Jugendfürsorgeverein
Knatsch um Jugendfürsorgeverein: Die Gemeinden befürchten Scherbenhaufen

Nach dem Knatsch um die neue Räume treten fünf Gemeinden aus dem Jugendfürsorgeverein aus. Es könnte gar zu einem Rechtsstreit kommen: Der Vorstand hat einen Kredit von 20'000 Franken beantragt, um gegebenenfalls einen Rechtsbeistand zu engagieren.

Dominic Kobelt
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Ende Juni wird der Jugendfürsorgeverein des Bezirks Bremgarten voraussichtlich im Zufiker Sonnengut einziehen. kob

Ende Juni wird der Jugendfürsorgeverein des Bezirks Bremgarten voraussichtlich im Zufiker Sonnengut einziehen. kob

Der Jugendfürsorgeverein (JFV) des Bezirks Bremgarten hat die Kündigung der Gemeinden Unterlunkhofen, Oberlunkhofen, Arni, Oberwil-Lieli und Rudolfstetten erhalten. Dies teilte JFV-Präsidentin Jeannette Egli der Mitgliederversammlung mit.

Was ist geschehen? Der Vorstand des JFV hatte im November 2012 einen Vertrag für neue Büros im Zufiker Sonnengut abgeschlossen, obwohl der Vertrag am alten Standort an der Zugerstrasse noch bis 2017 weiterläuft.

Der Mietvertrag kann nur gekündigt werden, wenn der Verein einen Nachmieter findet oder eine entsprechende Geldstrafe bezahlt. Der Vorstand begründete dazumal sein eigenmächtiges Handeln damit, dass die Liegenschaft anderen Interessenten zugefallen wäre, hätte man auf die nächste Mitgliederversammlung gewartet.

An der ausserordentlichen Mitgliederversammlung im Januar kritisierten einige Gemeindevertreter die eigenmächtige Vertragsunterzeichnung und die Umbaukosten von rund 280 000 Franken für die Büros im Zufiker Sonnengut.

Am 29. Mai wurde dann eine Aussprache zwischen den kritischen Gemeindevertretern und dem JFV organisiert, die vom früheren Bremgarter Stadtammann Robert Bamert moderiert wurde.

Obwohl diese Gespräche laut Egli «eine gute Geschichte» waren, haben sie offenbar nicht viel gebracht: «Umso grösser war die Irritation, als ich Ende letzte Woche die ersten Kündigungsschreiben erhielt», sagte Egli, der das Thema sichtlich nahe ging.

Laut Vereinsstatuten wäre ein Austritt erst per Ende nächstes Jahr möglich. Die Gemeinden beziehen sich bei ihrem Vorgehen auf das Zivilgesetzbuch, das einen Austritt aus einem Verein per Ende Jahr erlaubt, wenn er ein halbes Jahr im Voraus angekündigt wird.

Dies könnte nun gar zu einem Rechtsstreit führen: Der Vorstand des Jugendfürsorgevereins hat einen Kredit von 20 000 Franken beantragt, um gegebenenfalls einen Rechtsbeistand zu engagieren. Dies wurde ihm mit 17 zu 6 Stimmen gewährt.

Auch in der Diskussion spürte man deutlich, dass die Geschichte noch nicht ausgestanden ist. Die Gemeindevertreter äusserten teilweise Kritik an den ausgetretenen Gemeinden. Es wurden Ängste laut, bald vor einem Scherbenhaufen zu stehen.

Stefan Achermann, Stadtrat von Bremgarten, brachte es auf den Punkt: «Der Stadtrat war genauso betroffen, was hier betreffend Mietverhältnissen geschehen ist. Es ist aber nun Mal passiert.

Die Gemeinden sollten sich überlegen, was es für eine Wirkung hat, deshalb die ganze Institution zu gefährden.» Achermann nannte die Austritte einen «Missgriff in die Solidarität der Gemeinden».

Gemeindeammann Roman Lindenmann äusserte im Namen des Gemeinderats Sarmenstorf ebenfalls Bedenken: «Mit den Statuten hat man viele Jahre lang gelebt, und jetzt zweifelt man sie an.

Vielleicht haben die Gemeinden laut ZGB recht, aber das verstösst doch gegen Treu und Glauben, es gibt schliesslich auch eine Moral.»

Lindemann befürchtete, dass der Streit im JFV auch Auswirkungen auf andere Vereine haben könnte: «Das nächste Mal ist es ein Altersheim- oder ein Feuerwehrverband. So finden wir bald keine Leute mehr für diese Vereine.» Wenn man so aufeinander los gehe, sei das eine schlechte Entwicklung in der Region.

René Bodmer, Gemeinderat von Arni, wehrt sich gegen diese Schlussfolgerung: «Das war eine isolierte Abwägung von diesem Fall, andere Organisationen betrifft das gar nicht», sagt er auf Anfrage der Aargauer Zeitung.

Das Vertrauen der kritischen Gemeinden ist offenbar weg: «Wir sind unseren Einwohnern verpflichtet und fühlen uns in diesem Verein nicht mehr wohl», so Bodmer. Man wolle zukünftig die Dienstleistungen in gleicher Qualität zur Verfügung stellen, mit einer Lösung werde man zu gegebener Zeit informieren.

JFV-Präsidentin Egli kündigte an, an der nächsten ausserordentlichen Versammlung im Herbst verschiedene Szenarien für das weitere Vorgehen präsentieren zu können. «Wir brauchen die Zeit bis dahin für seriöse Abklärungen», sagte sie.

Betreffend der Liegenschaft in Bremgarten sei man in Verhandlungen mit Interessenten, mehr dürfe sie noch nicht sagen, so Egli. Der Umzug ins neue Gebäude soll Ende Juni abgeschlossen sein.

Die turbulenten Zeiten gingen auch am Personal nicht spurlos vorbei, es gab einige personelle Veränderungen. Silvia Huber, Leiterin der Beratungsstelle, zog trotzdem eine positive Bilanz: «Wir haben ein Team von Fachleuten, auf das ich stolz bin.»

Die Rechnung präsentierte sich ausgeglichen. Allerdings gab es nennenswerte Abweichungen: So waren 200 000 Franken Einnahmen für Dienstleistungen budgetiert, effektiv flossen nur 91 000 Franken in die Kasse.

Anpassungen bei der Software und höhere Koten für Personalinserate trugen ebenfalls dazu bei, dass die Rechnung 75 000 Franken im Minus abschloss.