Die Kreisschule Kelleramt in Jonen musste zwei Abteilungen im Hinblick auf das neue Schuljahr 2018/2019 schliessen. Der Kanton erteilte keine Bewilligung mehr für die 1. und die 2. Real, weil die Mindestzahl von 13 Schulkindern pro Klasse nicht mehr erreicht wurde.

Wie dem aktuellen Joner Schuljahresbericht entnommen werden kann, ist es, trotz der Unterstützung einiger Grossräte aus der Region, nicht gelungen, die Aufhebung von zwei Realschulabteilungen zu verhindern. Denn sowohl die 1., als auch die 2. Real, weisen nur je elf Schülerinnen und Schüler auf und unterschreiten somit die erforderliche Zahl pro Abteilung um zwei Schüler.

So durften nach den Sommerferien insgesamt 22 Kinder aus dem Kelleramt nicht mehr nach Jonen in die Schule gehen. Die 1. Real befindet sich jetzt in Zufikon, die 2. Real in Bremgarten, während die 3. Real und alle Abteilungen der Sekundarschule weiterhin in Jonen unterrichtet werden. Sollten übrigens für das Schuljahr 2019/2020 wieder 13 Kinder oder mehr aus dem Kelleramt an die Realschule angemeldet werden, dann werden die beiden jetzt «verlorenen» Abteilungen wieder in Jonen geführt.

Schülerkosten steigen

Das Schuljahr 2017/2018 war also in Bezug auf die Standortsicherung der Kreisschule Kelleramt von wesentlicher Bedeutung, weil an der Realschule die minimalen Schülerzahlen nicht mehr eingehalten werden konnten. Das Verdikt des zuständigen kantonalen Departements Bildung, Kultur und Sport (BKS) in Aarau war klar, die 1. und 2. Real mussten verlegt werden. Es sei immerhin gelungen, den entsprechenden Abnahmevertrag noch rechtzeitig bis Ende 2017 abzuschliessen, wie im aktuellen Joner Schuljahresbericht nachgelesen werden kann. Dazu ergänzte Schulpflegepräsident Thomas Frei: «Eine negative Konsequenz dieser Massnahme betrifft die Schülerkosten, die damit für die restlichen Schüler in Jonen noch grösser geworden sind.»

Während dreier Jahre wurde an der Kreisschule Kelleramt versucht, mittels Umstellung auf altersdurchmischtes Lernen die Realabteilungen in Jonen zu behalten. Mit dieser Massnahme wäre der vom Kanton gewünschte Spareffekt erzielt worden. Die Kreisschule Kelleramt kam nun der ultimativen Forderung des BKS nach, die beiden Abteilungen aufzuheben. Gleichzeitig stellte sie aber fest: «Das Sparziel wird nicht erreicht, da nun einfach in Bremgarten eine neue Realabteilung eröffnet werden musste.»

Zu spüren bekommen die Haltung des BKS die Steuerzahler der Kellerämter Gemeinden, denn mit dem Wegzug von 22 Schülern erhöhen sich die Pro-Kopf-Schülerkosten an der Kreisschule. Zudem müssen einige Gemeinden jetzt die Transportkosten für die Busabonnemente nach Zufikon und Bremgarten übernehmen, die seit diesem Schuljahr neu anfallen.

Die «Betriebskosten pro Schüler» der Kreisschule Kelleramt sind im Jahresbericht aufgelistet und lagen für das Jahr 2017 bei rund 6050 Franken. Ganz anders sahen die Zahlen in den letzten Jahren aus: 2500 Franken anno 2007 oder beispielsweise 3600 Franken im Jahr 2013. Ab 2014 stiegen die Kosten von 4300 auf 5600 Franken im Jahr 2015 und gar auf 6300 Franken im Jahr 2016. Die Schülerzahlen verringerten sich in den letzten 10 Jahren stetig: 2007 waren es 231 und im Jahr 2013 noch 184. Von 2014 bis 2017 pendelte sich die Zahl der Schüler zwischen 134 und 125 ein.

Rückblick in die Schulgeschichte

Die Kreisschule Kelleramt wurde auf den 1. Januar 2002 aus der Taufe gehoben. Die im Verband zusammengeschlossenen Gemeinden Arni, Jonen, Oberlunkhofen, Rottenschwil und Unterlunkhofen führen seither die Oberstufenabteilungen der Real- und Sekundarschule gemeinsam, während die Primarschulen nach wie vor in jeder Gemeinde autonom sind.

Der Ausbau der Gemeindeschule Jonen zur Regionalschule für die Oberstufe nahm ihren Anfang aber schon vor über 80 Jahren mit der Einrichtung einer Sekundarschule. Es war Pfarrer Schüepp, der damalige Präsident der Schulpflege Jonen, der im Jahr 1927 anregte, mit den anderen Schulpflegen des Kelleramtes Fühlung aufzunehmen, um eine Sekundarschule zu gründen. Und so beschloss die Gemeindeversammlung in Jonen 1934 die Schulgründung. Diese erfolgte im Jahr 1936, in drei Klassen wurden ab dem Zeitpunkt 26 Schüler unterrichtet.