Geschichte präsentiert man heute dem Publikum am besten in kleinen, verkraftbaren Portionen. Diesen Weg beschreitet auch die Stiftung Geschichte Kloster Muri. Vor der Tausendjahrfeier des Klosters im Jahr 2027 gibt sie im Jahresrhythmus Publikationen zu Teilaspekten der Klostergeschichte heraus. Die ersten beiden handlichen Hefte der Reihe Murensia aus dem Verlag Hier + Jetzt (Baden) liegen vor.

Erste Etappe der Geschichte

Die Historikerin und Archäologin Franziska Jahn befasste sich mit den frühhabsburgischen Stiftergräbern. Die Historikerin Dunja Pfister näherte sich der Zeit um 1415 an, als die Eidgenossen den Habsburgern den grössten Teil des Kantons Aargau entrissen. «Mit den beiden Publikationen hat die Stiftung Geschichte Kloster Muri einen wichtigen Schritt getan», sagte Stiftungsratspräsident und Abt Benno Malfèr an der Vernissage. Ziel sei es, die Klostergeschichte in ihrer ganzen Dimension darzustellen. Publikationen zu Teilaspekten unterstützten diese Arbeit.

Für Martina Stercken, Professorin für allgemeine Geschichte und vergleichende Landesgeschichte an der Universität Zürich, sind die beiden Untersuchungen von Franziska Jahn und Dunja Pfister Bausteine einer Forschung, die neu angestossen wird. Unter ihrer Leitung entstanden die Publikationen. Die von Pater Martin Kiem, Mönch im Kloster Muri-Gries bei Bozen, Ende des 19. Jahrhunderts verfasste Klostergeschichte lasse Fragen offen. Sie müssten nun im Licht der aktuellen historischen Methodik und Erinnerungskultur beantwortet werden.

Muri als Erinnerungsort

Die Familie Habsburg habe 1970 das Kloster Muri nicht aus einem Zufall als Bestattungsort gewählt, sagte Franziska Jahn. Denn in Muri liegen die Gräber der Klosterstifter Ita von Lothringen, des habsburgischen Grafen Radbot und ihres Sohnes Adalbert. Das Kloster Muri gilt zudem neben Ottmarsheim bei Mulhouse als ältestes von den Habsburgern gegründetes Kloster.

In der Mitte des letzten Jahrhunderts untersuchte der Basler Kunstgeschichtestudent Erwin Treu die Grabstätten in Muri genauer. Die Klosterkirche wurde zu dieser Zeit gerade renoviert. Treu war der Zutritt zur Kirche verboten. Trotzdem drang er zusammen mit seinem Freund Rico Galizia aus Muri illegal in das Gotteshaus ein, erstellte einen Grabungsbericht und machte Fotoaufnahmen von den offengelegten Gräbern.

Zum Glück gelang es Peter Hägler, Geschäftsführer der Stiftung Geschichte Kloster Muri, zwei Kisten mit Grabungsfotos aus dem Nachlass eines Murenser Mönches vor der Vernichtung zu retten. 1954 wurden am Kirchenboden Einritzungen angebracht, womit man an die Gründungsgeschichte des Klosters Muri erinnern wollte.

Den Wechsel gut verkraftet

In ihrer Arbeit «Herrschaftswechsel und Krisenmanagement» über die Eroberung des Kantons Aargau durch die Eidgenossen anno 1415 befindet Dunja Pfister, dass das Kloster Muri von den Kriegszügen «nicht weiter» betroffen worden sei. Es sei dem Abt und Konvent gelungen, die angestammten Rechte und Freiheiten sicherzustellen.

Wie die ehemaligen habsburgischen Landstädte scheinen sich, so Pfister, auch Abt und Konvent dem Herrschaftswechsel gefügt zu haben. «Als Grundherren in der Region hatten sie wohl weniger Mühe, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen, als etwa habsburgische Dienstleute, die ihre Machtbasis ohne die Landesherrschaft der Habsburger nicht mehr halten konnten», schreibt die Historikerin.

Nur: Die neue Herrschaft war nun räumlich näher und statt lokaler Vögte verwalteten fremde Vögte das Gebiet. Das Kloster Muri verlor zudem das Recht, einen eigenen Vogt zu wählen.

Die neuen Publikationen sind für 19 Franken bei Muri-Info erhältlich.