Bezirksgericht Bremgarten
Knarre im Auto und Handy am Ohr – über 10'000 Franken Strafe

Ein Kosovare wurde vom Bezirksgericht Bremgarten wegen unerlaubten Waffenbesitzes zu einer empfindlichen Strafe verurteilt.

Walter Christen
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Versteckte eine Pistole im Auto: Kosovare unbedingt zu 120 Tagessätzen verurteilt. (Symbolbild)

Versteckte eine Pistole im Auto: Kosovare unbedingt zu 120 Tagessätzen verurteilt. (Symbolbild)

Oliver Menge

Mit seinem Mercedes geriet Bahir K. (Name geändert) im Januar in eine Polizeikontrolle. Er hatte telefoniert und war wegen seiner unsicheren Fahrweise aufgefallen. Im Auto entdeckten die Polizisten eine ungeladene Pistole mit vollem Magazin, dazu fünf weitere Handys und ein Brecheisen. Weiter trug Bahir K. einen grösseren Bargeldbetrag in verschiedenen Währungen auf sich. Das Schweizer Geld brauche er zur Bezahlung einer Getränkelieferung in seinem Lokal, die Fremdwährungen für Autobahngebühren auf der Fahrt in seine Heimat, gab er zu Protokoll.

«Was hat es mit dem Brecheisen auf sich, das im Auto entdeckt wurde?», wollte Gerichtspräsident Lukas Trost wissen. Bahir K. musste sich vor dem Bezirksgericht Bremgarten verantworten, weil er gegen den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Einsprache erhoben hatte. «Das Brecheisen habe ich für meinen Bruder gekauft, der auf dem Bau arbeitet», sagte der wegen Widerhandlung gegen das Waffengesetz und wegen der Benützung des Telefons während des Autofahrens angeklagte 54-jährige Kosovare.

Für diese Verfehlungen verlangte die Staatsanwaltschaft von ihm eine unbedingte Geldstrafe, Busse, Strafbefehlsgebühr und Polizeikosten von insgesamt 9550 Franken.

Pistole drei Jahre mitgeführt

Der Beschuldigte gab an, die bei der Verkehrskontrolle zum Vorschein gekommene Waffe im Januar 2014 an einem Bahnhof gekauft zu haben. Seither habe er die Pistole stets in seiner Aktentasche mitgeführt. Doch kosovarischen Staatsangehörigen ist es in der Schweiz untersagt, Waffen zu erwerben, zu besitzen und zu tragen. Gegen dieses Verbot hat Bahir K. verstossen und sich damit strafbar gemacht. Er ist kein unbeschriebenes Blatt, bereits zweimal wurde er wegen des Verstosses gegen das Waffengesetz verurteilt.

«Sie sind schon wieder mit einer Waffe erwischt worden. Warum haben Sie erneut eine Pistole mit sich geführt?», fragte der Gerichtspräsident. «Aus Angst», sagte er, «ich wurde von vier Personen mit einer Waffe bedroht und hatte deshalb echt Angst.»

«Das Strafmass ist zu hoch»

Der Verteidiger verwies wegen dieses Anklagepunkts auf ein Beispiel aus einem anderen Kanton, wonach ein vergleichbarer Tatbestand mit lediglich einem Viertel des von der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten verhängten Strafmasses geahndet wurde. Er beantragte, den Betrag von 9550 Franken deutlich zu reduzieren. Und zu den Beweggründen seines Mandanten meinte der Verteidiger: «Er wird nach wie vor bedroht. Er erzählt nicht irgendetwas. Ich kenne die Hintergründe.»

Im Urteil ging Lukas Trost noch einen Schritt weiter, als die Staatsanwaltschaft. Bahir K. wurde statt zu den beantragten 90 Tagessätzen à 90 Franken unbedingt zu 120 Tagessätzen verurteilt. Abzüglich einem Tag Untersuchungshaft sind das 10710 Franken. Dazu kommen eine Busse von 200 Franken und die Gerichtskosten.

Keine gute Prognose

Der Gerichtspräsident redete dem Angeklagten ins Gewissen und betonte, das Schlimmste in seinem Fall sei die Tatsache, dass er die Waffe stets einsatzbereit mitgeführt habe. «Und das nicht bloss aus Spass. Ich möchte gar nicht wissen, was alles hätte passieren können.» Bei der Bemessung des Strafmasses fielen zudem auch die Vorstrafen ins Gewicht, sagte der Gerichtspräsident, und: Er könne Bahir K. keine gute Prognose stellen. Er habe immer noch nicht kapiert, dass er sich an die gesetzlichen Vorschriften zu halten habe, die in der Schweiz gelten.