Forstbetrieb

Kleine Massnahmen für die Biodiversität, aber: «Man kann nicht allen Arten gleichzeitig helfen»

Forstwart Christoph Schmid setzt sich für die Artenerhaltung im Wald ein.

Forstwart Christoph Schmid setzt sich für die Artenerhaltung im Wald ein.

In den Freiämter Wäldern gibt es viele Projekte, die die Artenvielfalt fördern. Oft haben die kleinen Eingriffe die grösste Wirkung.

«Das ist ein Paradebeispiel für die Artenerhaltung», sagt Revierförster Christoph Schmid vom Forstbetrieb Mutschellen, während er auf eine alte Eiche zeigt. «Über 2000 verschiedene Insektenarten leben in solch einem Baum. Mit minimalen Aufwand kann so die Biodiversität gefördert werden.»

Das ist aber bei weitem nicht die einzige Massnahme zu Artenerhaltung. Alleine im Gebiet Mutschellen gibt es 30 angelegte Biotope. Regelmässigen Waldbesuchern sind diese Tümpel, geschützten Bäume oder Asthaufen vielleicht schon einmal aufgefallen. Aber nicht allen positiv. «Viele erkennen den Nutzen mancher Projekte nicht sofort und finden, dass sie das Waldbild stören», sagt Christoph Schmid. «Oft sind es die kleinen, unscheinbaren Massnahmen, die eine grosse Wirkung haben.»

In der Natur muss man mit Kompromissen leben

«Man kann nicht allen Arten gleichzeitig helfen. Das begreifen leider viele Leute nicht», betont Schmid. «Passt man den Lebensraum einer Spezies gezielt an, ist er für eine andere Tierart wiederum weniger geeignet. Es gibt nicht nur gute und schlechte Lösungen in der Natur. Man muss mit Kompromissen leben.»

Ein gutes Beispiel dafür ist eines der neuen Biotope auf dem Mutschellen. Da die nassen Böden schon von vorne weg gut für Amphibien sind, versucht man, seltene Arten wie die Gelbbauchunke oder die Geburtshelferkröte zu fördern. Schmid sagt: «Es macht keinen Sinn, Arten zu fördern, die auch sonst fast nicht bei uns zu sehen sind. Wir versuchen aber trotzdem auch Gebiete zu vernetzten, um einen Artenaustausch möglich zu machen.» In diesem Biotop werden zwei neue Tümpel angelegt.

Während die Amphibien ein solches Biotop gerne entgegennehmen, ist es für Arten, die nicht im Wasser leben oder einen trockenen Untergrund brauchen, weniger optimal. Das neue Biotop wird extra zu dieser Jahreszeit gebaut. «Kurz vor dem Winter hat es weniger aktive Tierarten, die wir mit dem Bau stören», erklärt Schmid. «Etwa zwei Drittel des fertigen Biotops sind am Ende von uns angelegt, den Rest lassen wir unberührt. Wichtig ist, dass es immer grössere Äste oder Asthaufen als Rückzugsort für die Tiere gibt.» Ein weiterer wichtiger Punkt sei die Ortswahl des Biotops und welche Arten man fördern will.

Eibe wurde beinahe ausgerottet

Neben den Tier- und Insektenarten werden auch Bäume und Pflanzen gefördert. «Am Waldrand bekommen die jungen Bäume genügend Licht», erklärt Schmid. Eine der Baumarten, die geschützt wird, ist die langsam wachsende Eibe. «Der Baum ist für Pferde extrem giftig. Deswegen wurde er früher beinahe komplett ausgerottet», sagt Schmid. «Heute setzen wir uns für seine Erhaltung ein.»

Der Schutz der Bäume und Büsche hat aber noch einen anderen Einfluss: «Die Wildobstbäume sind gut für Wildtiere, die dadurch mehr Nahrung haben, und die Beeren ziehen Insekten an, was im Endeffekt mehr Nahrung für die Vogelarten bedeutet.» Auch tote Bäume sind von grossem Nutzen. «Das Totholz ist das, was Leute meistens als störend empfinden», erzählt Schmid. «Aber auch das ist von Nutzen. Es gibt viele Arten, die Schatten brauchen und auch für Pilze und Insekten ist es ein optimaler Nährboden.»

Schmid sagt weiter, dass die Leute früher die Asthaufen noch fürs Heizen im Winter abgeholt haben. «Das finden wir immer noch gut, da das Heizen mit dem Waldholz ökologischer ist als mit Öl oder Strom.» Heutzutage nehme das aber immer mehr ab, sagt Schmid. In Absprache mit dem Forstwart kann man das Holz aber immer noch gratis abholen.

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