Bremgarten
Knast für notorischen Betrüger: Er hat für fingierte Beratungen Geld kassiert

Er hat 460 Beratungen verrechnet, dafür aber nie eine Leistung gebracht. Deshalb ist ein notorischer Betrüger vom Bezirksgericht Bremgarten zu 20 Monaten Gefängnis bedingt verurteilt worden.

Walter Christen
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Das Bezirksgericht Bremgarten.

Das Bezirksgericht Bremgarten.

Screenshot SRF

Er hat 460 Beratungen verrechnet, dafür aber nie eine Leistung gebracht. So betrog ein 63-jähriger Firmeninhaber im Zeitraum von 2006 bis 2015 mit fingierten Rechnungen im Gesamtbetrag von 150'000 Franken einen Berufsverband.

Vor dem Bezirksgericht Bremgarten musste er sich deshalb im abgekürzten Verfahren wegen gewerbsmässigen Betrugs verantworten. Der Angeklagte und die Staatsanwaltschaft hatten sich auf eine Freiheitsstrafe von 20 Monaten geeinigt, bedingt erlassen bei einer Probezeit von 2 Jahren.

Zudem muss er eine Busse von 5000 Franken sowie Verfahrenskosten von rund 3700 Franken bezahlen. Im abgekürzten Verfahren hatte das Gericht wie üblich noch zu prüfen, ob dieses Strafmass den gesetzlichen Vorgaben entsprach.

Maurus (Name geändert) zeigte sich ziemlich wortkarg. Nachdem seine Verfehlungen entdeckt worden waren, hatte er vorerst kein Geständnis abgelegt, dann die Sache aber doch zugegeben.

Vertrag mit dem Verband

Der Angeklagte war von 1997 bis 2001 bei einem Berufsverband angestellt und machte sich 2001 selbstständig. Mit dem früheren Arbeitgeber schloss er einen Zusammenarbeitsvertrag ab. Darin war geregelt, dass Maurus für Verbandsmitglieder Gratisberatungen erbringe und dafür vom Verband zu einem festgesetzten Tarif entlöhnt werde. Bis im Herbst 2015 stellte er regelmässig Honorare in Rechnung – für insgesamt 460 Beratungen, die er in Tat und Wahrheit gar nie erbracht hatte.

Die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten kam zum Schluss, dass der Angeklagte als ehemaliger Mitarbeiter davon ausgehen konnte, dass sein Mandat weder geprüft noch hinterfragt würde. Das bestätigte Maurus vor Gericht: «Mit mir hat über all die Jahre nie jemand von der Verbandsleitung gesprochen.»

Gerichtspräsident Lukas Trost wollte wissen, was ihn zu seinen Taten bewogen habe. Maurus mauerte. «Ich möchte dazu schweigen.» Was er sagte, war, dass sich seine Handlungen negativ auf sein Leben auswirkten: «Ich habe keine Stelle mehr.» Während Jahren habe er gut verdient und Geld auf die Seite gelegt. Er verfüge somit über ein finanzielles Polster, zudem sei seine Frau berufstätig. Seine Taten bereue er aufrichtig: «Ich hätte mich nie dazu hinreisen lassen sollen.»

In der Urteilsverkündung betonte Gerichtspräsident Lukas Trost: «Wir können nun einen Schlusspunkt unter das Verfahren setzen und uns fragen, weshalb der Beschuldigte seine lange und erfolgreiche Berufskarriere mit solchen Verfehlungen aufs Spiel gesetzt hat. Wir kennen nun auch seine dunkle Seite. Dennoch ist davon auszugehen, dass sich der Angeklagte künftig nichts mehr zu Schulden kommen lässt.»