Rudolfstetten
Kleine Geste macht grosse Freude

Das Caffé Christina in Rudolfstetten hat einen aussergewöhnlichen Kaffee in sein Sortiment aufgenommen.

Loredana di fronzo
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Hinter Christina und Dino Suppa zeigt eine kleine Tafel, wie viele Caffè Pendente gerade zur Verfügung stehen. Loredana Di Fronzo

Hinter Christina und Dino Suppa zeigt eine kleine Tafel, wie viele Caffè Pendente gerade zur Verfügung stehen. Loredana Di Fronzo

Loredana Di Fronzo

Einfach mal in ein Café hineinspazieren, nichts ahnend einen Kaffee bestellen und dann gesagt bekommen: «Dieser Kaffee ist bereits bezahlt. Sie dürfen ihn umsonst haben.» Im Caffè Christina, im Zentrum von Rudolfstetten, ist diese Wunschvorstellung Realität geworden. Die Inhaber Christina und Dino Suppa haben seit Weihnachten etwas Neues in ihrem Sortiment: den «Caffè pendente» oder auch «Caffè sospeso» genannt, was so viel wie «Frei-Kaffee» heisst. Die beiden Begriffe «pendente» und «sospeso» stammen aus dem Italienischen und bedeuten in der deutschen Sprache «schwebend» bzw. «in der Schwebe lassen». Das Prinzip des Caffè pendente ist einfach: Man kauft einen Kaffee und bezahlt einen Zweiten, für jemanden, den man nicht kennt, dazu.

Alte Tradition aus Neapel

Diese Tradition ist rund 100 Jahre alt und stammt aus Neapel. Dazumal herrschte in Italien grosse Armut und viele Leute konnten sich gar keinen Kaffee leisten. Da ein kleiner Teil des Volks aber doch über einen gewissen Wohlstand verfügte, pflegte dieser die freundliche Geste, dem nächsten, der nach einem Kaffee fragte, einen zu spendieren. Wer also den Luxus eines heissen Kaffees nicht vermochte, fragte in einem der Cafés einfach nach einem Caffè Pendente und kam schliesslich doch noch in den Genuss feinster gemahlener Mokkabohnen. Dieser Brauch hat sich durch die vielen ausgewanderten Italiener weltweit etabliert. Heute wird die Tradition nicht mehr aus Not, sondern einfach als nette Geste weitergeführt. «Es geht heutzutage nur darum, jemandem eine Freude zu bereiten», erklärt Dino Suppa. Wenn
also jemand mal nicht das nötige Kleingeld bei sich hat, kann er einfach im Caffè Christina vorbeischauen, einen kostenlosen Kaffee beziehen und beim nächsten Besuch zwei Kaffees zahlen.

Idee dank einer Stammkundin

Aber wie kam das Ehepaar auf die Idee, den Caffè Pendente anzubieten? «Alles begann mit einer Stammkundin», erinnert sich Dino Suppa. Diese hätte einen Kaffee für eine andere Frau, die später noch vorbeischauen wollte, bezahlt. «Dabei musste ich sofort an den Brauch des Caffè pendente denken und kam dadurch auf die Idee, diese Tradition bei uns wieder aufleben zu lassen.» Schon der italienische Schriftsteller Luciano De Crescenzo, ein Idol von Suppa, schrieb in einem seiner Bücher über das neapolitanische Brauchtum und den dazugehörigen Caffè Pendente.

Auch Suppa ist ein leidenschaftlicher Schriftsteller. Er selber hat schon zwei Bücher, «Il grande Passo» und «L’età delle campane sciolete», publiziert. Das Schreiben bleibt für ihn aber nur ein Hobby, denn beruflich kümmert er sich sehr gerne um sein Café. Mit Erfolg. «Kunden sagen immer wieder, dass wir den besten Kaffee im ganzen Limmattal hätten», sagt Suppa strahlend vor Stolz.