Man geht mit ungeliebten Stücken hinein und kommt in neuer Pracht heraus. Die Wohler Bleichi verwandelt sich am nächsten Sonntag in einen magischen Kleiderschrank. Hier wird sich abspielen, was man sonst vor allem innerhalb der Familie kennt: ein gross angelegter Kleidertausch.

Doch statt dem Bruder oder der Schwester gibt man seine Kleider an Wildfremde weiter und schlüpft selber in deren getragene Jeans oder Röcke. «Tauschen ist viel günstiger und vor allem nachhaltiger», erklärt Tara Probst.

Die 22-Jährige organisiert den Anlass mit ihrer ehemaligen Schulkollegin Anja Maier. Das Kleidertausch-Projekt ist Teil der Walk-in-Closet-Eventreihe, die nebst in Wohlen regelmässig in anderen Schweizer Ortschaften stattfindet. Der Zweck: Die Bevölkerung auf die Folgen des masslosen Kleiderkonsums aufmerksam machen.

Idee statt Traumschuhe

Die jungen Frauen sind seit zwei Jahren Fans von Kleidertauschbörsen. Alles begann damit, dass Anja Maier ihre Paar Wunschschuhe in keinem Laden fand. Daraufhin machte sie sich auf alternativen Wegen auf die Suche nach ihren Traumschuhen: Sie durchforschte mit Tara Probst online Tauschportale, stöberte in Brockenstuben und in Walk-in-Closet-Filialen.

Gefunden haben sie nicht die Schuhe, sondern eine neue Leidenschaft: das Kleidertauschen. «Anstatt immer neue Sachen zu kaufen, kann man doch tauschen», sagt Maier. Ihre Kollegin ergänzt: «Auch hier freut man sich, wenn man neue Kleider nach Hause nehmen kann, genauso wie wenn man sie neu kaufen würde.» Zudem: «So landen viel weniger Kleider vorzeitig im Abfallsack.»

Die Idee eines offenen Kleiderschrankes begeisterte die beiden Büttikerinnen und sie beschlossen kurzerhand, im Freiamt selber einen durchzuführen. Der erste fand vor einem Jahr in Sarmenstorf statt, der zweite im Sommer in Wohlen.

Jeweils rund 70 Tauschwillige kamen. Es dürften noch mehr sein, meinen die Organisatorinnen. «200 wären schön», sagt Anja Maier. An Helfern, die die Kleider entgegennehmen, sortieren und an den Kleiderstangen aufhängen, mangelt es nicht.

«Zum Glück haben wir beide zusammen fünf Geschwister», sagt Tara Probst und lacht. Mangel haben die beiden hingegen noch an Material. So fehlt es an Kleiderständer. «Wir hoffen auf Sponsoren», sagt Probst.

Wer sich am Sonntag ins Eldorado stürzen will, muss zweierlei mitnehmen. Kleider, aus denen man herausgewachsen ist oder einem nicht mehr gefallen und: fünf Franken. So viel kostet der Eintritt in den Kleiderschrank.

«Es kann nicht sein, dass wir draufzahlen», sagt Tara Probst. Die Kleider, die auch nach den vier Stunden keinen neuen Kleiderschrank finden, werden an Hilfsorganisationen abgegeben. Denn sie wegzuschmeissen, wäre vor allem eines: unnötig.

Walk-in-Closet, Sonntag, 15. November, 13 Uhr bis 16 Uhr, Bleichi Wohlen.