Philipp Zimmermann sass als Telefonjasser für Klingnau nicht zu Hause in der Stube, wie man vielleicht annehmen würde, sondern in einem SRF-Wagen am Austragungsort in Simplon-Dorf. Von dort aus verfolgte er die beiden ersten Runden, in denen Wohlen den Telefonjasser stellte. 38 Differenzpunkte hatten seine Klingnauer Kollegen bis dahin gemacht, nur 29 die Jasser aus Wohlen.

Zimmermann startete also mit einem Rückstand – und er war nervös, wie er nach dem Ende der Sendung sagte. «Ich war früher Handballschiedsrichter, habe Spiele in der NLA gepfiffen, aber so aufgeregt wie heute war ich damals nie.» Es sei ein ganz anderes Gefühl, als Telefonjasser aus der Ferne anzusagen und zu entscheiden, als beim Spiel direkt mit den Konkurrenten am Tisch zu sitzen.

0 statt 17 in der ersten Runde

Die erste Runde gelang ihm gar nicht nach Wunsch: Zimmermann sagte mit zwei Assen im Blatt nur 17 Punkte an, jasste relativ defensiv – und machte am Ende keinen Stich. «Ich hatte zweimal die Gelegenheit, mit dem Ass reinzugehen und Punkte zu machen, aber ich habe Risiko genommen und abgewartet – und am Schluss verloren», fasste er die erste Runde zusammen.

Auch im zweiten Durchgang sah es lange nicht gut aus, erst der letzte Stich ging an den Klingnauer, der damit immerhin 23 Punkte machte, aber sechs Zähler unter seiner Ansage von 29 blieb. Insgesamt resultierten für den dreifachen Familienvater damit 23 Differenzpunkte. «Ich hätte gerne ein besseres Resultat abgeliefert», sagte der Telefonjasser, der im Qualifikationsturnier bei 16 Runden im Schnitt weniger als fünf Differenzpunkte gemacht hatte.

Dabei hatte sich Zimmermann mit seinen Jasskollegen gut vorbereitet auf das Duell mit Wohlen - dieses verlor Klingnau letztlich mit 90 zu 60 Differenzpunkten. «Wir haben in den letzten Wochen ein paar Runden Differenzler gejasst und auch immer wieder zusammen angeschaut, wie viele Punkte wir mit welchen Karten ansagen würden.»

Kilchsperger begrüsst Klingnauer Fans persönlich.

Kilchsperger begrüsst Klingnauer Fans persönlich.

Simplon Dorf hat nur 300 Einwohner. Um Werbung zu machen, hatte der Moderator versprochen, jedem Gast auf dem kleinen Dorfplatz per Händedruck zu begrüssen.

Nervös sei er nicht und auch Druck verspüre er keinen, sagte der Klingnauer noch am Donnerstagmorgen. «Am Ende kommt es immer auch auf die Karten an, da hoffe ich auf ein glückliches Blatt», sagte Zimmermann vor der Sendung. Rückblickend seien die Karten jedoch schwierig gewesen – und zwar für beide Telefonjasser, da sei er sich mit dem Wohler Roger Hefti einig gewesen.

Zwei Stunden im SRF-Wagen

Die Laune verderben liess sich Philipp Zimmermann von der Klingnauer Niederlage aber nicht. «Die Stimmung hier auf dem Dorfplatz ist grossartig, nach zwei Stunden im SRF-Wagen gehe ich jetzt raus und geniesse das noch ein bisschen», sagte er.

Besser als im Fernsehen lief es Zimmermann übrigens im Radio. Ein erstes Duell zwischen Klingnau und Wohlen, die gestern in Simplon-Dorf gegeneinander antraten, fand nämlich Anfang Woche statt: Radio Argovia lud Philipp Zimmermann und Daniel Huwiler (Wohlen) zum Probejass. «Die Hauptprobe ging an mich», sagt Zimmermann, der vier Differenzpunkte machte, während Huwiler auf zehn Zähler kam.

Die Jass-Fans auf dem Weg ins Wallis – ausgerüstet mit Strohhüten und Fanshirts

Die Wohler Jass-Fans auf dem Weg ins Wallis – ausgerüstet mit Strohhüten und Fanshirts

Die Stimmung ist gut. Für die 45 Fans ist klar: «Wenn das kein Sieg gibt heute, dann hats nicht an uns gelegen.»