegenheit.“

"Man kann von einer passablen Modellflugpiste reden"

Das besagte Grundstück ist von Lukas Fischer von der Roseheli AG in Holziken gepachtet. Er benutzt es gelegentlich für Heli-Landungen, um laut seinen Aussagen Landschäden anderweitig zu vermeiden. Fischer lässt aber auch einen Modellflug-Kollegen aus der Region das Gelände benutzen. „Von einer Modellflugpiste, ja gar von Vereinstätigkeit zu sprechen, ist daher weit gefehlt. Es ist eine Wiese, die ab und zu gemäht wird. Das Ganze hat keinen Veranstaltungscharakter wie es Bettwil gemäss Paragraph 14 im Polizeireglement gerne sehen möchte“, sagt Fischer. Im ganzen letzten Jahr sei dort fast nie mit Modellflugzeugen geflogen worden.

Ammann Keusch entgegnet: „Der Platz wurde gemäss eigenen Aussagen der Betreiber geebnet und anschliessend Rasen angesät, somit kann man von einer passablen Modellflugpiste reden.“

Lukas Fischer stösst sauer auf, dass die Gemeinde einfach mir nichts dir nichts ein Reglement erlässt. „Bettwil ‚bastelt‘ aus einer rein privaten Angelegenheit eine öffentliche Sache, um einem fadenscheinig selbst konstruierten Reglement einen rechtlichen Rahmen zu geben. Vor dem Erlass hat man nicht mal mit uns gesprochen“, erklärt Fischer. Seit 2004 benutze er diesen Platz und habe noch nie Probleme gehabt. Im Umkreis von 400 Metern befinden sich keine Gebäude und das Bettwiler Zentrum liegt rund einen Kilometer entfernt.

"Ich sehe keinen Grund, mich vertreiben zu lassen"

Offenbar stört der gelegentliche Modellflugbetrieb aber vor allem einen Einwohner Bettwils, der erst vor wenigen Jahren aus der massiv lärmgeplagten Zürcher Flughafen-Region hergezogen ist – und sich nun wieder mit Flugzeugen, wenn auch deutlich anderen Ausmasses, konfrontiert sieht.

Der Bettwiler Modellflieger sagt: „Seit zwei Jahren wurden kaum Modellflugzeuge mit Verbrennungsmotor geflogen, sondern nur elektrische. Von Lärm kann also nicht gesprochen werden. Der Grünstreifen liegt in der Landwirtschaftszone. Die dort erlaubten Emissionswerte werden nie erreicht. Ich sehe keinen Grund, mich als Privater vertreiben zulassen.“

Die Gemeindebehörden Bettwils befinden sich in dieser Causa zwischen Stuhl und Bank. Ammann Peter Keusch glaubt, mit der reglementarisch vorgesehenen Flugzone im Umkreis von 200 Meter Radius eine gute Lösung gefunden zu haben. Doch er sagt auch: „Keiner der Parteien will nachgeben. Wir verbieten nicht, wir wollen einen geordneten, nach Vorschriften und Rechten gestalteten Betrieb.“

Letztes Jahr liess der Gemeinderat beim Kanton abklären, ob es für die Nutzung des Grünstreifens allenfalls eine Baubewilligung braucht. Die Antwort des Departements Bau, Verkehr und Umwelt: Nein. Die Intensität der Nutzung sei marginal, die Auswirkungen auf Raum und Umwelt seien zu gering. Ein direktes Gespräch zwischen allen Beteiligten (Anwohner, Modellflieger, Gemeinde) am runden Tisch fand im Laufe der Zeit einmal statt und fruchtete nichts.

"Nötigenfalls werde ich juristisch vorgehen"

Trotz nun erlassenem Reglement ist das letzte Wort in der Bettwiler „Fluglärmdebatte“ noch nicht gesprochen, die Fronten sind verhärtet. Lukas Fischer erklärt: „Wir haben dem Gemeinderat einen Fragenkatalog geschickt. Unter anderem will ich wissen, weshalb dieser - meiner Meinung nach illegal -  ohne jegliche gesetzliche Grundlage privates, was längst geregelt ist, nochmals reglementieren will? Was auch für den Luftraum gilt, für welchen bestimmt nicht Bettwil zuständig ist. Nötigenfalls werde ich juristisch vorgehen.“ Die Luft in Bettwil bleibt vorläufig noch etwas dicker als sonst.

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