Festtag

Kirchliche Prominenz aus ganz Europa trifft sich in Muri

In der Klosterkirche Muri wird am Wochenende zum 950. Weihetag hoher Besuch aus dem In- und Ausland erwartet.

In der Klosterkirche Muri wird am Wochenende zum 950. Weihetag hoher Besuch aus dem In- und Ausland erwartet.

In der Klosterkirche wird am Samstag mit einer grossen Feier der 950. Weihetag begangen, dieser wird mit seinem Programm und den illustren Gästen auch der Höhepunkt des Kirchenjahrs sein.

Er werde wieder einmal nach Muri kommen. Das versprach der ehemalige Murianer Pfarrer Urs Elsener, als er sich letztes Jahr von der Kirchgemeinde verabschiedete und als neuer Pfarrer von Schaffhausen in seine Heimat zurückkehrte. Elsener löst sein Versprechen ein. Er ist am Samstag einer der über hundert Gäste am 950. Weihetag der Klosterkirche Muri.

Heimatlichen Boden betritt an diesem Tag auch Pater Benedikt Staubli, in Muri aufgewachsen, zehn Jahre lang Pfarrer in Boswil und seit zwei Jahren Dekan und Stellvertreter von Abt Benno Malfèr im Kloster Muri-Gries. Staubli vertritt den Abt, der sich auf einer Dienstreise im Ausland befindet. Aus beruflichen Gründen kann auch Bischof Felix Gmür nicht nach Muri kommen. Dafür haben sich die Aargauer Regierungsräte Roland Brogli und Alex Hürzeler angemeldet.

«Messe von Muri» wird aufgeführt

Für den Abt des Klosters Einsiedeln, Urban Federer, ist der Besuch in der Klosterkirche Muri eine Premiere. Am Dienstag begrüsste der Benediktiner Abt in seinem Kloster 25 Asylbewerber aus Eritrea, die hinter den Klostermauern Schutz finden. Das Fernsehen war dabei und strahlte die Nachricht in alle Schweizer Wohnstuben aus. In Muri wird Urban Federer zusammen mit Konzelebranten den feierlichen Festgottesdienst leiten.

Johannes Strobel dirigiert

Den weiten Weg nach Muri nimmt das Ensemble Sacro Profanum für Alte Musik aus München unter die Räder. Es wird zusammen mit den Solisten Maria C. Schmid (Sopran), Javier Robledano Cabrera (Alt), Dino Lüthy (Tenor) und Marcus Niedermeyr (Bass), dem Kirchenchor Muri und David Blunden (Orgel) wieder einmal die «Messe von Muri» von Valentin Rathgeber aufführen, geleitet von Johannes Strobl, der als vielseitig begabter Musiker der Klosterkirche eine Ausstrahlung verleiht, die weit über die Grenzen der Schweiz hinausgeht.

Zwischen der «Messe von Muri» und dem Kloster Einsiedeln gibt es eine Verbindungslinie. Das Notenmaterial lagerte unerkannt im Klosterarchiv, bis es 2005 dem Barockkomponisten Valentin Rathgeber zugeordnet werden konnte. Auf der Gästeliste zum Jubiläumsfest befinden sich 18 Theologen, darunter auch die Äbte der Klöster Einsiedeln, Engelberg, Uznach und Marienberg im Südtirol, die Priore von Sarnen und Fischingen sowie Pater Pius Agreiter aus dem Kloster Habsthal in Süddeutschland.

Die Benediktinerinnenklöster Hermetschwil, Habsthal und Fahr sind mit Äbtissin Angelika, den Priorinnen Pia und Kornelia und Schwester Veronika vertreten. Das teilt Martin Egli, Präsident der Vereinigung der Freunde der Klosterkirche, mit. Die ganze Benediktinergemeinde wird also am grössten Fest in Muri vertreten sein, bevor das Kloster in dreizehn Jahren seinen 1000. Geburtstag feiert. Aus Vaduz reist auch Erzherzog Simeon von Habsburg-Lothringen an. Er vertritt das Haus Habsburg, dessen Vorfahren Idda und Radbot das Kloster Muri 1027 gestiftet haben.

Begegnung mit der Vergangenheit

Der Erzherzog begegnet nicht zum ersten Mal vergangenen Zeiten. Denn die Herzen seiner Grosseltern, des letzten österreichischen Kaiserpaars Karl I. und Zita, wurden in Muri in der Loretokapelle bestattet. Der Kaiser musste mit seiner Familie nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg ins Exil. Ohne abgedankt zu haben, starb er 1922 auf der Insel Madeira. Die Kaiserin hielt ebenfalls eisern an der Krone fest und durfte bis 1982 österreichischen Boden nicht mehr betreten.

Sie starb vor 25 Jahren, erinnert sich der ehemalige Kirchenpflegepräsident Hans Martin Strebel in der «Posaune», im Mitteilungsblatt der Freunde der Klosterkirche. Die Kaiserin wurde vom 16. bis 28. März 1989 in der Klosterkirche aufgebahrt und mit einem Requiem verabschiedet, das Gäste aus ganz Europa zusammenführte. Danach wurde die Kaiserin diskret nach Klosterneuburg bei Wien überführt und am 1. April 1989 in der Wiener Kapuzinergruft bestattet.

Der 950. Weihetag der Klosterkirche ist für Röbi Lang, seit 13 Jahren Sakristan, kein Tag wie ein anderer, «sondern ein Höhepunkt in meinem Leben». Er habe mit Erzherzog Simeon schon mehrmals einige Worte gewechselt, sagt er. «Er ist ein einfacher, umgänglicher Mensch.» Auf Lang und seinen Berufskollegen Hans Keusch, Sakristan in der Pfarrkirche, warten einige Vorbereitungsarbeiten.

«Wir werden noch zusätzliche Stühle in die Kirche stellen müssen. Denn wir erwarten viele Besucher. Die Klosterkirche, die etwas über 500 Menschen fasst, wird voll sein», ist sich Lang sicher. Den Apéro, zu dem die ganze Bevölkerung eingeladen wird, servieren die Mitglieder der Kirchenpflege und die Vorstandsmitglieder der Freunde der Klosterkirche.

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